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Deutschland/Welt Afrika als Vorreiter im Kampf gegen Plastikmüll
Nachrichten Politik Deutschland/Welt Afrika als Vorreiter im Kampf gegen Plastikmüll
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14:47 28.05.2018
Einwegplastik sorgt weltweit zunehmend für eine Umweltverschmutzung – zahlreiche Länder haben bereits Maßnahmen gegen Plastikmüll ergriffen. Quelle: Villegas
Berlin

Mikroplastik verseucht das Meer, Mülldeponien sind überfüllt und der Verbrauch von Plastik nimmt weiterhin beunruhigende Ausmaße an – jeder Deutsche produzierte 2017 durchschnittlich 37 Kilogramm Plastikmüll, die rund 25 Minuten in Gebrauch sind. Dass das schädlich für Mensch und Umwelt ist, ist schon längst kein Geheimnis mehr. Trotzdem scheinen sich deutsche Politiker noch nicht so recht mit dem kompletten Verbot von Plastikmüll anfreunden zu können.

Dabei springt Deutschland erst recht spät auf den umweltfreundlichen Anti-Plastik-Zug auf, zahlreiche Länder auf der ganzen Welt konnten bereits Erfolge im Kampf gegen die verheerende Umweltverschmutzung verbuchen. Dabei fällt auf, dass insbesondere afrikanische Schwellenländer zu den Vorreitern der Einschränkung von Plastikmüll gehören. Aber wie geht die Welt mit dem Plastikmüll um? Ein Überblick:

Bangladesh und Südafrika

Plastikmüll wurde in Bangladesh zunehmend zum Problem, durch die belasteten Flüsse und Straßen steigerte sich zur Monsunzeit sogar das Überschwemmungsrisiko im Land. Also zog die Regierung im Jahr 2002 die Reißleine und setzte das Verbot von Plastikbeuteln durch. Die meisten Bürger haben sich damit abgefunden, der Umwelt zuliebe. Allerdings boomt der Handel mit den illegalen Beuteln auf dem Schwarzmarkt noch immer. Südafrika setzte ein Verbot von Plastiktüten für Einzelhändler durch.

Ruanda

Auch die Bürger hier haben bereits früh erkannt, welchen Schaden Plastik anrichtet. Im Jahr 2006 wurden Plastiktüten komplett verboten. Wer dann noch mit einer der verbotenen Tüten erwischt wurde, der musste Strafe zahlen. Selbst bei der Einreise ins Land wird genau hingeschaut: Eingeführte Plastiktüten werden vom Zoll sofort beschlagnahmt. Unternehmen dürfen nur mit einer Sondergenehmigung und teuren Gebühren noch ab und an auf die umweltschädliche Transportmöglichkeit zurückgreifen. Unternehmer, die illegal Plastiktüten nutzen, landen auch schon mal für einige Monate im Gefängnis. Dadurch zählt die Hauptstadt Kigali mittlerweile zur saubersten Stadt in ganz Afrika.

Marokko, Mauretanien und Kenia

Im Laufe der Jahre folgten immer mehr afrikanische Länder dem Beispiel ihrer Nachbarn und setzten die Nutzung und Produktion von Plastik unter Strafe. In Mauretanien gilt das Gesetz seit 2014, die marokkanische Regierung folgte im Jahr 2016. Etwa ein Jahr später entschied sich auf die Landesspitze Kenias zum Umschwung und stellte zusätzlich den Import von Plastik unter Strafe.

San Francisco, Los Angeles, Seattle

In Amerika machte San Francisco mit dem Verbot von Einwegtüten aus Plastik den Anfang, 2014 wurden auch kleine Plastikflaschen auf den Index gesetzt. Das Gesetz weist allerdings nach wie vor Lücken auf, die Nutzung ist bislang nicht komplett untersagt sondern nur beschränkt. In 2012 stimmte auch der Stadtrat von Los Angeles für ein Verbot von Plastikbeuteln.

In Seattle reifte die Idee eines Plastikverbots bereits im Jahr 2010, so richtig umgesetzt wurde es allerdings erst Anfang 2018. Aber auch hier mangelt es an Disziplin bei der Umsetzung: Zwar sind Strohhalme und andere Kleinutensilien aus Plastik in Restaurants verboten, allerdings fehlt es bislang an Alternativen.

Costa Rica

Das Land gilt vielerorts als grünes Paradies – und es möchte seinem Ruf auch dauerhaft gerecht werden. Und das mit radikalen Maßnahmen, die es bislang sonst nirgends auf der Welt gibt. Bis 2021 sollen die Bewohner komplett auf Einwegplastik verzichten. Heißt konkret: Das Aus für Plastikbeutel, Einwegflaschen und Plastikbesteck soll unter anderem durch biologisch abbaubare Materialien ermöglicht werden.

Neu-Delhi

Auch in der indischen Hauptstadt sorgt Plastik zunehmend für Probleme. Das Verbot von Plastikbechern, das seit 2017 in Kraft ist, wurde aber vor allem wegen dem starken Smog veranlasst. Dadurch verspricht sich die Regierung eine Reduzierung der Abgase durch weniger Müllverbrennung. Zum selben Zweck sollen Fahrverbote und die Abschaltung von Kraftwerken folgen.

Das Bild gehört fortan der Vergangenheit an: Geringverdiener sortieren Plastikflaschen hinter einem großen Flaschenberg in einer Recycling-Station in Shenyang, Provinz Liaoning, China. Quelle: picture alliance / Mark/EPA/dpapicture alliance / Mark/EPA/dpa

China

Die asiatische Großmacht hat jahrelang mehrere Millionen Tonnen Plastikmüll aus westlichen Ländern importiert und wiederverwertet – bis jetzt. Seit Anfang 2018 hat China den Import von Müll verboten. Neben Plastikmüll sind von dem Verbot auch Elektroschrott und Altpapier betroffen.

Neuseeland

Neuseeland nähert sich dem Kampf gegen die Umweltverschmutzung mit kleinen Schritten: Seit Jahresbeginn ist das Mikroplastik aus Kosmetikprodukten verbannt. Damit reagierte die Regierung auf Forderungen zahlreicher Umweltorganisationen die jahrelang gegen die Plastikverschmutzung protestiert hatten.

Neuseeland setzt den Fokus auf den Kampf gegen Mikroplastik und verbannt Inhaltsstoffe aus Kosmetik. Quelle: dpa-tmn

Frankreich, Großbritannien, Schottland, Dänemark

Die Europäische Union hat bereits Anfang 2018 angekündigt, bis 2030 alle Einwegplastikartikel durch ökologische Alternativen auszutauschen. Frankreich hatte aber bereits im Rahmen des französischen Energiewende-Gesetzes den Plan öffentlich gemacht, bis 2020 Plastikbesteck verbieten zu wollen. Großbritannien versprach unterdessen, sich für ein Verbot von Strohhalmen und Wattestäbchen einzusetzen, trotz des Brexits. Das Gesetz soll eventuell bereits in 2019 aktiv werden. Schottland plant ähnliche Maßnahmen. Dänemark hat bereits ein Verbot von Plastiktüten im Supermarkt durchgesetzt.

Und Deutschland?

Politik und Gesellschaft diskutiert dieser Tage über den richtigen Umgang mit dem Plastik-Problem. Neben diversen Verboten ist auch eine Plastiksteuer Gesprächsthema. Unklar bleibt allerdings nach wie vor, welche konkreten Maßnahmen die Bundesregierung gegen die enorme Umweltverschmutzung ergreifen wird und wann mit der Umsetzung dieser gerechnet werden kann.

Von RND/lf

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