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«Jede und jeder von uns kann schon morgen in die Situation kommen, eine Organspende zu benötigen, sei es durch eine Krankheit oder einen Unfall», sagte Gröhe.

«Jede und jeder von uns kann schon morgen in die Situation kommen, eine Organspende zu benötigen, sei es durch eine Krankheit oder einen Unfall», sagte Gröhe. © Julian Stratenschulte/Archiv

Gesundheit

Alle 8 Stunden stirbt ein Mensch wegen fehlendem Spenderorgan

Die Verunsicherung der Menschen nach den Organspendeskandalen sitzt tief. Minister Gröhe nutzt den Tag der Organspende zu vertrauensbildenden Maßnahmen. Doch der Umgang mit Leben und Tod in diesem Grenzbereich bleibt ein sensibles Thema.

Berlin. Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat an die Bundesbürger appelliert, sich bewusst mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. "Jede und jeder von uns kann schon morgen in die Situation kommen, eine Organspende zu benötigen, sei es durch eine Krankheit oder einen Unfall", sagte Gröhe.

"In Deutschland warten mehr als 10 000 Menschen auf ein Leben rettendes Spenderorgan. Alle acht Stunden stirbt ein Mensch, weil kein passendes Organ gefunden werden kann. Vielen von ihnen könnte geholfen werden, wenn mehr Menschen einen Organspendeausweis mit sich tragen würden."

Gröhe sagte: "Am besten ist es, eine persönliche Entscheidung in einem Organspendeausweis festzuhalten." Das schaffe nicht nur im Ernstfall Klarheit und Sicherheit - vor allem für die Angehörigen. "Es hilft auch, das Geschenk des Lebens weiterzugeben, wenn es darauf ankommt."

Grundsätzlich kann im Organspendeausweis festgehalten werden, dass jemand - im Fall des Hirntodes - seine Organe anderen Menschen spenden will - oder eben nicht. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, sein Einverständnis zur Organ- und Gewebespende auf bestimmte Organe zu beschränken.

Die Spendenbereitschaft der Bürger hat nach Skandalen in den vergangenen Jahren deutlich nachgelassen. Um schneller an Spenderorgane zu kommen, hatten Ärzte unter anderem Medikamente verabreicht, damit ihre Patienten kränker erschienen, als sie tatsächlich waren. Zudem sind viele Menschen verunsichert, ob der Hirntod wirklich immer zweifelsfrei festgestellt werden kann.

Gröhe sagte, der Tag der Organspende lade dazu ein, sich zu informieren und Gespräche mit Betroffenen und Ärzten zu führen. "Stellen Sie die Fragen, die Sie bewegen, beraten Sie sich mit Ihrer Familie und dokumentieren Sie Ihre persönliche Entscheidung in einem Organspendeausweis."

Drei Viertel der Deutschen sind prinzipiell bereit, nach ihrem Ableben Organe zu spenden. Doch nur 43 Prozent besitzen den dafür notwendigen Organspendeausweis. Wer eine Organspende ablehnt, tut dies in erster Linie wegen mangelnden Vertrauens in das Vergabesystem und in die Todesdiagnose. Dies sind Ergebnisse einer Studie der Betriebskrankenkasse pronova BKK.

Seit 1963 wurden in Deutschland 125 233 Organe transplantiert. Damit seien den Betroffenen viele zusätzliche Lebensjahre geschenkt worden, schreiben die Organisatoren des Tages der Organspende.

dpa


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