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Ein Kroate lässt sein Kind den Stimmzettel in die Wahlurne werfen. 

Ein Kroate lässt sein Kind den Stimmzettel in die Wahlurne werfen. © Igor Kupljenik

Wahlen

Enges Rennen bei Parlamentswahl in Kroatien

Eine neue Partei avanciert zur drittstärksten Kraft und dürfte über die neue Regierung in Zagreb entscheiden. Für Kroatien markiert das eine Zeitenwende. Kommen jetzt die lange verschleppten Reformen?

Zagreb. Die Parlamentswahl in Kroatien hat das erwartete Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den regierenden Sozialdemokraten (SDP) und der konservativen Oppositionspartei HDZ gebracht.

Beide Parteien dürften etwa 56 Sitze im Parlament mit 140 gewählten Abgeordneten erhalten, wie kroatische Medien auf der Basis von umfangreichen Nachwahlbefragungen übereinstimmend berichteten. Die staatliche Wahlkommission strapazierte wie schon bei der Präsidentenwahl im Januar die Geduld der Kroaten: Erst drei Stunden nach Schließung der Wahllokale veröffentlichte sie unvollständige Ergebnisse.

In der Vergangenheit hatten Nachwahlbefragungen in Kroatien sehr nahe am endgültigen Wahlergebnis gelegen. Diesmal wurden rund 30.000 Wähler befragt.

Königsmacher wird wohl die erstmals angetretene Partei MOST (Brücke), die den Nachwahlbefragungen zufolge mit 18 Abgeordneten rechnen darf und damit drittstärkste Kraft würde. An der Spitze der neuen Partei steht Bozo Petrov, der sich als erfolgreicher Problemlöser in der kleinen Adriastadt Metkovic einen Namen gemacht hat. Er macht Front gegen die beiden Großen SDP und HDZ, weil sie "reformunfähig" seien. Aus diesem Grund hatte seine Partei jede Koalition mit den beiden Blöcken ausgeschlossen, die sich seit einem Vierteljahrhundert jeweils an der Regierung abgewechselt hatten.

Der Präsident der staatlichen Wahlkommission, Branko Hrvatin, begründete das lange Warten auf offizielle Daten mit einem komplizierten Zählverfahren. Selbst die Wahlbeteiligung blieb zunächst unbekannt. Dabei waren schätzungsweise nur gut zwei Millionen Stimmzettel auszuzählen.

Die Wahlkommission hatte schon im letzten Januar bei der Wahl des Staatsoberhauptes für einen Skandal gesorgt. Weil ihre Leitungen überlastet waren, konnte selbst das nationale Fernsehen lange Zeit keine Verbindung bekommen. Die Wahlergebnisse wurden erst verspätet bereitgestellt.

dpa


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