Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Deutschland/Welt Bundesweit fehlen 120 000 Erzieher in den Kitas
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Bundesweit fehlen 120 000 Erzieher in den Kitas
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:46 25.07.2014
Mehr Kita-Plätze gibt es inzwischen, es fehlen aber genügend Erzieher. Quelle: Patrick Pleul/Symbol
Anzeige
Gütersloh

Die Analyse belegt außerdem ein starkes West-Ost-Gefälle beim Personalschlüssel. Darum müsse es bundesweit geltende Qualitätsstandards geben, forderte Jörg Dräger vom Stiftungsvorstand. Auch Sozialverbände und Gewerkschaften forderten ein Bundes-Kita-Gesetz.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) erklärte in Berlin, gemeinsam mit allen Beteiligten müsse überlegt werden, wie Erzieherinnen und Erzieher besser unterstützt werden könnten. "Das heißt, auch Länder, Kommunen und Träger müssen in die Entwicklung von Standards mit eingebunden werden. Das gehen wir jetzt an", sagte Schwesig. Für den Herbst sei eine Konferenz zur Kindertagesbetreuung geplant.

Der Bertelsmann-Studie zufolge muss sich in Ostdeutschland rechnerisch ein Erzieher um 6,3 Krippenkinder kümmern. Im Westen kommen im Durchschnitt 3,8 Kinder auf einen Erzieher. In Bremen und Baden-Württemberg ist ein Erzieher durchschnittlich für drei Kinder zuständig, in Sachsen-Anhalt hingegen für mehr als sechs Kinder.

Ähnlich groß sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern auch in Kitas für Kinder ab drei Jahren. Hier liegt der Personalschlüssel im Westen bei 1 zu 9,1 und im Osten bei 1 zu 12,7. Vorzeigeländer sind erneut Bremen (1 zu 7,7) und Baden-Württemberg (1 zu 8). Am anderen Ende steht Mecklenburg-Vorpommern (1 zu 14,9).

In der Praxis sei das Betreuungsverhältnis sogar noch ungünstiger, hieß es. Tatsächlich könne ein Erzieher nur 75 Prozent seiner Zeit für die Kinder aufwenden, der Rest entfalle auf Teamgespräche, Fortbildung und Urlaub. Damit betreue ein Beschäftigter im Osten also mindestens acht und im Westen fünf Krippenkinder.

Für eine kindgerechte und pädagogisch sinnvolle Betreuung fordert die Stiftung, dass bei den unter Dreijährigen ein Erzieher für höchstens drei Kinder verantwortlich ist. Für die Altersgruppe ab drei Jahren sollte der Personalschlüssel nicht schlechter als 1 zu 7,5 sein. "Politik und Praxis sollten sich auf bundesweite kindgerechte Standards einigen, damit alle Kita-Kinder in Deutschland gute Bildungschancen haben", sagte Stiftungsvorstand Dräger.

Nach Ansicht der Gewerkschaft GEW müssten in einem Bundes-Qualitätsgesetz vor allem bessere Personalschlüssel, die Freistellung der Leitungskräfte vom Gruppendienst sowie die Vor- und Nachbereitungszeit geregelt werden. "Es ist weder gerecht noch verständlich, dass die Qualität in Kitas so offensichtlich vom Wohnort der Menschen abhängen", meinte der AWO-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Stadler. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht Bund und Länder in der Pflicht, "endlich mit Gewerkschaften und Trägern gemeinsam Standards zu entwickeln".

Der Deutsche Städtetag dagegen hält bundeseinheitliche Vorgabe für Personalschlüssel nicht für sinnvoll. Denn damit würde man den unterschiedlichen Konzepten und Rahmenbedingungen der Einrichtungen vor Ort nicht gerecht, sagte Hauptgeschäftsführer Stephan Articus dem Berliner "Tagesspiegel" (Samstag).

Seit 1. August 2013 haben Eltern von unter Dreijährigen einen Rechtsanspruch auf ein staatlich gefördertes Betreuungsangebot - entweder in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter. Es fehlen aber trotz Zuwachses vor allem im Westen in den vergangenen Jahren noch Plätze. Zum 1. März 2014 stand für knapp 662 000 Kinder unter drei Jahren ein Platz zur Verfügung. Das waren 32,5 Prozent der Kleinkinder in diesem Alter. Ursprünglich sollte es bis Inkrafttreten des Rechtsanspruchs 750 000 Betreuungsangebote geben.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Niederlande schließen einen bewaffneten Militäreinsatz zur Sicherung der Absturzstelle von Flug MH17 in der Ostukraine nicht aus. Nötig sei aber die Zustimmung der Regierung in Kiew wie auch der prorussischen Separatisten in der umkämpften Region, sagte Ministerpräsident Mark Rutte am Freitag in Den Haag.

25.07.2014

Gustl Mollath ist nach Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters nicht gefährlich für die Allgemeinheit. Die Voraussetzungen für eine Unterbringung in der Psychiatrie seien daher nicht anzunehmen, sagte Professor Norbert Nedopil am Freitag vor dem Landgericht Regensburg.

25.07.2014

Niedersachsens Ex-Finanzminister Hartmut Möllring ist am Donnerstag in einen Verkehrsunfall mit zwei Schwerverletzten verwickelt worden.

25.07.2014
Anzeige