Navigation:

© dpa

Terror

Spurensuche nach Anschlag in Boston

Mehr als elfeinhalb Jahre nach 9/11 sind die USA erneut Ziel eines Terroranschlags geworden. Die Bevölkerung ist schockiert und fragt sich: Kommen die Täter aus dem eigenen Land? 

Boston. Weltweites Entsetzen nach dem Anschlag von Boston: Die Explosion zweier Bomben beim traditionsreichen Marathon in der US-Ostküstenstadt hat vorgeführt, dass der Terror jederzeit aus dem Nichts zuschlagen kann. Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat, bei der am Montagnachmittag (Ortszeit) mindestens drei Menschen ums Leben kamen und mehr als 140 verletzt wurden.

Das Weiße Haus geht von einem Terrorakt aus und schließt auch einheimische Täter nicht aus. Die pakistanischen Taliban bestritten jede Beteiligung. Es handelte sich um die ersten tödlichen Bombenanschläge in den USA seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001. Unter den Toten ist auch ein achtjähriger Junge. Seine Mutter und sechsjährige Schwester wurden schwer verletzt. Deutsche kamen nach ersten Informationen des Auswärtigen Amtes nicht zu Schaden.

US-Präsident Barack Obama sprach von einer Tragödie: "Wir finden heraus, wer das war. Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen", kündigte er in Washington an. Ein Sprecher des Weißen Hauses erklärte: "Jeder Vorfall mit mehreren Sprengsätzen - wie es in diesem Fall erscheint - ist klar ein Terrorakt und wird als Terrorakt behandelt". Im Zuge einer gründlichen Untersuchung müsse geklärt werden, ob der Angriff auf das Konto von ausländischen oder einheimischen Terroristen gehe. Nach Medienberichten vernahmen FBI-Beamte einen jungen saudischen Staatsbürger, der mit einem Studentenvisum in die USA gekommen sein soll. Er liege mit einer Beinverletzung im Krankenhaus.

Dem Sender CBS zufolge wird er von der Polizei bewacht. Außerdem sei eine Wohnung in einem Mietkomplex in der Kleinstadt Revere nahe Boston durchsucht worden. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht. Bostons Polizeichef Ed Davis und Vertreter der Bundespolizei FBI wollten sich auch nicht zu Berichten äußern, nach denen bis zu fünf weitere nicht explodierte Sprengsätze entdeckt worden seien. In TV-Sendern äußerten Experten die Vermutung, dass es sich wohl nicht um eine internationale Terroraktion gehandelt habe.

So sei der Angriff augenscheinlich zwar sorgfältig geplant, aber die Sprengsätze seien nicht sehr ausgeklügelt gewesen. Sonst hätte es weitaus mehr Todesopfer gegeben, so die einhellige Meinung der Fachleute. Laut CNN wurden die Polizeibehörden angewiesen, nach einem dunkelhäutigen Mann mit einem Rucksack Ausschau zu halten, der möglicherweise mit ausländischem Akzent spreche. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die "sinnlose Gewalt". Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem barbarischen Verbrechen und forderte eine aktive Koordination des weltweiten Anti-Terror-Kampfs. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte die Hoffnung, dass die Schuldigen bald zur Rechenschaft gezogen werde.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und der britische Premierminister David Cameron reagierten ebenfalls schockiert. Die Sprengsätze explodierten binnen 12 Sekunden in der Nähe der Ziellinie, die bereits Stunden vorher von den ersten Läufern überquert worden war. "Ich hörte zwei sehr laute Explosionen", berichtete ein Augenzeuge. US-Sender zeigten Bilder von Rauchsäulen und fliehenden Menschen. Rettungskräfte brachten Verletzte auf Tragen zu Krankenwagen. "Boston Globe"-Fotograf John Tlumacki sagte dem Fernsehsender CNN: "Ich sah abgerissene Beine, abgerissene Füße, Menschen auf Menschen getürmt." Die deutsche Marathonläuferin Sabrina Mockenhaupt aus dem Siegerland berichtete: "Unglaublich. Unfassbar. Ich bin total geschockt." Sie sei nach dem Rennen im Hotel 200 Meter vom Tatort entfernt unter der Dusche gewesen. "Als ich wieder zurück in die Hotellobby kam, war plötzlich alles anders", sagte die 32-Jährige der WAZ-Mediengruppe.

Kurz nach den Explosionen schalteten die Behörden vorübergehend das Mobilfunknetz in Boston ab, um mögliche Fernzündungen weiterer Sprengsätze zu verhindern. Auch der Luftraum über der 625 000 Einwohner-Stadt wurde zwischenzeitlich gesperrt. In anderen größeren US-Städten wurden die Sicherheitsvorkehrungen an strategisch wichtigen Orten ebenfalls verstärkt. Der Sprecher der pakistanischen Taliban, Ehsanullah Ehsan, sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wir wissen nicht, wer den Angriff ausführte und was die Absicht dahinter war." Die Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP hatte die Verantwortung für einen gescheiterten Autobombenanschlag auf dem New Yorker Times Square im Jahr 2010 übernommen und den USA mit Anschlägen gedroht.

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 finden große Sportveranstaltungen in den USA unter strengsten Vorkehrungen statt. Der Boston-Marathon gehört zu den populärsten Rennen an der amerikanischen Ostküste. In diesem Jahr war die letzte Meile des Boston-Marathons den Opfern des Amoklaufs von Newtown gewidmet, wo im Dezember in einer Grundschule 20 Kinder und 6 ihrer Betreuer erschossen worden waren. Angehörige der Opfer sollen unter den Zuschauern gewesen sein. Ob auch sie verletzt wurden, war zunächst nicht bekannt. Auch in Frankreich wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.

Für Deutschland sieht das Bundesinnenministerium keine erhöhte Terrorgefahr: Die Sicherheitslage sei unverändert, sagte ein Ministeriumssprecher, Deutschland stehe nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrors. Die Organisatoren von Großveranstaltungen wie den Marathons in London und Berlin, der Leichtathletik-WM in Moskau oder den Olympischen Spielen 2016 in Rio kündigten eine Überprüfung ihrer Sicherheitskonzepte an. Sowohl in London als auch in Hamburg sind für kommenden Sonntag Marathonläufe angesetzt, die wie geplant stattfinden sollen. dpa


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Was halten Sie von den Obike-Leihfahrrädern in Hannovers City?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie