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Deutschland/Welt 50 000 Schüler scheitern an Realschule oder Gymnasium
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13:20 30.10.2012
Nur 23 000 Schüler schafften es nach oben. Quelle: Patrick Pleul/Archiv
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Berlin

Nur rund 23 000 schafften es nach oben.

"Der Fahrstuhl geht meistens nach unten", sagte der Bildungsexperte der Bertelsmann Stiftung, Jörg Dräger, am Dienstag in Berlin bei der Vorstellung einer Studie zur Durchlässigkeit der 16 Schulsysteme im Auftrag der Stiftung. "Das Problem des Abstiegs ist die Demotivation", sagte Dräger. Herabstufungen zählten oft zur Praxis. Zu selten werde aber geprüft, ob ein Schüler den Aufstieg schaffen kann.

Am ungünstigsten ist das Verhältnis in Niedersachsen mit mehr als zehn Absteigern pro Aufsteiger. In Hessen sind es neun Ab- auf einen Aufsteiger, in Berlin sieben, in Nordrhein-Westfalen knapp sechs. Die anderen Länder liegen bei dieser Quote besser. Den Spitzenplatz belegt Bayern, nur hier gibt es etwas mehr Auf- als Absteiger.

Die bayerischen Kinder würden nach der Grundschule aber auch oft verhältnismäßig niedrig eingestuft. Als Aufsteiger von der Hauptschule wiederholten sie dann Klasse fünf in der Regel in der Realschule. Die Bochumer Bildungsforscherin und Studienautorin Gabriele Bellenberg meldete Zweifel an der Effektivität des bayerischen Wegs an: "Man muss hingucken, ob das notwendig ist."

Entscheidend sei nicht, ob ein Land an der Aufteilung Hauptschule - Realschule - Gymnasium festhalte. "Man muss die Strukturen, die da sind, so verändern, dass die Durchlässigkeit größer wird", forderte Bellenberg. Jedes Kind müsse in seiner Schule gefördert werden.

In klassischen mehrgliedrigen Schulsystemen gibt es laut Studie dort ein schlechtes Verhältnis zwischen Auf- und Absteigern, wo nur noch wenige nach der Grund- die Hauptschule besuchen. Denn diese werde dann zum Auffangbecken herabgestufter Schüler. Das betreffe Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Hier besuchten nur noch rund zehn Prozent der Schüler die Hauptschule. Die Hauptschule gehört in diesen Ländern laut Dräger gestärkt oder abgeschafft.

Das dreigliedrige System Baden-Württembergs steht mit einem Verhältnis von 1 Auf- auf 1,5 Absteiger verhältnismäßig gut da. Ebenso wie in Bayern habe hier die Hauptschule hier mit 25 Prozent der Schüler noch mehr Bedeutung und sei besser.

Die ostdeutschen Länder mit ihren zweigliedrigen Schulsystemen liegen laut Bellenberg im Mittelfeld beim Verhältnis der Auf- zu den Absteigern. Sie kritisierte eine eingeschränkte Durchlässigkeit in die Oberstufe in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Unter dem Strich weist die Studie aber kein Land als überlegen aus. "Wir können nicht sagen: Ein Bundesland ist ganz klarer Sieger", sagte Bellenberg. Insgesamt wechselten rund 100 000 von rund 4,4 Millionen Schülern der Klassen fünf bis zehn die Schulform, eingerechnet jene, die auf vergleichbarem Niveau bleiben.

Auch bei den Klassenwiederholungen unterscheiden sich die Länder. So weist hier etwa Bayern eine Quote von 2,8 Prozent auf, wohingegen es in NRW nur 1,4 Prozent sind.

Kinder armer Eltern oder von Migranten haben dabei deutlich geringere Chancen, nach der Grundschule ein Gymnasium zu besuchen, als Kinder von Akademikern, wie eine andere Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung im März zeigte. Bundesweit verlassen mehr als 60 000 junge Menschen pro Jahr ihre Schule ohne Hauptschulabschluss.

dpa

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