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Präsident Erdogan salutiert im türkischen Ort Canakkale. Hier entsteht eines seiner Prestigeprojekt: Die Canakkale-Brücke soll mit über zwei Kilometer Länge die Dardanellen überspannen. Der Kostenpunkt liegt bei 2,4 Milliarden Euro.

Präsident Erdogan salutiert im türkischen Ort Canakkale. Hier entsteht eines seiner Prestigeprojekt: Die Canakkale-Brücke soll mit über zwei Kilometer Länge die Dardanellen überspannen. Der Kostenpunkt liegt bei 2,4 Milliarden Euro.
© Pool Presidential Press Service

Infrastruktur

Erdogan treibt seine Mega-Projekte voran

Die türkische Wirtschaft soll 2018 im Zeichen großer Infrastrukturprojekte stehen. So will Staatschef Recep Tayyip Erdogan das Wachstum ankurbeln. Er hat dabei das Superwahljahr 2019 im Blick.

Ankara. Am 29. Oktober, dem türkischen Nationalfeiertag, soll es so weit sein: Dann wird, wenn alles nach Plan läuft, Istanbuls neuer Flughafen eröffnet – ausgelegt im Endausbau für bis zu 200 Millionen Passagiere pro Jahr, mehr als drei Mal so viele wie am Lufthansa-Drehkreuz Frankfurt abgefertigt werden, soll er dereinst der größte Airport der Welt sein. Der Riesen-Flughafen nordwestlich der türkischen Wirtschaftsmetropole ist nur eines von mehreren Großprojekten, mit denen der türkische Staatschef Erdogan in diesem Jahr sein Land weiter voranbringen will. Das ehrgeizige Ziel: Bis 2023, wenn sich die Gründung der türkischen Republik zum 100. Mal jährt, möchte Erdogan die Türkei in die Liga der weltweit zehn größten Wirtschaftsmächte katapultieren. Gegenwärtig liegt das Land auf Rang 17.

120 000 Autos pro Tag könnten durch den neuen Megatunnel rollen

Zu den Bauvorhaben, die in diesem Jahr in Angriff genommen werden sollen, gehört der „Große Istanbul Tunnel“, der erste dreistöckige Unterwassertunnel der Welt. Er wird unter dem Bosporus das europäische Ufer Istanbuls mit der asiatischen Seite verbinden. Auf der untersten und der obersten Ebene der Röhre sollen Autos auf zwei Fahrspuren in jeweils einer Richtung fahren. Dazwischen verlaufen im mittleren Stockwerk des Tunnels zwei Gleise für die U-Bahn. Pro Tag sollen 120 000 Autos die 6,5 Kilometer lange Röhre durchfahren. Von dem Tunnel, der rund 60 Meter unter dem Meeresspiegel verlaufen soll, versprechen sich die Planer einen wichtigen Beitrag zur Entwirrung des chronischen Istanbuler Verkehrschaos.

2018 soll auch der Startschuss für das wohl ambitionierteste – und umstrittenste – Mammutprojekt fallen: Staatschef Erdogan will das Schwarze Meer und das Marmarameer mit einer künstlichen Wasserstraße verbinden. Der „Kanal Istanbul“ soll westlich der Stadt verlaufen und den Bosporus, die einzige natürliche Verbindung zwischen den beiden Meeren, entlasten. Wegen enger Kurven und starker Strömungen kommt es im Bosporus immer wieder zu Schiffshavarien. An den Ufern der neuen Wasserstraße soll eine neue Trabantenstadt entstehen. Viele Ökonomen zweifeln allerdings am wirtschaftlichen Sinn des Milliardenprojekts. Kritiker fürchten überdies, der neue Kanal werde den natürlichen Grundwasserhaushalt der ganzen Region stören und damit die Trinkwasserversorgung der 18-Millionen-Metropole Istanbul gefährden. Die Regierung weist solche Sorgen zurück.

Die Bauprojekte sollen vor allem der Konjunktur Beine machen

Ein weiteres Prestigeprojekt ist die im vergangenen Jahr in Angriff genommene Canakkale-Brücke. Das auf 2,4 Milliarden Euro veranschlagte Bauwerk soll die Dardanellen überspannen und mit einer Spannweite von über zwei Kilometern die längste Hängebrücke der Welt sein. Die Eröffnung ist für 2023 geplant, das Jahr des Jahrhundertjubiläums.

Transportminister Ahmet Arslan kündigte jetzt in der Zeitung „Sabah“ für 2018 weitere Großprojekte an: Hochgeschwindigkeitstrassen für die Bahn und neue Regionalflughäfen, Brücken, Tunnels, Autobahnen und Hospitäler. Mit der Investitionsoffensive will Staatschef Erdogan die Konjunktur anfeuern. Die türkische Wirtschaft legte zwar im dritten Quartal 2017 rekordverdächtige elf Prozent zu. Aber viele Fachleute misstrauen den offiziellen Zahlen. Die hohe Inflation von fast 13 Prozent, das wachsende Leistungsbilanzdefizit und rückläufige ausländische Investitionen signalisieren nach Meinung unabhängiger Ökonomen eine heraufziehende Krise. Die Arbeitslosenquote liegt bei gut zehn Prozent, unter den Jugendlichen beträgt sie sogar mehr als 21 Prozent.

Umso wichtiger ist es für Erdogan, die Bevölkerung bei Laune zu halten und Stimmen zu mobilisieren, rechtzeitig vor dem Superwahljahr 2019. Dann stehen Kommunal,- Parlaments- und Präsidentenwahlen an. Für Erdogan sind die Wahlen eine wichtige Weichenstellung. Denn 2019 tritt das neue Präsidialsystem in Kraft. Damit würde er seine Macht als Staatschef weiter festigen.

Von Gerd Höhler/RND


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