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ZU VOLL: Die Deutschen haben inden vergangenen zehn Jahren immer mehr Müll produziert – die Menge stieg von 187,5 auf 212,5Kilogramm.

© Insa Catherine Hagemann

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Verpackungen

Deutschland ist Europameister beim Müll

Der Kaffee für unterwegs, die Bestellung bei Amazon oder Zalando, die Pizza aus der Pappe - unser Lebenstil hat den Deutschen einen neuen Titel eingebracht. Wir sind Europameister beim Verpackungsmüll und liegen deutlich über dem Durchschnitt der übrigen Länder in der Europäischen Union. Jeder Deutsche war im Jahr 2013 (neuere Zahlen liegen nicht vor) für 212,5 Kilogramm Verpackungsmüll gut, dabei sind Glas, Kartonagen, Blechdosen, Holzkisten, Plastiktüten und -folien zusammengerechnet. Zehn Jahre zuvor waren es noch 187,5 Kilo im Jahr gewesen.

Berlin. Die Zahlen stammen aus verschiedenen Erhebungen der Europäischen Kommission, den Europameistertitel haben wir uns aber selbst verliehen. „Deutschland weist insgesamt und je Einwohner das höchste Verpackungsaufkommen auf“, heißt es in einer Antwort des Bundesumweltministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen, die der NP vorliegt.

Das Ministerium ist sichtlich um Erklärungen bemüht, weshalb die in Mülldingen sonst so vorbildlichen Deutschen bei den Verpackungen auf der Verschmutzer-Seite stehen. Da ist von „schnelldrehenden Konsumgütern“ die Rede - es wird aufgelistet, dass Getränke, Nahrungsmittel und Heimtierfutter schon einen Anteil von beinahe 70 Prozent am Müll der privaten Endverbraucher ausmachen. Kurz gesagt, es ist unser Lebensstil, der nach mehr Verpackungen verlangt: „Der Außer-Haus-Verzehr von Nahrungsmitteln und Getränken nimmt zu, was mit einem steigenden Aufkommen von Verpackungen einhergeht.

Für die Lebensmittelzubereitung gibt es einen Trend zum Kauf von Lebensmitteln mit einem höheren Zubereitungsgrad, wie Tiefkühlkost, Fertiggerichten, Teilfertiggerichten (und Komponenten) und mikrowellengeeigneten Produkten, sowie zu kleineren vorportionierten Verpackungseinheiten. „Diese Faktoren wirken sich stark erhöhend auf den Verpackungsverbrauch aus“, heißt es in der Antwort des Umweltministeriums. Tatsächlich lassen wohl auch sogenannte soziodemografische Faktoren den Müllberg wachsen: Singles und Senioren. Ein- und Zweipersonenhaushalte sowie die hohe Anzahl von Senioren und Seniorenhaushalten versorgen sich im Allgemeinen mit kleineren Verpackungseinheiten. Die Mengen sind kleiner, der Abfall größer. Gegenmaßnahmen werden nur am Rande erwähnt.

So wird lobend hervorgehoben, dass bereits etliche Einzelhändler lose Ware verkaufen und Plastiktüten nur gegen Entgelt abgegeben werden. „Auf diesen Europameistertitel“, sagte Peter Meiwald, umweltpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, der NP, „können wir nicht stolz sein. Die Müllpolitik ist ein Trauerspiel. Seit Jahren gibt es Ziele, Müll zu vermeiden und besser zu recyceln. Die Wirklichkeit: Wir produzieren immer mehr Müll, und dieser wird nicht recycelt, sondern überwiegend verbrannt. Wir brauchen Anreize, dass die Kaffeekapsel nicht dreifach verpackt ist und dass nicht jede Salatgurke noch einmal von einer Plastikfolie überzogen ist.“


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