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Erstmals seit 18 Jahren ist wieder ein deutsches Staatsoberhaupt im Weißen Haus: Joachim Gauck im Gespräch mit Barack Obama.

Erstmals seit 18 Jahren ist wieder ein deutsches Staatsoberhaupt im Weißen Haus: Joachim Gauck im Gespräch mit Barack Obama. © Jim Lo Scalzo

Bundespräsident

Barack Obama empfängt Bundespräsident Gauck

Erstmals seit 18 Jahren steht wieder ein deutsches Staatsoberhaupt im Weißen Haus - für Bundespräsident Joachim Gauck so etwas wie ein Lebenstraum. Doch es ging mit US-Präsident Obama auch um sehr konkrete Dinge - Syrien, Flüchtlinge und Amerikas Beitrag zur Lösung der Konflikte.

Washington. Bundespräsident Joachim Gauck hat sich bei einem Treffen mit US-Präsident Barack Obama für einen größeren Beitrag Washingtons bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise ausgesprochen.

Er wünsche sich, dass diese "große humanitäre Aufgabe" nicht nur in Europa, sondern auch in den USA gesehen werde, sagte Gauck zu Beginn des einstündigen Treffens mit Obama im Weißen Haus. Obama sprach nach Gaucks Worten von einer "Vorbildrolle Deutschlands" bei der Integration von Flüchtlingen.

Auch Möglichkeiten zur Befriedung des Konflikts in Syrien als einer der wichtigsten Fluchtursachen seien erörtert worden, berichtete Gauck nach dem Treffen. "Wir haben die humanitäre Situation als große Gefahr auch für die politische Stabilität Deutschlands bezeichnet", sagte Gauck mit Bezug auf die Flüchtlingskrise.

Der US-Präsident habe in dem Gespräch auch seine "hohe Wertschätzung" für das Engagement Deutschlands in der Ukrainekrise und bei der Entspannung der Beziehungen zum Iran hervorgehoben, berichtete Gauck. Obama habe zugleich versichert, dass die transatlantischen Beziehungen auch bei einem größeren Engagement der USA in der Asien-Pazifik-Region keinen Schaden nehmen würden.    

Auch der Skandal um Abhörpraktiken des US-Geheimdienstes NSA wurde angesprochen. Nach Gaucks Worten konnte Obama die Sorgen in der deutschen Bevölkerung "zum Teil verstehen". Aber für eine Interpretation, wonach die USA der "Hauptfeind" seien, habe er kein Verständnis.

Gauck war als erstes deutsches Staatsoberhaupt seit 18 Jahren vom US-Präsidenten im Weißen Haus empfangen worden. "Es ist vermutlich nicht allen Amerikanern bekannt, welche wunderbare Rolle Herr Gauck gespielt hat bei der Wiederherstellung eines modernen, vereinten Deutschland", sagte Obama zu Beginn des Gesprächs.

Das Treffen mit Obama im Weißen Haus sei für ihn auch so etwas wie die Erfüllung eines Lebenstraums, sagte der frühere Bürgerrechtler Gauck. Zuletzt war 1997 der damalige Bundespräsident Roman Herzog im Amtssitz des US-Präsidenten empfangen worden.

Nach dem Treffen mit Obama kam Gauck auch mit Vizepräsident Joe Biden und Außenminister John Kerry zu separaten Gesprächen zusammen. Beide waren schon bei der Begegnung im Oval Office dabei.

Bei einem Empfang in der deutschen Botschaft zum Jahrestag der deutschen Einheit am Dienstagabend dankte Gauck den USA und insbesondere dem damaligen Präsidenten George Bush Senior, der die Wiedervereinigung entscheidend vorangetrieben habe.

Gauck forderte die USA auch eindringlich zu einem anhaltenden Engagement in Europa auf. "Manche Politiker und Akademiker sagen, Amerikas Langzeit-Engagement sei überflüssig geworden. Ich halte das für einen gefährlichen Fehler", schrieb Gauck in einem online veröffentlichten Beitrag für die "Washington Post". "Ein Europa ohne die USA wäre ein historischer Rückschritt."

dpa


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