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Ein Soldat der Kommando Spezialkräfte (KSK) mit einem G36-Gewehr.

Ein Soldat der Kommando Spezialkräfte (KSK) mit einem G36-Gewehr. © Detmar Modes/Archiv

Konflikte

Bundeswehr fasst "Schatten-Gouverneur" der Taliban

Schlag gegen die Taliban in der Unruheprovinz Kundus: Der "Schatten-Gouverneur" der Aufständischen wurde gefasst - mit Hilfe der Bundeswehr. Er soll für deutsche Gefallene verantwortlich sein.

Kundus/Berlin. Zweieinhalb Jahre nach einem schweren Anschlag auf deutsche Soldaten in Nordafghanistan wurde der mutmaßliche Drahtzieher mit Hilfe von Bundeswehr-Spezialkräften festgenommen. Mullah Abdul Rahman sei verantwortlich für den Angriff am Karfreitag 2010 mit drei toten Deutschen gewesen, sagte der Polizeichef des Distrikts Char Darah, Ghulam Mohajuddin, am Dienstag. 2009 habe er die Entführung von zwei Tanklastzügen veranlasst, die anschließend auf Anforderung der Bundeswehr bombardiert wurden. Dabei waren zahlreiche Zivilisten getötet worden. Zuletzt war Abdul Rahman der "Schatten-Gouverneur" der Taliban in der Provinz Kundus.

Laut "Bild"-Zeitung war das Kommando Spezialkräfte (KSK) an der Festnahme am vergangenen Freitag in Char Darah beteiligt. Die Provinzregierung in Kundus bestätigte, dass deutsche Spezialkräfte eine Sondereinheit der afghanischen Polizei (Rapid Response Unit/RRU) dabei unterstützt hätten. Der Sprecher des Gouverneurs, Enayatullah Chalik, sagte der dpa, die Bundeswehr habe vorab Informationen über das Versteck Abdul Rahmans geliefert und beim Einsatz selbst Hubschrauber zum Transport der afghanischen Polizisten eingesetzt.

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wollte sich zu der Festnahme nicht direkt äußern. Er sagte in Berlin lediglich: "Wir wollen ein stabiles und friedliches Afghanistan. Deshalb müssen wir den Terrorismus nicht nur bekämpfen, sondern ihn auch, wo immer es geht, besiegen."

Nach Angaben des Einsatzführungskommandos handelte es sich um einen von afghanischen Kräften geführten und von weiteren Kräften, darunter auch deutschen, unterstützten Einsatz. "Nach afghanischen, bislang unbestätigten Angaben soll es sich um einen Mullah Abdul Rahman handeln", sagte eine Sprecherin. Der Gefangene befinde sich in afghanischem Gewahrsam. Die Nato-geführte Schutztruppe Isaf teilte am Dienstag mit, einheimische und ausländische Sicherheitskräfte hätten am Freitag in Kundus einen Taliban-Anführer festgenommen. Noch werde untersucht, ob der Gefangene "definitiv Mullah Abdul Rahman ist".

Nach Angaben der Polizei und der Provinzregierung handelt es sich bei dem Gefangenen um Abdul Rahman. Die Taliban dementierten dagegen, dass ihr "Schatten-Gouverneur" in der Provinz gefangen genommen wurde. Angaben der Taliban sind notorisch unzuverlässig.

Die Taliban haben in vielen Provinzen "Schatten-Gouverneure" eingesetzt, die die Aufständischen dort anführen. Abdul Rahman hatte die Position seit dem Frühjahr 2010 inne. Zuvor waren binnen zwei Monaten zwei seiner Vorgänger festgenommen oder getötet worden. Ein Polizeisprecher sagte, vor dem Frühjahr 2010 sei Abdul Rahman Taliban-Kommandeur im Distrikt Char Darah in Kundus gewesen.

In Char Darah war es sowohl zu dem Hinterhalt am Karfreitag 2010 und zu dem Bombardement auf die Tanklastzüge im September 2009 gekommen. Bei dem Luftschlag der Amerikaner, den der deutsche Oberst Georg Klein angefordert hatte, waren mehr als 100 Afghanen getötet worden, die meisten davon Zivilisten.

"Ich bin froh, dass das KSK in Afghanistan erfolgreich gewesen ist. Die Festnahme des Taliban-Kommandeurs ist eine große Leistung", sagte der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus dem Bielefelder "Westfalen-Blatt" (Mittwoch). Solche Operationen seien auch in Zukunft wichtig. "Wir müssen auch weiterhin versuchen, die Urheber der Angriffe auf unsere Kräfte festzunehmen", betonte er.

dpa


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