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Die EU-Kommission schlägt neue CO2-Grenzwerte für Pkw und Lkw vor, um den Übergang zu emissionsarmen und emissionsfreien Fahrzeugen zu beschleunigen.

Die EU-Kommission schlägt neue CO2-Grenzwerte für Pkw und Lkw vor, um den Übergang zu emissionsarmen und emissionsfreien Fahrzeugen zu beschleunigen.
© dpa

Kommentar

Die Wende auf der Straße

Es ist ein überfälliger Schritt hin zur Mobilität der Zukunft: Die EU-Kommission hat wesentlich schärfere CO2-Grenzwerte für Neuwagen vorgeschlagen. Autobauer sollten Brüssel dafür danken, meint unser EU-Korrespondent Detlef Drewes.

Brüssel. Ein Pkw, der in diesen Tagen vom Band der deutschen Hersteller läuft, hält rund 18 Jahre. Wenn diese Angabe des Verbandes der Entsorgungswirtschaft auf den Großteil unserer Fahrzeuge zutrifft, werden die letzten Autos im November 2017 im Jahr 2035 ausgemustert. Es lohnt sich, diese Situation im Hinterkopf zu behalten, wenn jetzt über die neuen Abgaswerte der EU-Kommission gestritten wird. Denn all das, was die modernen Antriebe der nächsten Jahre für den Klimaschutz erreichen sollen, ist ein langfristiges und deshalb überfälliges Projekt.

Traurig, dass man Autobauer zu besseren Produkten ermahnen muss

Genau genommen können die Ziele für den Abbau des Kohlendioxids nicht hoch genug sein, wenn man nur allein die Umwelt im Blick hat. Aber das konnte und durfte sich die Kommission nicht leisten. Denn natürlich geht es auch um Industriepolitik. Und so findet sich ein wichtiger Hinweis für die neuen Zielmarken in den Papieren aus Brüssel: Die neuen Vorgaben seien auch ein Beitrag, um die globale Vorherrschaft der europäischen Autohersteller zu garantieren. Das stimmt nicht nur. Es ist auch traurig genug, dass es dieses Appells aus Brüssel bedarf. Autos von morgen müssen – wenn schon nicht emissionsneutral –, so doch deutlich sauberer sein als heute. Dazu hat die Kommission einen wichtigen Beitrag geleistet.

Nun sind aber die Hersteller und die Verbraucher dran. Nach dem Dieselskandal, nach den Tricksereien mit unrealistischen Verbrauchswerten, die nur auf Prüfständen erzielt wurden, und nach der bitteren Erfahrung, dass die Sprit-Angaben in den Katalogen nichts mit der Wirklichkeit auf der Straße zu tun haben, hätte man sich längst mehr Ehrgeiz der Autohersteller gewünscht. Doch noch immer versucht die Autolobby, Klimaschutz wie eine Art Luxus zu behandeln.

Kommt die Infrastruktur, wächst auch das Kundeninteresse

Natürlich stimmt es, dass man keine Autos bauen kann, die keiner haben will. Verbraucher stehen offenbar mehr auf PS-starke SUV-Boliden. Aber die Zurückhaltung der Käufer hat eben auch mit Gründen zu tun, die nicht nur Imagefragen sind: Sind E-Autos, die am Strom hängen, wirklich ökologisch? Wo sollen sie tanken? Wer kann sich auf einer längeren Fahrt stundenlange Aufladungen erlauben?

Nicht die Käufer, sondern die Infrastruktur ist das wichtigste Hindernis auf dem Weg zum emissionsarmen Fahrzeug. Was fehlt, ist eine staatliche Förderung sowie eine Initiative der Energielieferanten gemeinsam mit den Autobauern zum Ausbau der Infrastruktur. Ist sie erst einmal vorhanden, dürfte das Interesse der Kunden auch deutlich zunehmen.

Von Detlef Drewes / RND


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