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Deutschland/Welt Die muslimische Welt übt den Schulterschluss
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10:26 07.12.2017
Was zu erwarten war: In Rafah verbrennen Palästinenser Porträts von US-Präsident Donald Trump und die amerikanische Flagge. Trump. Quelle: dpa
Amman/Kairo

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas versuchte zunächst, den Zorn im Volk zu dämpfen. „Wir haben für den Erfolg der Versöhnung gearbeitet“, sagte er in Ramallah. Nationale Einheit sei die wahre Antwort auf alle Versuche, die durch internationale Gesetze garantierten Rechte der Palästinenser zu verletzen. Aus seiner Umgebung hieß es allerdings auch, man werde alle Kontakte zur Regierung Trump einfrieren.

Die Hamas im Gazastreifen drohte mit einer neuen Intifada und rief für Freitag zu Protesten auf. Palästinensische Aktivisten in der Westbank kündigten für Mittwoch, Donnerstag und Freitag drei „Tage des Zorns“ an. Der palästinensische Vertreter in Großbritannien, Manuel Hassassian, sprach gegenüber der BBC von einem „Todeskuss für die Zweistaatenlösung“ und „einer Kriegserklärung an den Nahen Osten“.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan rief für kommenden Mittwoch die „Organisation für Islamische Zusammenarbeit“ (OIC) in Istanbul zusammen, bei der die Türkei gegenwärtig den Vorsitz führt. Dem Staatenbund mit Sitz in der saudischen Hafenstadt Dschiddah gehören 56 Nationen an. Er versteht sich als wichtigstes Sprachrohr der muslimischen Welt. „Jerusalem ist unsere Ehre, Jerusalem ist unser gemeinsames Anliegen, Jerusalem ist unsere rote Linie“, erklärte Erdogans Sprecher. Der Präsident hatte Israel bereits Anfang der Woche bei einer Rede im Parlament gedroht, die erst vor einem Jahr reparierten diplomatischen Beziehungen wieder zu kappen.

Die beiden eingeschworenen US-Gegner in der Region, Iran und Syrien, nahmen kein Blatt vor den Mund. Damaskus wirft Washington vor, es verachte das internationale Recht. Teherans Präsident Hassan Rohani erklärte, die Islamische Republik werde „diese Verletzung von islamischen Heiligtümern“ nicht tolerieren. Die Muslime müsste jetzt vereint zusammenstehen gegen diesen „gigantischen Komplott“.

Saudi-Arabiens König Salman, wichtigster arabischer Verbündeter der USA, nannte die Pläne des Weißen Hauses einen „gefährlichen Schritt, der alle Muslime auf der Welt provoziere“. Das sind harsche Worte, wie es sie aus Riad gegenüber dem Lieblingspräsidenten Donald Trump bisher nicht gegeben hat.

Auch Kirchenoberhäupter in Jerusalem selbst allerdings warnten, Änderungen des Status quo in der Stadt könnten „irreparablen Schaden“ verursachen. Eine Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels würde „mehr Hass, Konflikt, Gewalt und Leid in Jerusalem und im Heiligen Land auslösen“, schrieben Patriarchen und Bischöfe von zwölf christlichen Konfessionen in einem gemeinsamen öffentlichen Brief. Gerade vor Weihnachten bitte man den Präsidenten, dabei zu helfen, gemeinsam „einen gerechten Frieden für alle Völker in dieser einzigartigen heiligen Stadt aufzubauen“.

In Berlin sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland: „Es darf kein Recht des Stärkeren geben, sondern nur das Recht auf Frieden für alle im Heiligen Land. Erst dann wird sich in dem Jahrzehnte andauernden Konflikt, der nur Verlierer kennt, das Blatt wenden.“ Bundesaußenminister Sigmar Gabriel hatte schon am Dienstagabend nach einem Treffen der EU-Außenminister mit ihrem US-Kollegen in Brüssel gesagt: „Eine ganze Reihe von Mitgliedstaaten hat ihrer Sorge Ausdruck verliehen, und das gilt auch für uns, dass die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels nicht einen Konflikt beruhigt, sondern ihn eher noch einmal anheizt.“

Von kor/mg/rnd

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