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Am Standort Tihange kam es zu einem Brand an einer elektrischen Schalttafel. Reaktorblock 1 schaltete sich automatisch ab.

Am Standort Tihange kam es zu einem Brand an einer elektrischen Schalttafel. Reaktorblock 1 schaltete sich automatisch ab. © Olivier Hoslet/Archiv

Atomkraft

Belgischer Atomreaktor wegen Defekts vom Netz genommen

Die jüngsten Zwischenfälle in belgischen Atomkraftwerken beunruhigen deutsche Regierungspolitiker. Während der Weihnachtstage musste ein Reaktor in Doel vom Netz genommen werden. Erst vor kurzem war es in der grenznahen Anlage Tihange zu einem Brand gekommen.

Antwerpen/Lüttich. Die belgischen Atomreaktoren sorgen weiter für Ärger. Nur vier Tage nach dem Wiederhochfahren musste die umstrittene Anlage Doel 3 am ersten Weihnachtstag erneut vom Netz genommen werden.

Kurz zuvor war an einer Heißwasserleitung im konventionellen Teil des Kraftwerks ein Leck entdeckt worden. Für die Sicherheit der Anlage und die Umwelt stelle der Defekt keinerlei Gefahr dar, sagte eine Sprecherin des Betreibers Electrabel.

Der rund 150 Kilometer von der deutschen Grenze entfernte Druckwasserreaktor bei Antwerpen musste ihren Angaben zufolge nicht einmal heruntergefahren werden. Er sollte nach der Reparatur des Lecks wieder ans Netz gehen. Doel 3 war zuletzt wegen Sicherheitsbedenken mehr als eineinhalb Jahre abgeschaltet gewesen, nachdem Haarrisse am Reaktorbehälter entdeckt waren worden.

Aus der Bundesregierung kam trotz der Beruhigungsversuche Kritik an der belgischen Atompolitik. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) bezeichnete die Sorgen deutscher Bürger als berechtigt. "Das ist ja Flickschusterei, was die da betreiben", sagte sie in der WDR-Nachrichtensendung "Die Aktuelle Stunde". Die Zahl der Zwischenfälle in belgischen Reaktoren stehe dafür, dass man sage: "Na ja, langsam aber sicher sind die Dinger wohl besser außer Betrieb zu nehmen."

Erst am Freitag vor einer Woche war es am etwa 70 Kilometer von Aachen entfernten Standort Tihange zu einem Brand an einer elektrischen Schalttafel gekommen. Reaktorblock 1 schaltete sich automatisch ab. Er wurde an diesem Samstag wieder hochgefahren.

In Deutschland wird der Betrieb der vergleichsweise alten belgischen Kernkraftwerke seit langem nicht nur von Umweltschützern kritisch gesehen. Die nordrhein-westfälische Landesregierung fordert bereits seit Jahren die Stilllegung der grenznahen Anlage Tihange. Bundesumweltministerin Hendricks schrieb am Heiligabend auf ihrer Facebook-Seite: "Wir sind besorgt, ob die erforderliche Reaktorsicherheit dieser Anlagen in vollem Umfang gewährleistet ist."

Nach Angaben von Hendricks wird Deutschland seine Bedenken Anfang Januar auch bei einem Gespräch mit der belgischen Atomaufsicht äußern. Zugleich machte die SPD-Politikerin klar, dass die Bundesregierung keine Möglichkeiten habe, den Weiterbetrieb ausländischer Reaktoren zu verhindern.

Der Grünen-Politiker Oliver Krischer forderte Hendricks am Freitag dennoch auf, "ohne Wenn und Aber auf eine Abschaltung von Tihange und Doel zu dringen". Der Weiterbetrieb der Atomkraftwerke sei "russisches Roulette für Millionen Menschen", kommentierte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Der Grünen-Europaabgeordnete Michael Cramer schlug die Untersuchung von Tihange durch ein europäisches Gremium vor. Einem solchen Vorhaben müsste Belgien allerdings zustimmen, da die Risiko- und Sicherheitsbewertung von Kernkraftwerken in der Zuständigkeit der nationalen Regulierungsbehörden liegt. Bislang gab es in Europa nur freiwillige Belastungstests. Sie waren nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 veranlasst worden.

dpa


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