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Deutschland/Welt Berlusconi muss nach Klinikaufenthalt Arbeitspensum drosseln
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Berlusconi muss nach Klinikaufenthalt Arbeitspensum drosseln
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15:47 15.12.2009
Muss es nach der Attacke zwei Wochen ruhiger angehen lassen: Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi. Quelle: AFP

Dies erklärte sein Arzt Alberto Zangrillo am Dienstag. Zwei Tage nach der Attacke schrieb Berlusconi seinen Anhängern vom Krankenbett: „Die Liebe siegt immer.“

Schrittweise dürfe der Ministerpräsident seine Arbeit wieder aufnehmen, sagte Zangrillo. Abgesehen von kleineren Beschwerden könne Berlusconi wieder normal essen. Allerdings mache sein Gemütszustand den Ärzten Sorgen, da er „ziemlich niedergeschlagen“ sei. Die Mediziner seien auch angesichts der zahlreichen Krankenbesuche von Politikern „ein bisschen besorgt“. „Auf der anderen Seite helfen sie ihm aber auch über das, was draußen passiert, auf dem Laufenden zu bleiben“, sagte Zangrillo.

„Er liebt es im Mittelpunkt zu stehen“, sagte Berlusconis Sprecher Paolo Bonaiuti dem Fernsehsender Rai 1. Seine Berater versuchten zwar, die Zahl der Krankenbesuche zu begrenzen, „aber er will alle sehen“. Der Rat der Ärzte, in den nächsten Wochen das Arbeitspensum drastisch zu reduzieren, werde Berlusconi zu schaffen machen, sagte Bonaiuti. „Es ist sehr schwer, ihn von seiner Arbeit fernzuhalten“. Nach der Attacke vom Sonntag hatte der Ministerpräsident bereits seine Reise zum Weltklimagipfel in Kopenhagen abgesagt.

Berlusconi bedankte sich in einer Erklärung für die Unterstützung seiner Anhänger. „Seid fröhlich und beruhigt“, hieß es in dem Schreiben, dass seine Partei PDL auf ihrer Internetseite veröffentlichte. „Die Liebe siegt immer über Missgunst und Hass.“

Russlands Ministerpräsident Wladimir Putin, mit dem Berlusconi eng befreundet ist, lobte unterdessen den Umgang des Ministerpräsidenten mit dem Vorfall. Putin habe seinem italienischen Kollegen in einem Telefonat Anerkennung dafür gezollt, dass er sich „in einer Extremsituation männlich verhalten“ habe, sagte der russische Regierungssprecher Dmitri Peskow. Genesungswünsche erhielt Berlusconi unter anderen auch von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Papst Benedikt XVI. und US-Außenministerin Hillary Clinton.

Angreifer Massimo T. entschuldigte sich für seine Tat. In seinem Brief, aus dem die italienische Nachrichtenagentur ANSA am Montagabend zitierte, schrieb Massimo T., er erkenne sich in diesem „oberflächlichen, feigen und unüberlegten“ Angriff nicht wieder. Der 42-Jährige versicherte, er habe allein gehandelt und gehöre keiner bestimmten politischen Richtung oder militanten Bewegung an. Massimo T. drohen bis zu fünf Jahre Haft, weil er Berlusconi eine Nachbildung des Mailänder Doms in Miniaturform ins Gesicht geworfen hatte.

In der Debatte um den Angriff auf den Ministerpräsidenten warfen sich Regierungsmehrheit und Opposition im Parlament von Rom gegenseitig vor, ein Klima des Hasses geschaffen zu haben. Innenminister Roberto Maroni kündigte an, Internetseiten abschalten zu wollen, die zu Gewalt gegen Berlusconi aufrufen. Die Justizbehörden ermittelten zwar bereits gegen zwei Gruppen im Online-Netzwerk Facebook, sein Ministerium wolle jedoch zusätzlich eine gesetzliche Initiative auf den Weg bringen, sagte er.

AFP

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