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Doris von Sayn-Wittgenstein, schleswig-holsteinische Landesvorsitzende der AfD, beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland im Dezember.

Doris von Sayn-Wittgenstein, schleswig-holsteinische Landesvorsitzende der AfD, beim Bundesparteitag der Alternative für Deutschland im Dezember.
© dpa

Doris von Sayn-Wittgenstein

AfD-Fürstin hat Vergangenheit in Reichsbürger-Szene

Die Landeschefin der Nord-AfD fiel beim Parteitag in Hannover mit einer scharfen Rede auf, in der sie unter anderem die „Identitäre Bewegung“ verharmloste. Nun kommt heraus: In der Vergangenheit war sie bereits in rechtsextremen Kreisen unterwegs.

Lübeck. Die schleswig-holsteinische AfD-Landesvorsitzende Doris von Sayn-Wittgenstein hat anscheinend eine Vergangenheit in der Reichsbürger-Szene. 2009 war sie für den Gründungsvorstand eines Vereins mit dem Namen „Die Deutschen“ vorgesehen. Dieser wurde von dem Staatsrechtler Klaus Sojka initiiert – einem Mann mit vielfältigen Interessen in der rechten Szene. Sojka, der 2009 starb, war zeitweise Landesvorsitzender der rechtsextremen Partei DVU in Schleswig-Holstein. Ab 2000 war er an der Seite des früheren Linksterroristen Horst Mahler als Rechtsbeistand im ersten NPD-Verbotsverfahren vorgesehen. Im Juli 2009 stellte Sojka für die Vereinigung „Die Deutschen“ einen „Antrag auf Feststellung des Nichtbestehens der BRD“ an den Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Das für Streitigkeiten zwischen Staaten zuständige Gericht möge feststellen, schreibt Sojka, dass „die BRD (Bundesrepublik Deutschland) rechtlich nicht existiert“.

Sojka hat parallel auch Sayn-Wittgenstein für einen Vorstandsposten im Verein „Die Deutschen“ angeworben. Gegenüber den „Lübecker Nachrichten“ bestätigte Doris von Sayn-Wittgenstein: „Ja, er hatte mich dafür gewonnen.“ Sojka habe sie gefragt, „ob ich da mitmachen will“. Es sei dann aber gar nicht zu einer Vereinsgründung gekommen, „weil Herr Sojka gestorben ist“. Sie könne sich zumindest an keine Gründungsveranstaltung erinnern. Man kannte sich aus der Vertriebenen-Szene – Sayn-Wittgensteins Mutter stammt auch aus Schlesien –, allerdings nicht „von Angesicht“, sagt die AfD-Politikerin. Sie sei dem Professor wohl aus Publikationen bekannt gewesen.

Sie selbst habe nur eine einzige Broschüre von Sojka gelesen. Dass die Vereinsgründung damals etwas mit Reichsbürgern zu tun gehabt haben könnte, bestreitet die AfD-Landeschefin vehement: „Bitte schieben Sie mich nicht in die Reichsbürgerschiene.“ Auch Sojka wäre ihrer Ansicht nach heute kein Teil dieser Szene. „Die Bundesrepublik besteht, das ist ja gar keine Frage“, sagt Doris von Sayn-Wittgenstein – um dann allerdings hinzuzufügen, dass es sehr wohl eine Frage sei, was das zum Beispiel für Leute bedeute, „die zwischen 1945 und 1949 enteignet worden sind in den sogenannten neuen Bundesländern? Und natürlich auch: Was bedeutet es für die Entschädigung von Vertriebenen?“ Es gelte zudem weiterhin der Auftrag des Artikels 146 des Grundgesetzes – darin geht es um die Ablösung des Grundgesetzes durch eine echte Verfassung. „Das ist die Idee dahinter“, sagt die AfD-Politikerin. Aus dem Verein „Die Deutschen“ wurde nach Sojkas Tod nichts. Aus Doris von Sayn-Wittgenstein umso mehr.

Allerdings ist nicht nur die politische Haltung Sayn-Wittgensteins höchst zweifelhaft. Auch die Namensherkunft wirft Fragen auf. Fürst Alexander zu Sayn-Wittgenstein-Sayn sagte der FAZ, die AfD-Politikerin sei wohl vor einiger Zeit adoptiert worden, wohl von einem Titelhändler. Zuvor habe sie Doris Ulrich geheißen. Sie selbst hatte gegenüber der Bild-Zeitung darauf verwiesen, ihren Geburtsnamen zu tragen. Sayn-Wittgenstein-Sayn erläutert, dass bei Adoptionen der ursprüngliche Geburtsname gestrichen werde. Viele, die sich des Namens „von Sayn-Wittgenstein“ bedienten, seien Heiratsschwindler. Das Original laute „von und zu“, nur das „zu“ werde benutzt, so der Fürst.

Von Wolfram Hammer/Jan Sternberg/RND


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