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Deutschland/Welt Aktion zur Befreiung von US-Geiseln in Syrien gescheitert 
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Aktion zur Befreiung von US-Geiseln in Syrien gescheitert 
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23:22 21.08.2014
James Foley wurde seit 2012 vermisst. Foto: Nicole Tung / Courtesy Of Global
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Washington/Kairo

An der nächtlichen Kommandoaktion in Syrien waren laut "New York Times" zwei Dutzend Soldaten der Spezialeinheit Delta Force beteiligt. Die Extremisten sollen dem Bericht zufolge zuvor 100 Millionen Euro Lösegeld für Foley gefordert haben.

Es war die erste von den USA bekanntgegebene Militäraktion in Syrien seit Ausbruch des Bürgerkrieges vor mehr als drei Jahren. Ziel war eine Ölraffinerie im Norden Syriens, wo Foley und andere Geiseln vermutet wurden. Offenbar waren die Gefangenen aber kurz zuvor verlegt worden.

Im Nachbarland Irak setzte die US-Luftwaffe ihre Angriffe gegen Stellungen der Islamisten fort. Kampfjets hätten sechs Ziele in der Nähe des Mossul-Staudamms angegriffen, teilte das US-Zentralkommando in Tampa (Florida) mit. Mehrere Fahrzeuge und Stellungen seien zerstört oder beschädigt worden. Die irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News meldete, mindestens 35 Extremisten seien getötet worden. Seit Beginn der Luftschläge am 8. August flogen die Amerikaner nach eigenen Angaben insgesamt 90 Angriffe.

Die Enthauptung des 40-jährigen Journalisten hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. Die Terroristen hatten ein Video veröffentlicht, das den Tod des seit 2012 in Syrien vermissten Reporters zeigt.

US-Präsident Barack Obama verurteilte den Mord scharf. Die Tat "schockiert das Bewusstsein der gesamten Welt", sagte er an seinem Urlaubsort Martha's Vineyard in Massachusetts. Die IS-Terrormilizen strebten einen "Völkermord an einem alten Volk an", sie hätten "keinerlei Wertschätzung für menschliches Leben". Die Terroristen hätten "keinen Platz im 21. Jahrhundert", sagte er.

Bei dem Befreiungsversuch kam es laut "New York Times" zu einem kurzen Feuergefecht, ein US-Soldat habe leichte Verletzungen erlitten. Regierungsbeamte gingen davon aus, dass eine nicht genannte Anzahl von Terroristen getötet wurde.

Die Militäraktion hätte ursprünglich nicht bekanntgegeben werden sollen, hieß es weiter. Im Pentagon werde befürchtet, dass durch die Veröffentlichungen weitere derartige Aktionen schwieriger würden.

Die "New York Times" berichtete unter Berufung auf Vertreter der Familie Foleys sowie auf einen namentlich nicht genannten Mitgefangenen, die Terrormiliz habe 100 Millionen Euro Lösegeld gefordert. Präsident Obama habe sich aber geweigert zu zahlen.

Im Gegensatz zu europäischen Staaten lehnen es die USA seit längerem kategorisch ab, Lösegelder zu zahlen. Zur Begründung heißt es, dies wäre ein Anreiz für weitere Geiselnahmen.

Laut "New York Times" sind Lösegelder aus europäischen Ländern zum Haupteinkommen des Terrornetzwerkes Al-Kaida und ihrer Ableger geworden. Sie hätten so in den vergangenen fünf Jahren mindestens 125 Millionen Dollar eingenommen, ergab eine Studie der Zeitung. Experten und Medien in den USA kommentieren dies zunehmend kritisch.

Nach Angaben von Menschenrechtlern hat die Terrormiliz mindestens 4000 Gefangene in Syrien in ihrer Gewalt. Darunter seien auch "einige Dutzend Ausländer", sagte ein Sprecher der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte der dpa. Rund 20 Gefangene seien Amerikaner und Europäer.

Dabei seien südlich des Mossul-Staudamms mindestens 35 Extremisten getötet worden, meldete die irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria News. Das US-Zentralkommando in Tampa (Florida) hatte bereits in der Nacht 14 Angriffe auf IS-Kämpfer gemeldet. Dabei seien mehrere Fahrzeuge zerstört oder beschädigt worden.

Für Ende September lud Obama zu einem Terrorismus-Gipfel nach New York ein. An dem Treffen sollen die Staats- und Regierungschef der fünf UN-Vetomächte teilnehmen, sagte Marie Harf, Sprecherin im US-Außenamt, in Washington. Zu den Vetomächten im UN-Sicherheitsrat gehören neben den USA auch Russland, Großbritannien, Frankreich und China.

Der Islamische Staat will ein länderübergreifendes Kalifat mit Irak und Syrien errichten und hat dabei bereits zahlreiche Gräueltaten gegen Zivilisten verübt. Auch Deutschland und Italien wollen deshalb Kurden im Nordirak sowie die irakische Armee mit Waffen beliefern. Zuvor hatten bereits Großbritannien und Frankreich Rüstungslieferungen für den Kampf gegen die IS in Aussicht gestellt. Auch Dänemark erklärte sich zum Transport von Hilfsgütern bereit.

dpa

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