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Am Absperrgitter an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche legende Trauernde Blumen nieder.

Am Absperrgitter an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche legende Trauernde Blumen nieder.
© dpa

Anschlag auf Weihnachtsmarkt

Berlin – ein Tag danach

Nach dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche herrscht Trauer und Entsetzen. Blumen liegen am Tatort. Marina Kormbaki vom RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), hat sich vor Ort umgeschaut. Eine Reportage.

Berlin. Der Tatort am Morgen danach: Die Polizei hat das Areal vor der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche weiträumig mit gelbbraunen Sichtschutzplanen abgesperrt. Die Zufahrt zu dem Platz mit den zerstörten Weihnachtsbuden ist ebenfalls blockiert. Nur kurz räumen Beamte die Schranken zur Seite, damit die Tatwaffe, der Sattelschlepper, abtransportiert werden kann. Erst das Fahrerhaus, aus dessen zersplitterter Windschutzscheibe noch die Reste einer Plastiktanne und Weihnachtsschmuck herausragen. Anschließend der lange Anhänger.

Trauer braucht einen Ort. An einer Stelle, an der die Sichtschutzwand einen Knick macht, legen die Ersten Blumen im Gedenken an die Opfer des LKW-Anschlags vom Vorabend nieder. Ronny, ein kräftiger Berliner mit großen Ohrringen, hat rosafarbene Margeriten mitgebracht. „Aus Mitgefühl“, sagt der Mann, steckt die Hände tief in die Taschen und bläst Atemwölkchen in die kalte Luft. „Keiner meiner Freunde ist unter den Opfern. Aber es kann uns doch alle treffen. Deswegen bin ich hier“, sagt er.

Blumen, Kerzen und Abschiedsbriefe

Er wird unterbrochen vom rauen Gesang eines Mannes, Bierflasche in der einen, Plastiktüte in der anderen Hand. Er stimmt über den Blumen, den Kerzen und den ersten Abschiedsbriefen ein albanisches Klagelied an. Später erläutert er, es handle von einer Mutter, die ihre Tochter verloren hat.

Doch die meisten Menschen, die sich an diesem Dienstagvormittag am Aufgang zum Bikini-Haus gegenüber der Gedächtniskirche versammelt haben, sind Reporter. Man hört Spanisch, Polnisch, Englisch – das Interesse der internationalen Presse an dem LKW-Anschlag in Berlin ist groß. Bilder von der Ruine der Gedächtniskirche, dem Berliner Mahnmal gegen Krieg und Zerstörung, gehen um die Welt.

„Das ist Terror, was denn sonst?“

Plötzlich knallt es, man schreckt kurz auf. Ein Mannschaftswagen der Polizei ist über einen aufgeblähten, blauen Plastikhandschuh der Spurensicherung gerollt. Entwarnung.

Eine junge Frau nähert sich dem Blumenhügel, sie legt einen schmalen Strauß Tulpen nieder. Maria heißt sie, sie hat gestern Abend noch in ihrem Büro gegenüber der Kirche gearbeitet, als eine Kollegin entsetzt zu ihr stürmte und berichtete, was sie soeben unten auf dem Markt beobachtet hatte. „Ich bin so erleichtert, dass meinen Mitarbeitern oben im Büro und unten in unserem Bekleidungsgeschäft nichts passiert ist“, sagt Maria. Für heute hat sie ihren Angestellten freigestellt, ob sie zur Arbeit kommen oder nicht.

Derweil nähert sich eine ältere Frau dem Tatort, elegant gekleidet mit Hut und langem Mantel. Sie ist zornig. Sie hat eine Botschaft für die Journalisten: „Ihr immer mit eurem mutmaßlich, mutmaßlich, mutmaßlich. Das ist Terror, was denn sonst?“ Sie will jetzt zum Bahnhof, raus aus Berlin. „Es ist doch nicht mehr auszuhalten hier“, ruft sie. Mit ihrem Rollkoffer eilt die ältere Dame durch einen Strom von Berlinern hindurch, die mit Blumen und Kerzen in der Hand zum Tatort kommen.

Von RND/Marina Kormbaki


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