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Deutschland/Welt Angeklagte sind rechtsradikal
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00:16 22.02.2016
BESTREITEN EINE RECHTE GESINNUNG: Dennis L., Sascha D. und Saskia B. (von links) stufen sich vor Gericht als „unpolitisch“ ein. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Körperschmuck ist selten ein Thema in Gerichtssälen. Im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Hannover war das Interesse an den Tattoos von Dennis L. (31) gestern groß. Die Polizeiaufnahmen zeigen auf der linken Brust ein Wikingerschiff und die Odal-Rune. Auf dem rechten Arm prangt ein Wikinger-Gesicht mit Faust und Totenkopf. „Ich kenne diese Tattoos aus der rechten Szene“, sagt der Beamte des Staatsschutzes (53). Besonders die Rune im Zusammenhang mit dem Wikingerschiff sei früher von der SS und später von der Wiking-Jugend benutzt worden.

Im Brandanschlagsprozess von Salzhemmendorf (Kreis Hameln) müssen sich Dennis L., Sascha D. (25) und Saskia B. (24) wegen versuchten Mordes verantworten. Sie hatten am 28. August 2015 einen Molotow-Cocktail in die Wohnung einer Flüchtlingsfamilie geworfen.

„Für uns war es naheliegend, dass es sich um einen rassistischen Anschlag handelte“, so ein Staatsschützer (53). Zumal die Angeklagten in ihren ersten Vernehmungen aussagten, dass die Vorgänge in Heidenau (Sachsen) als Vorbild dienten. Im August 2015 war es in dem Ort zu Übergriffen auf ein Flüchtlingsheim gekommen, auch Polizisten wurden von Rechtsextremisten angegriffen. Wie man einen Molotow-Cocktail baut, hätten Sascha D. und Dennis L. vorher im Internet gegoogelt.

Gegen Ende der Beweisaufnahme erlebt der Prozess eine politische Aufladung. So fragte Roman von Alvensleben, Anwalt von Dennis L., ob die Einschätzung von Ministerpräsident Stephan Weil, das sei „versuchter Mord“ gewesen, Einfluss auf die Ermittlungen gehabt habe. Der Staatsschützer verneinte diese Frage. Als die Angeklagten festgenommen wurden, war lediglich von Brandstiftung die Rede.

Lukas Theune, Anwalt eines Nebenklägers, versucht hingegen, immer wieder Zusammenhänge zu dem organisierten Rechtsextremisten-Milieu herzustellen. So fragte er nach den „Ostkreisler-Jungs“. Es handelte sich dabei um eine Gruppierung im Raum Hameln, die von einem Fremdenlegionär und FAP-Aktivisten (FAP ist als neonazistische Organisation 1995 verboten worden) geführt wurde. Doch Dennis L. und Sascha B. gehörten keiner Organisation an. Aber was sagt das schon. Die Mutter von Saskia B. fragte nach dem Anschlag per Whatsapp mit Smiley: „Habt ihr da einen Moli geworfen?“ Die Antwort: „Wir haben alle artig heia, heia gemacht. Ab schad ja nichts.“ Urteil 4. März

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