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Die Unbeugsame: Margot Honecker ist tot

Für die einen war sie eine verbohrte Kommunistin, unfähig zu Mitgefühl und Selbstkritik. Für die anderen war Margot Honecker, die gestern in Santiago de Chile gestorben ist, ein Vorbild für Unbeugsamkeit und Gradlinigkeit.

Santiago de Chile. Die ehemalige Volksbildungsministerin der DDR und Witwe des früheren SED-Generalsekretärs Erich Honecker erlag einem Krebsleiden in Santiago de Chile. Dorthin waren die Honeckers Anfang der 90er Jahre ausgereist. Ihr Mann starb bald danach, 1994. Sie selbst lebte in Südamerika und kehrte nie wieder nach Deutschland zurück. Sie huldigte die SED-Diktatur und zeigte sich uneinsichtig – bis in den Tod.

26 Jahre lang, von 1963 bis zum Ende der SED-Diktatur 1989, war sie als Ministerin für die Bildung in der DDR verantwortlich, für Schulen, Universitäten und Erziehungseinrichtungen. Sie ist damit zur Symbolfigur für eine Politik geworden, die freie Diskussionen unterdrückte und demokratische Bestrebungen blockierte. An der Seite ihres Mannes, des SED-Generalsekretärs, führte sie die Diktatur in Ostdeutschland. Viele, die das Paar beobachteten, kamen zu dem Schluss, dass Margot Honecker die eigentliche Triebkraft in dieser Verbindung war – als Ratgeberin, Antreiberin und Kritikerin ihres Mannes, vor allem als Scharfmacherin. Die Tochter eines Schuhmachers begann nach der Gründung der DDR 1945 als Stenotypistin im Freien Deutschen Gewerkschaftsbund, kam in die Volkskammer, lernte den FDJ-Funktionär Erich Honecker kennen und heiratete ihn 1953. Schon als junge Frau kam sie in hohe politische Funktionen, erst als Vize-Ministerin und dann als Ministerin. Sie wirkte immer kühl, steif und distanziert, mit ihren lila-gefärbten Haaren hob sie ab, manche nannten sie „den lila Drachen“.

Viele Entwicklungen im DDR-Bildungssystem werden mit ihr in Verbindung gebracht – etwa die brutalen Zustände in den Jugendwerkhöfen der DDR, wo Jugendliche eingesperrt und drangsaliert wurden, die sich nicht anpassen wollten, oder die Wehrkundeerziehung in den Schulen der Republik – eine frühe Form der Militarisierung. Margot Honecker galt stets als starr, unbeweglich und fanatisch. Für die Kräfte in der SED, die spätestens Mitte der achtziger Jahre eine Öffnung und Liberalisierung vertraten, hatte sie kein Verständnis. Auf der anderen Seite wird berichtet, dass Margot Honecker bei all ihrer Verbohrtheit durchaus Kontakte zu Künstlerkreisen hielt, die für eine Reform der DDR eintraten – etwa zu dem dann 1976 ausgebürgerten Liedermacher Wolf Biermann.

Von Margot Honecker wird wohl vor allem ihre Unbelehrbarkeit in Erinnerung bleiben, die sie noch im hohen Alter zur Schau stellte. Die sozialistischen Regime und Parteien in Lateinamerika, etwa in Nicaragua oder in Kuba, schmückten sich in den vergangenen Jahren immer wieder gern mit ihr. Als 2012 ein Fernsehinterview mit ihr geführt wurde, das dann in der ARD ausgestrahlt wurde, zeigte sie eine geradezu verblüffende Abgebrühtheit. Menschen, die nach ihren Misshandlungen in den DDR-Jugendwerkhöfen litten, wurden von ihr als „bezahlte Banditen“ bezeichnet. Die Toten an der Mauer, meinte sie, hätte es nicht geben müssen: „Die brauchten ja nicht über die Mauer zu klettern, um diese Dummheit mit dem Leben zu bezahlen.“ Auch den Staatsbürgerkundeunterricht in den Schulen rechtfertigte sie. Es sei ja Absicht gewesen, die Kinder „zu aktiven Mitstreitern und Gestaltern des Sozialismus“ zu erziehen. Dass es sich um freie und selbstbestimmte Wesen handelte, die in der DDR lebten, kam ihr nicht in den Sinn. Sie wollte immer der Vormund der DDR-Bürger sein.

von Klaus Wallbaum


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