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NPInterview

Ägypten: „Anschlag ist realistisch“

Heinrich Großbongardt zählt zu den erfahrensten Luftfahrtexperten Deutschlands. Im NP-Interview spricht der Hamburger über die möglichen Ursachen für den Airbus-Absturz, bei dem 224 Menschen starben.

Herr Großbongardt, erleben wir ein zweites Lockerbie?

Einen Bombenanschlag halte ich durchaus für realistisch. Was man sicher sagen kann: Der Absturz war die Folge eines Strukturversagens des Flugzeugs, das Heck scheint als Erstes abgefallen zu sein.

Wodurch wurde das verursacht?

Möglichkeit eins: durch eine Bombe; Möglichkeit zwei: ein Zusammenhang mit einem Unfall von vor 14 Jahren.

Aber wenn doch eine Bombe explodiert ist, müsste man das nicht sofort deutlich erkennen?

Es kommt darauf an, wo die Bombe platziert gewesen ist. Auch kann man es weniger an der Flugzeugstruktur erkennen als viel mehr bei der Obduktion der Opfer, in deren Körpern man typische Spuren finden würde. In so einem enorm großen Trümmerfeld ist es schwierig, in so wenigen Tagen die Ursache zu finden.

Würde sich denn eine Regierung ohne klare Hinweise auf ein Verbrechen so weit vorwagen und die Souveränität eines anderen Staates übergehen?

Nach der Auswertung von Ge-heimdienstquellen scheinen sich die Indizien auf einen Anschlag zu verdichten. Und nach den Ereignissen der vergangenen zwei, drei Jahre sind Regierungen und auch die Airlines dazu übergegangen, vorsichtiger zu sein und im Zweifel lieber frühzeitiger Maßnahmen zu ergreifen.

Wird dieser Absturz Auswirkungen auf die Luftfahrt haben?

Sollte es eine technische Ursache haben, dann hätte es sicher Konsequenzen für die Überprüfung der Flugzeuge. Ansonsten hätte es vor allem einen Einfluss auf die Tourismusindustrie in Ägypten - und zwar einen ganz schweren.

Im Falle eines Anschlags muss es Hilfe vom Bodenpersonal am Flughafen gegeben haben. Wie ist das angesichts der strengen Zugangskontrollen überhaupt möglich?

So viel ist sicher: In Europa laufen diese Kontrollen sehr viel strenger ab. Niemand latscht hier einfach auf das Rollfeld. Die Mitarbeiter werden alle überprüft, sie müssen sich beim Betreten des Sicherheitsgeländes identifizieren, es gibt verschiedene Schichten innerhalb eines Systems. Das kann nur funktionieren, wenn alle Verantwortlichen darauf achten, dass diese Prozesse auch eingehalten werden. Das Problem, das in manchen Ländern vorherrscht: Diese Maßnahmen werden eben nicht ausreichend konsequent durchgezogen. Die Airlines jedoch müssen trotzdem darauf vertrauen.


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