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In einem Thalys-Schnellzug Richtung Paris war ein bewaffneter Mann überwältigt worden.

In einem Thalys-Schnellzug Richtung Paris war ein bewaffneter Mann überwältigt worden. © Stephanie Lecocq

Kriminalität

Frankreich und die USA feiern die "Thalys-Helden"

Französische Anti-Terror-Ermittler prüfen nach der Attacke in einem Hochgeschwindigkeitszug Hinweise auf einen islamistischen Hintergrund. Doch im Scheinwerferlicht stehen die Männer, die mit ihrem unerschrockenen Handeln womöglich ein Blutbad verhinderten.

Arras/Paris. Nach den Schüssen in einem Thalys-Hochgeschwindigkeitszug feiern Frankreich und die USA die Fahrgäste, die den Schützen unter Lebensgefahr überwältigten, als Helden.

Ihrer Courage und Beherrschung habe man viel zu verdanken, sagte der französische Innenminister Bernard Cazeneuve am Samstag. Ein Mann mit einer Kalaschnikow und einer Pistole hatte am Vorabend im Thalys-Zug von Amsterdam nach Paris das Feuer eröffnet. Mehrere Passagiere griffen ein und rangen ihn nieder, darunter zwei US-Soldaten. Zwei Menschen wurden bei dem Vorfall schwer verletzt, Anti-Terror-Ermittler prüfen einen möglichen islamistischen Hintergrund.

US-Präsident Barack Obama lobte, die Passagiere hätten mit ihren "heldenhaften Taten" möglicherweise eine weitaus schlimmere Tragödie verhindert. Frankreichs Staatschef François Hollande lud sie für die kommenden Tage in den Élyséepalast ein, während französische Medien ihnen bereits den Ehrentitel "Helden des Thalys" verliehen. Und auch Nato-Oberbefehlshaber Philip M. Breedlove zeigte sich "extrem stolz" auf die beteiligten Militärs.

Die Schüsse fielen, als der Thalys gerade durchs belgisch-französische Grenzgebiet fuhr. Der festgenommene Schütze stammt aus Marokko. Er wurde von den Behörden als Angehöriger der radikalislamistischen Bewegung gemeldet. Der Mann selbst wies im Verhör terroristische Absichten zurück, wie die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Polizeikreise meldete.

Den Ermittlern gegenüber gab der Mann an, dass er Passagiere des Hochgeschwindigkeitszugs ausrauben wollte. Der Mann sei erstaunt über den Terrorismus-Vorwurf, sagte die Anwältin Sophie David, die ihn nach eigenen Angaben nach seiner Festnahme betreute, dem Sender BFMTV. Der 25-jährige Marokkaner behaupte auch, dass er weder geschossen noch einen Schuss gehört habe: "Er sagt, dass die Kalaschnikow nicht funktioniert hat."

Das Kalaschnikow-Sturmgewehr und die Pistole, die er im Zug bei sich hatte, will der nach eigenen Angaben obdachlose Mann in einem Park in Brüssel gefunden haben. Er habe die Fahrgäste des Thalys erpressen und anschließend auf ein Fenster schießen wollen, um dadurch flüchten zu können, sagte er nach Davids Angaben.

Insgesamt sollen fünf Fahrgäste an der Aktion gegen den Schützen beteiligt gewesen sein - ein Franzose, die beiden US-Soldaten in Zivil und ein befreundeter amerikanischer Student sowie ein britischer Geschäftsmann. Der Franzose war nach Darstellung Cazeneuves auf dem Weg zur Toilette, als der Bewaffnete plötzlich vor ihm stand. Er versuchte, ihn zu stoppen, dann fielen Schüsse.

Die Soldaten kamen zu Hilfe: "Wir haben ihn gegen den Kopf geschlagen, bis er bewusstlos war", sagte Nationalgardist Alek Skarlatos. Der US-Sender CNN verbreitete ein Video, das den Schützen mit nacktem Oberkörper und gefesselten Armen auf dem Boden des Zugs zeigen soll. "Wir haben alle extrem Glück gehabt", betonte der britische Geschäftsmann Chris Norman. "Ich glaube, dass seine Waffe eine Ladehemmung hatte."

Der amerikanische Soldat Spencer Stone wurde mit einem Cutter-Messer verletzt. Ein Schuss traf einen Franko-Amerikaner an seinem Platz. Beide schweben nicht in Lebensgefahr.

Der Fall liegt nun in den Händen der für Terrorismus zuständigen Pariser Staatsanwaltschaft, auch in Belgien wird ermittelt. Der Verdächtige wird in einem Vorort von Paris verhört. Er hatte auch zehn Magazine bei sich.

Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" aus deutschen Sicherheitskreisen soll der Mann im Mai möglicherweise an Aktionen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien teilgenommen haben. Demnach checkte er auf dem Weg am 10. Mai am Flughafen Berlin-Tegel zu einem Flug nach Istanbul ein. Der französische Inlandsgeheimdienst DGSI hatte den mutmaßlichen Islamisten nach Informationen der Spanier im Februar 2014 in seine Kartei aufgenommen. Nach bisherigen Erkenntnissen soll er im vergangenen Jahr in Spanien gelebt haben und dann nach Belgien gezogen sein.

Frankreich war in den vergangenen Monaten wiederholt Ziel von Terroranschlägen oder -plänen mit islamistischem Hintergrund. Im Januar schockierten die blutigen Attacken auf die Redaktion des Satiremagazins "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt das Land. In der Region Paris gilt die höchste Terrorwarnstufe.

In Thalys-Zügen patrouillieren nach der Attacke nun Polizisten. Zurzeit seien dies französische Sicherheitskräfte, es werde aber auch erwogen, belgische und niederländische Polizisten einzusetzen, sagte eine Sprecherin der belgischen Bahngesellschaft SNCB der Nachrichtenagentur Belga.

dpa


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