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Spurensicherung bei dem Fluchtauto der Täter in San Bernardino, Kalifornien.

Spurensicherung bei dem Fluchtauto der Täter in San Bernardino, Kalifornien. © Paul Buck

Terrorismus

FBI wertet Blutbad von San Bernardino als Terrorakt

Nach dem Blutbad in San Bernadino bleiben viele Fragen ungeklärt: Das FBI ermittelt wegen des Verdachts auf Terrorismus. Fernsehteams durchstöbern die Wohnung des Ehepaars. Durften sie das?

San Bernardino. Nach der tödlichen Schießerei von San Bernardino in Kalifornien ermittelt die US-Bundespolizei FBI wegen Terrorismus.

Die beiden Schützen - ein Ehepaar - hatten dort 14 Menschen ermordet, bevor sie selbst von der Polizei getötet wurden. Die Tat und die Motive geben aber weiterhin Rätsel auf.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) erklärte über ihren Radiosender Al-Bajan, "zwei Unterstützer" hätten den Anschlag verübt. Die Täter wurden aber nicht als Mitglieder oder wie ansonsten häufig üblich als "Soldaten des Kalifats" bezeichnet.

Das FBI geht davon aus, dass es sich bei dem Blutbad von Mittwoch um einen Terrorakt handelte. Das sagte der stellvertretende FBI-Direktor von Los Angeles, David Bowdich, am Freitag am Tatort. Eine direkte Verbindung der Tat zur IS-Terrormiliz sei zunächst nicht festgestellt worden. "Wir haben solche Hinweise derzeit nicht", teilte FBI-Direktor James Comey in Washington mit. Es gebe derzeit keine Hinweise, dass die Täter Teil einer Gruppe gewesen seien. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass sie vom internationalen Terror inspiriert worden seien. 

Für Verwunderung und Kritik in den USA sorgte, dass Reportern und Fernsehteams am Freitag erlaubt wurde, in der Wohnung des Ehepaars zu filmen und in den Sachen zu stöbern. Fernsehzuschauer reagierten empört, dass persönliche Gegenstände, Fotos und Kleidung von Syed Farook und Tashfeen Malik (beide Ende 20) gezeigt und dadurch mögliche Beweise zerstört wurden. Der Vermieter hatte den Kamerateams Zutritt zu der Wohnung gewährt. Eine FBI-Sprecherin sagte dem Sender CNN, die Spurensicherung in der Wohnung sei abgeschlossen.

Nach Medienberichten soll die aus Pakistan stammende Frau dem IS in einem Facebook-Beitrag Gefolgschaft versprochen haben. Einem Facebook-Sprecher zufolge wurde das entsprechende Profil mit dem Eintrag inzwischen entfernt, wie die "Los Angeles Times" berichtete. Gemeinsam mit ihrem Mann hatte die Frau am Mittwoch 14 Menschen erschossen und 21 weitere verletzt. Das schwer bewaffnete Ehepaar wurde auf der Flucht von der Polizei erschossen.

Die Angehörigen des Mannes wussten nach Angaben ihrer Anwälte nichts von angeblichen Verbindungen zu Terrorgruppen. Sie hätten keinerlei Anzeichen für extremistische Ansichten gesehen, sagte der Anwalt David Chesley am Freitag in Kalifornien. Die Familie, darunter zwei Schwestern und der Bruder von Farook, seien von der Bluttat total schockiert gewesen. Die Familie und die Anwälte würden eng mit dem FBI kooperieren.

Angehörige von Farooks Frau und Sicherheitskreise in Islamabad berichteten, Malik stamme aus einer sunnitischen Familie in der pakistanischen Provinz Punjab. Diese habe sich zunehmend radikalisiert, vor allem nachdem die Familie dem Vater nach Saudi-Arabien gefolgt sei, sagte ein Onkel der Deutschen Presse-Agentur.

Malik wurde von den Anwälten als "fürsorgliche Hausfrau" beschrieben. Sie habe eine Burka getragen und traditionell gelebt. Die Geschwister von Farook hätten sonst nicht viel über sie gewusst. Farooks Mutter lebte im Haus der Eheleute. Das Paar hatte eine gemeinsame, erst sechs Monate alte Tochter.

Ihr Anwalt Chesley warnte vor "voreiligen Rückschlüssen" auf die Hintergründe des Massakers. Die Motive der Schützen seien derzeit "sehr unklar". Es könnte sich um einen Streit am Arbeitsplatz gehandelt haben. Nach Angaben der Familie habe Farook erzählt, er sei wegen seines langen Bartes von Kollegen gehänselt worden.

Die "Washington Post" sprach unter Berufung auf Sicherheitsexperten von einem neuen, schwer zu überschauenden Bedrohungsszenario aus einer Kombination von Radikalisierung, alltäglichem Streit und legalem Waffenbesitz.

Die 14 Todesopfer in der Sozialeinrichtung in San Bernardino waren zwischen 26 und 60 Jahre alt. Die meisten arbeiteten für den Bezirk. Unter den Opfern waren eine 46-jährige gebürtige Iranerin, ein sechsfacher Familienvater und ein Mann, der in der Einrichtung ein Café betrieb.

dpa


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