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Bundeswehrsoldaten mit Gewehren vom Typ G36 in Sigmaringen in Baden-Württemberg.

Bundeswehrsoldaten mit Gewehren vom Typ G36 in Sigmaringen in Baden-Württemberg. © Patrick Seeger/Archiv

Verteidigung

G36 wird ausgemustert

Die Tage des G36 sind gezählt: 167 000 Standardgewehre der Bundeswehr landen demnächst in den Arsenalen der Bundeswehr oder auf dem Schrottplatz. Die Truppe kann sich aber über Ersatz freuen.

Berlin. Nach jahrelangem Hin und Her wird das Sturmgewehr G36 der Bundeswehr wegen Präzisionsproblemen ausgemustert. Ab 2019 sollen die 167 000 Exemplare der wichtigsten Waffe der Truppe durch modernere Gewehre ersetzt werden.

"Wir haben uns im Einvernehmen mit der militärischen Führung für einen klaren Schnitt entschieden", erklärte die Verteidigungsministerin. Der Auftrag soll europaweit ausgeschrieben werden.

Der baden-württembergische Hersteller Heckler & Koch begrüßte die Entscheidung des Ministeriums und kündigte ein Angebot für ein neues Gewehr an. Gleichzeitig bekräftigte das Unternehmen, dass das G36 den mit der Bundeswehr vereinbarten Anforderungen "vollumfänglich" entspreche.

Die Ministerin hatte bereits Anfang April erklärt, dass das Gewehr wegen Präzisionsproblemen in seiner jetzigen Konstruktion keine Zukunft in der Bundeswehr hat. Offen war aber noch, ob die Waffen ausgemustert oder nachgerüstet werden. Jetzt ist das Aus des in der Bundeswehr relativ beliebten Gewehrs besiegelt.

Die ersten Exemplare des Nachfolgers sollen 2019 ausgeliefert werden. Für die Übergangsphase sollen die Präzisionsprobleme des G36 in erhitztem Zustand und bei Dauerfeuer durch die Anschaffung von 600 Sturmgewehren anderen Typs (G27P) und 600 leichten Maschinengewehren (MG4) für die Soldaten ausgeglichen werden.

Auch diese Gewehre stammen von Heckler & Koch. Die Opposition hatte dem Ministerium deswegen vorgeworfen, sich von dem Hersteller abhängig zu machen. Wohl auch deswegen betonte von der Leyen am Dienstag, dass es ein "offenes und transparentes Ausschreibungsverfahren" geben werde.

Wie viele Gewehre angeschafft werden, ist ebenso unklar wie die Kosten. Es werden aber wieder viele Zehntausend sein. Für das G36 wurden insgesamt 182 Millionen Euro ausgegeben. Ein Gewehr kostet etwa 1000 Euro.

Was mit den ausgemusterten Waffen passiert, ist auch noch offen. Ein großer Teil wird wahrscheinlich zunächst in den Arsenalen der Bundeswehr verschwinden. Verkauf und Verschenkung sind auch Optionen. So gab die Bundeswehr bereits 8000 G36 an die Kurden im Irak für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) kostenlos ab.

Bereits 2010 gab es erste Hinweise auf die Präzisionsprobleme. Trotzdem hatte das Verteidigungsministerium jahrelang an dem Gewehr festgehalten. Von der Leyen hat drei Kommissionen eingesetzt, um die Affäre zu untersuchen. Sie befassen sich mit den Auswirkungen im Einsatz, Organisationsstrukturen und möglichen Hinweisen auf Korruption. Die Ergebnisse werden Mitte Oktober vorgelegt.

Die Opposition hatte keine wesentlichen Einwände gegen die Ausmusterung des G36, forderte aber Maßnahmen gegen "Vetternwirtschaft". Sowohl Grüne als auch Linke werfen dem Ministerium vor, mit Heckler & Koch gekungelt zu haben. "Bevor Verteidigungsministerin von der Leyen für Hunderte Millionen Euro neue Sturmgewehre kauft, muss sie erst einmal mit der Vetternwirtschaft in ihrem Haus aufräumen", erklärte der Linke-Rüstungsexperte Jan van Aken.

dpa


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