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Abschied: Gregor Gysi im exklusiven Interview

Gregor Gysi, früherer Vorsitzender der Links-Fraktion im Bundestag, hält die SPD „für einen ziemlichen Luschenverein“. Auch deshalb wäre er nie gern Sozialdemokrat geworden. Das sagte Gysi in einem Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

„Die wissen ja nicht mal, ob sie nur das  Gegenüber zur CDU werden wollen, oder doch nur ein Anhängsel bleiben wollen.“ Außerdem würde er sich viel zu sehr aufregen, wäre er in der SPD. Die SPD müsse begreifen, dass es auch ihr gut tue, wenn sie von einer Linkspartei „unter Druck gesetzt“ werde. Er kenne im Übrigen niemanden in der SPD von heute, „der Kanzlerformat“ habe.

Zur Zukunft seiner eigenen Bundestagsfraktion ohne ihn an der Spitze meinte Gysi: „Ich bin Zweckoptimist. Das wird schon klappen.“ So ein „Typ Alphatier“ wie er es sei, wisse natürlich, dass er auch gute Leute ein bisschen verdrängt habe. Aber: „Wir sind 64 in der Fraktion. Das sind alles große politische Kleindarsteller.“ Der amtierenden Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wünsche er im Übrigen, dass sie einen so gelungenen Abgang aus der Politik wie er selbst hinlege: „Zu gehen, wenn sie im Zenit ihres Ansehens steht, nicht, wenn sie im Keller ist.“

Großes Lob spendete Gysi dem Einheitskanzler Helmut Kohl. „Helmut Kohl hat seine wirklich großen Marken gesetzt mit der Herstellung der deutschen Einheit.“ Kohl sei „ein Europäer“ gewesen, der mit Leidenschaft den Weg zur europäischen Integration gegangen sei. Seine eigene Leistung in der Politik würdigte Gysi mit der Erklärung, er habe die Teile der DDR in die Einheit geführt, „die von den anderen Parteien nicht gewollt waren und das waren nicht wenige“. Stolz sei er, dass es ihm gelungen sei, die Linke so zu etablieren, „dass es auch ein CSU-Wähler normal findet, dass es uns im Bundestag gibt“.

Seinen Abschied aus der ersten Reihe nennt Gysi endgültig. Er habe wirklich Lust, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. „Und auf den freue ich mich auch. Deshalb geht es nicht mehr zurück. Bis heute bin ich ein Politiker, und ab morgen bin ich ein Gesellschaftspolitiker.“


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