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Die Reise in die Zentralafrikanische Republik ist der erste Besuch des Papstes in einem Krisengebiet. Foto: Daniel Dal Zennaro

Die Reise in die Zentralafrikanische Republik ist der erste Besuch des Papstes in einem Krisengebiet. Foto: Daniel Dal Zennaro

Kirche

"Feindesliebe": Papst fordert Versöhnung in Zentralafrika

Erstmals besucht der Papst ein Krisengebiet. Franziskus wirbt für Friede und Versöhnung. Trotz Bedenken wegen der heiklen Sicherheitslage nutzt er auch das offene Papamobil.

Bangui (dpa) - Papst Franziskus hat die Christen im Krisenstaat Zentralafrikanische Republik aufgefordert, zu vergeben und ihre Feinde zu lieben. Nur so könne langfristig Friede einkehren, sagte der 78-Jährige in der Hauptstadt Bangui. "Ich komme als Pilger des Friedens und als Apostel der Hoffnung." 

Das nach UN-Angaben drittärmste Land der Welt wird seit 2013 von einem Konflikt erschüttert, bei dem sich muslimische Rebellen und christliche Milizen gegenüberstehen. Tausende wurden getötet, jeder fünfte Einwohner ist vor der Gewalt geflohen. Beiden Konfliktparteien werden schwerwiegende Gewalttaten vorgeworfen. 

Der Besuch des Papstes, der auf seiner ersten Afrika-Reise zuvor bereits in Kenia und Uganda war, fand unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Hunderte UN-Blauhelmsoldaten mit Maschinenpistolen sicherten seine Route.

Für Christen sei eine wesentliche Anforderung "Feindesliebe, die gegen die Versuchung zur Rache und die Spirale endloser Vergeltungsmaßnahmen wappnet", sagte Franziskus. Christen müssten Botschafter des Friedens sein. "Überall, auch und vor allem dort, wo Gewalt, Hass, Ungerechtigkeit und Verfolgung herrschen, sind die Christen aufgerufen, Zeugnis von diesem Gott zu geben, der die Liebe ist", sagte Franziskus.

Zum ersten Advent eröffnete er in der Kathedrale von Bangui auch eine Heilige Pforte. Dies galt als symbolische Vorpremiere für das Heilige Jahr, des "Jubiläums der Barmherzigkeit", das offiziell am 8. Dezember in Rom eingeläutet wird.

Zuvor besuchte Franziskus in Bangui ein Flüchtlingslager, in dem knapp 4000 überwiegend christliche Vertriebene auf engstem Raum zusammenleben. Dutzende Kleinkinder standen Spalier für den Papst, er schüttelte geduldig Hände und segnete die Kinder. Franziskus forderte die Bewohner zu Toleranz und Vergebung auf. "Ich wünsche Euch, dass ihr in Frieden leben könnt, ungeachtet der verschiedenen Ethnien, der Kulturen, der Religionen oder des sozialen Status."

Der Friede im Land ist brüchig. Nach einem Zwischenfall im Oktober wurden bei einer neuen Gewaltwelle UN-Angaben zufolge 80 Menschen getötet und 400 weitere schwer verletzt. Franziskus war die Reise in die Zentralafrikanische Republik - seine erste in ein Krisengebiet - besonders wichtig. Er setzt damit sein Ziel um, an die Ränder der Kirche zu gehen, zu den Armen, Vergessenen und Notleidenden.

Der Konflikt in der Zentralafrikanischen Republik hatte zunächst wirtschaftliche Hintergründe. Er entwickelte sich jedoch nach dem Sturz des christlichen Präsidenten François Bozizé durch muslimische Rebellen 2013 zu einem Konflikt zwischen den Religionsgruppen. 

Der Vatikan ließ sich bei den Reiseplänen auch nicht von der desolaten Infrastruktur und der schwierigen Sicherheitslage abschrecken. Die überforderte Übergangsregierung konnte seine Sicherheit nicht garantieren, der Vatikan verließ sich daher auf die rund 11.000 Blauhelmsoldaten und die etwa 900 französischen Truppen in und um Bangui. Obwohl in dem Land viele Waffen zirkulieren, wollte der Papst auch in Bangui nicht auf das offene Papamobil verzichten.

Vor Abschluss seines Besuchs am Montag wird er sich in einer Moschee mit Vertretern der muslimischen Gemeinde treffen. Die meisten Muslime sind wegen des Konfliktes jedoch bereits aus Bangui geflohen. 

dpa


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