Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Forscher warnen: „Spätere Rente trifft die Schwächsten am härtesten“
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Forscher warnen: „Spätere Rente trifft die Schwächsten am härtesten“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:00 17.04.2019
Höhere Regelaltersgrenze, weniger Geld im Alter? In der Politik wird derzeit auch über die Rente mit 70 diskutiert. Quelle: dpa
Berlin

Zwölf Jahre liegt sie nun zurück, die Entscheidung zur schrittweisen Einführung der Rente mit 67. „Wir haben die Verantwortung für morgen und für kommende Generationen, wir müssen handeln“, verteidigte der damalige Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) das Reformprojekt, das helfen sollte, um die Folgen des demografischen Wandels abzufedern. „Die heutigen Entscheidungen sind richtig. Es gibt keinen Grund, den Menschen in Deutschland Angst zu machen.“

Seitdem ist viel Zeit vergangen: Wer dieses Jahr neu in Rente geht, kann dies abschlagsfrei mit 65 Jahren und acht Monaten. Ab 2031 dann liegt die sogenannte Regelaltersgrenze bei 67 Jahren. Sie gilt für alle, die 1964 oder danach geboren sind. Wer die Altersgrenze nicht erreicht und dennoch Rente beantragt, muss hohe Abschläge in Kauf nehmen. Der Anspruch wird für jeden Monat des vorzeitigen Rentenbezugs um 0,3 Prozent gesenkt – nicht etwa einmalig, sondern dauerhaft.

Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) haben im Auftrag der Hans-Boeckler-Stiftung die bisherigen Erfahrungen mit der Einführung der Rente mit 67 unter die Lupe genommen. In ihrer Studie, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt und an diesem Mittwoch veröffentlicht werden soll, ziehen sie mit Blick auf die kommenden Jahre weitreichende Schlüsse. Das alles steht in Zusammenhang mit der laufenden Debatte über die Zukunft der Alterssicherung, in der immer wieder auch die Forderung nach einer weiteren Anhebung der Altersgrenze laut wird. Auch in der von der Bundesregierung eingesetzten Rentenreform-Kommission wird über diese politisch heikle Frage beraten.

Höhere Regelaltersgrenze?

Laut Bundesregierung gehen die Deutschen aktuell im Schnitt mit 64,1 Jahren in Rente. Zur Jahrtausendwende waren es noch 62,3 Jahre gewesen. Die DIW-Forscher kommen bei ihren Simulationen zu dem Ergebnis, dass das tatsächliche Renteneintrittsalter bis zum Jahr 2032 durchschnittlich um 1,2 bis 1,5 Jahre steigt – je nach Entwicklung des Arbeitsmarkts für Ältere. Bei höher Gebildeten verschiebt sich der Renteneintritt demnach um 1,6 bis zwei Jahre. Bei Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung wären es ein bis 1,4 Jahre.

Menschen mit geringer oder mittlerer Bildung sind laut Studie vor dem Renteneintritt häufiger erwerbslos und haben daher ein höheres Armutsrisiko im Alter. „Gerade für Menschen, die ohnehin auf dem Arbeitsmarkt schlecht dastehen, wird es schwierig sein, sich an die neuen Altersgrenzen anzupassen. Die spätere Rente trifft also die Schwächsten am härtesten“, sagte DIW-Rentenexperte Johannes Geyer dem RND. „Am besten können sich Menschen anpassen, die in stabilen Beschäftigungsverhältnissen arbeiten, ein hohes Bildungsniveau haben und die sich guter Gesundheit erfreuen.“

Immer Ältere arbeiten bereits

Tatsächlich hat sich der Arbeitsmarkt für Ältere in den vergangenen Jahren bereits deutlich verändert. Der Anteil der Beschäftigten in der Altersgruppe der 60- bis 64-Jährigen ist im vergangenen Jahr
um zwei Prozentpunkte auf 58 Prozent gestiegen, heißt es im aktuellen Rentenversicherungsbericht der Regierung.

Im Jahr 2000 hatte der Anteil der Älteren mit Job noch bei 20 Prozent gelegen. Die DIW-Forscher zeigen jedoch, dass der Anstieg vor allem auf einen längeren Verbleib im Beruf zurückgehe. Es sei nicht so, dass ältere Erwerbslose verstärkt wieder in den Arbeitsmarkt einsteigen würden. Aktuell sind laut Studie rund 40 Prozent der Neurentner vorher erwerbslos gewesen.

Die DIW-Forscher warnen, dass „Menschen mit typischen ‚Risikofaktoren‘ wie geringere Bildung oder relativ schlechter Gesundheit sich weniger gut an die neuen Altersgrenzen anpassen können“. Eine Hilfe für sie könnten günstigere Bedingungen für einen gleitenden Übergang aus dem Erwerbsleben in die Rente sein. Dies zielt auf die so genannte Flexirente, die es erlaubt, Einkommen aus Rente und Job zu kombinieren – in der Regel jedoch erst ab dem Alter 61. Dies sei „vermutlich zu spät“, so die Forscher. „Man sollte zudem wieder Zeiten der Langzeitarbeitslosigkeit in der Rente berücksichtigen“, so DIW-Abteilungsleiter Peter Haan.

Lesen Sie auch: „Gesetzliche Rente allein reicht in Zukunft nicht“

Von Rasmus Buchsteiner/RND

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der Rechtsextremist Sven Liebich aus Halle hat Horst Seehofer in einem Youtube-Video als „senile alte Ratte“ bezeichnet. Das wird der CSU-Politiker möglicherweise nicht hinnehmen. Ein prominenter Strafverteidiger gibt einer Anzeige gute Chancen.

17.04.2019

Bisher wurden syrische Flüchtlinge in Deutschland zu über 80 Prozent anerkannt. Sie bekamen subsidiären Schutz und eine Bleibeperspektive. Die aktuelle Praxis des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zeigt: Damit ist es vorbei.

17.04.2019

Kevin Kühnert spricht im Interview über die „Fridays for Future“-Proteste, die Politik von Bildungsministerin Anja Karliczek und den Kurs der SPD. Außerdem verrät der Juso-Chef, was er jetzt von der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer erwartet.

17.04.2019