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Deutschland/Welt Debatte um SPD-Spitze – wer ist Simone Lange?
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17:47 13.02.2018
Simone Lange (SPD), Oberbürgermeisterin von Flensburg, nach einem Interview im Rathaus am 13. Februar. Quelle: dpa
Flensburg

Nein, aufgeregt sei sie wegen der Kandidatur nicht, betont die Flensburger Oberbürgermeisterin auch in Interviews in ihrem Büro im 10. Stock des Rathauses der Fördestadt immer wieder. Über vier Jahre lang hat sie so auch als Abgeordnete in Kiel gearbeitet. Unauffällig war die Kriminalkommissarin und Innenexpertin der Fraktion dabei trotzdem nie. Ihre Reden im Plenum zur Lage der Landespolizei: prägnant. Dass das Land heute eine Polizeibeauftragte hat, an die sich Bürger, aber auch Beamte selber etwa bei Problemen mit ihren Vorgesetzten wenden können: auch ihr Werk. Gegenüber den Piraten verteidigte sie hingegen auch erweiterte Kontrollbefugnisse der Polizei vehement.

Die Lobby zum Plenarsaal durcheilte die zierliche Abgeordnete gern schnellen Schrittes, immer elegant gekleidet und fast immer mit einem Lachen im Gesicht. Simone Lange sei die einzige Landtagsabgeordnete, die ihn im Landtag in einer Rede je wirklich berührt hat, gestand ihr Fraktionskollege und Ex-Landtagsvizepräsident Bernd Heinemann jetzt gar per Facebook-Post. Es sei die Rede zum 25. Jahrestag des Mauerfalls gewesen. Die wichtigste Errungenschaft der friedlichen Revolution und der deutschen Einheit sei „die persönliche Freiheit“, hatte Simone Lange darin betont. Sie weiß, wovon sie spricht, stammt aus Rudolstadt in Thüringen. „Wenn mir jemand vor 25 Jahren gesagt hätte, ich würde heute in einem westdeutschen Landesparlament stehen, hätte ich den ausgelacht.“ Die Ideale von 1989 seien jetzt aber durch die „Zunahme antidemokratischer Parteien“ und „historisch niedrige Wahlbeteiligungen“ gefährdet.

Als Kripo-Beamtin kam Simone Lange 1999 nach Flensburg, lebt dort bis heute mit ihrem Mann und den beiden Kindern, trat 2003 in die SPD ein, engagierte sich in der Ratsversammlung. Als sie 2012 für die SPD im Wahlkreis Flensburg für den Landtag antrat, jagte sie der CDU prompt das sicher geglaubte Direktmandat ab. Als 2015 der Flüchtlingsstrom anschwoll und viele Menschen zunächst auf dem Bahnhof der Grenzstadt strandeten, war sie selber bei der Versorgung der Flüchtlinge aktiv. Als sie im Juli 2015 erklärte, als Flensburger Oberbürgermeisterin antreten zu wollen, bekam sie auch die Unterstützung von CDU, Grünen und der Linken im Rat. Bei der Wahl schlug sie den Amtsinhaber vom Südschleswigschen Wählerverband SSW schon im ersten Wahlgang mit 51,4 zu 22,8 Prozent.

Mit ihrem Rückzug aus dem Landtag verließ Simone Lange zugleich den Einflussbereich von Partei- und Fraktionschef Ralf Stegner. Offene Attacken auf ihn per Presse oder auf Parteitagen mied sie stets, auch nach der SPD-Landtagswahlniederlage im Mai 2017. Daran, dass die SPD spätestens zur Landtagswahl 2022 einen neuen Landeschef oder eine Landeschefin und Spitzenkandidatin brauche, ließ sie aber nie einen Zweifel. Erst kürzlich erklärte sie gegenüber den LN, die SPD in Bund und Land müsse sich nach der Abstimmung über die GroKo im Zuge einer breiten Debatte inhaltlich neu aufstellen, müsse für „echte Umverteilung von oben nach unten“ eintreten und für ein bedingungsloses Grundeinkommen – und dabei werde sich auch schnell herausstellen, wer die Partei künftig führen soll.

Dass sie selber eine der möglichen Nachfolge-Kandidatinnen für den Parteivorsitz ist und dann auch fürs Ministerpräsidentinnen-Amt kandidieren könnte, muss Simone Lange nicht eigens betonen. Innerhalb der Nord-SPD gibt es genug Mitstreiter, die ihren Namen dafür längst ins Gespräch gebracht haben. Stegner reagierte gestern entsprechend verschnupft auf ihren neuen Vorstoß. Sie habe ihn erst „parallel zu Pressemeldungen“ über ihre Entscheidung informiert, ließ er die Presse wissen. Priorität habe für ihn jetzt aber sowieso die Debatte über den Koalitionsvertrag mit der Union. Simone Lange lässt sich davon nicht verdrießen. Auch zur Kandidatur für den Bundesvorsitz sei sie von vielen Sozialdemokraten ermutigt worden, schreibt sie in ihrem Brief an den Vorstand. Sie wolle der Basis damit wieder eine Stimme geben.

Ihre eigene Stimme dürfte dabei mutmaßlich gleich mit an Bekanntheit gewinnen, selbst wenn sie, was nicht unwahrscheinlich ist, gegen Andrea Nahles verliert. Beim Griff nach dem SPD-Vorsitz in Schleswig-Holstein könnte das dann trotzdem nur von Vorteil sein.

Von Wolfram Hammer/RND

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