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Ein US-Militärflugzeug landet auf dem türkischen Stützpunkt Incirlik bei Adana.

Ein US-Militärflugzeug landet auf dem türkischen Stützpunkt Incirlik bei Adana. © Valdrin Xhemaj/Archiv

Konflikte

Ankara erklärt IS den Krieg

Die türkische Luftwaffe beteiligt sich ab sofort an den Luftangriffen der US-geführten internationalen Koalition gegen die Terrororganisation Islamischer Staat.

Ankara. "Einheiten der Luftwaffe der Türkei werden mit dem gleichen Ziel in diesen Operationen beauftragt werden", teilte das türkische Außenministerium am Freitag mit. Der IS sei "die Hauptbedrohung der nationalen Sicherheit der Türkei". Die Dimension dieser Bedrohung wachse ständig. Auslöser der Eskalation war der nach türkischen Angaben vom IS verübte Bombenanschlag im südtürkischen Suruc am Montag mit 32 Toten.

Zugleich erhielten die USA von Ankara die Erlaubnis zur Nutzung von Stützpunkten in der Türkei für Angriffe auf den IS. Der Einsatz von Kampfjets der regionalen Verbündeten in der Koalition von türkischen Flugplätzen müsse aber von der Regierung in Ankara gesondert genehmigt werden. Damit vollzog die Türkei eine Kehrtwende und beendete ihre jahrelange Zurückhaltung gegenüber der Terrormiliz.

In der Nacht bombardierten türkische Kampfjets erstmals Stellungen des Islamischen Staates (IS) in Syrien. Alle angegriffenen IS-Ziele seien zerstört worden, sagte Ministerpräsident Ahmet Davutoglu. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte starben dabei neun IS-Kämpfer, zwölf weitere seien verletzt worden.

Zugleich drohte Davutoglu mit weiteren Schlägen: "Die Türkei wird gegen jede kleinste bedrohliche Bewegung aufs Härteste reagieren." Ankara gab auch dem Drängen Washingtons nach und will nun die Nutzung des Nato-Luftwaffenstützpunktes Incirlik in der Südtürkei für US-Kampfeinsätze gegen den IS erlauben. Präsident Recep Tayyip Erdogan antwortete laut Nachrichtenagentur DHA auf die Frage, ob eine solche Erlaubnis erteilt worden sei: "In einem gewissen Rahmen."

Damit könnten die USA künftig die Hochburgen des sogenannten Islamischen Staates im Norden Syriens wesentlich schneller und effektiver angreifen. Laut "New York Times" wurden die Angriffe unter anderem bisher von Jordanien, vom Irak oder von den Golfstaaten aus geflogen. Außerdem könnten die USA von Incirlik aus auch Kampfhubschrauber gegen den IS einsetzen.

Nach Angaben der Regierung griffen am frühen Morgen drei Kampfjets Ziele im Norden des Nachbarlandes an. "Die türkische Republik ist entschlossen, alle nötigen Maßnahmen zur nationalen Sicherheit zu ergreifen", hieß es in einer Mitteilung. Die türkische Nachrichtenagentur Dogan berichtete sogar von 35 getöteten IS-Extremisten, ohne jedoch eine Quelle zu nennen. Die Regierung in Damaskus kritisierte die Angriffe als Verletzung der Souveränität Syriens.

Zuvor hatte US-Präsident Barack Obama mit Erdogan telefoniert und nach Angaben des Weißen Hauses besprochen, wie die türkische Grenze zu Syrien sicherer werden und der Zustrom ausländischer Kämpfer für den IS eingedämmt werden könne. Die Denkfabrik Soufan Group in New York schrieb, die Türkei habe den IS lange relativ unbehelligt gelassen, weil sie ihn als nützlichen Gegner des Regimes von Baschar al-Assad in Syrien angesehen habe. Aber der IS habe kaum die Assad-Armee, sondern meist andere, von der Türkei unterstützte Rebellen bekämpft.

Zudem sei es nicht zu der von Ankara erhofften Schwächung der Kurden im Irak und in Syrien durch den IS gekommen: Die Kurden seien mit US-Unterstützung durch den Kampf mit der Terrormiliz vielmehr noch gestärkt worden. Schließlich sehe Ankara auch die eigene innere Sicherheit und damit die wirtschaftlich bedeutsame Tourismusbranche durch den IS gefährdet.

Am Donnerstag starben bei einem Grenzgefecht mit dem IS ein türkischer Soldat und mindestens ein Extremist. "Wer uns Schaden zufügt, muss den zehnfachen Preis zahlen", warnte Davutoglu.

Zeitgleich mit den Angriffen auf IS-Stellungen in Syrien gingen türkische Sicherheitskräfte bei Razzien in Istanbul und anderen Städten massiv gegen mutmaßliche Anhänger des IS sowie der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK vor.

dpa


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