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Terror

Boston: Kommen die Täter aus dem eigenen Land?

Drei Tote und mindestens 100 Verletzte beim Boston-Marathon: Mehr als elfeinhalb Jahre nach 9/11 sind die USA erneut Ziel eines Terroranschlags geworden. Die Bevölkerung ist schockiert und fragt sich: Kommen die Täter aus dem eigenen Land?

Boston. Der Bombenanschlag von Boston hat weltweit Entsetzen ausgelöst und Ängste vor einer neuen Terrorwelle geschürt. Bei der Explosion von zwei Sprengsätzen während des traditionsreichen Marathons in der US-Ostküstenstadt waren am Montagnachmittag (Ortszeit) drei Menschen ums Leben gekommen und weit mehr als 100 verletzt worden.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Tat. Das Weiße Haus geht von einem Terroranschlag aus. US-Präsident Barack Obama kündigte an, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Es handelte sich um die ersten tödlichen Bombenanschläge in den USA seit den Terrorangriffen vom 11. September 2001. Unter den Toten ist auch ein achtjähriger Junge. Deutsche kamen nach ersten Informationen des Auswärtigen Amtes nicht zu Schaden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die "sinnlose Gewalt". Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem barbarischen Verbrechen und forderte eine aktive Koordination des weltweiten Anti-Terror-Kampfs.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen, EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und der britische Premierminister David Cameron reagierten schockiert. In mehreren TV-Sendern äußerten Experten die Vermutung, dass die Tat eher auf das Konto einheimischer Extremisten gehen dürfte und es sich wohl nicht um eine internationale Terroraktion gehandelt habe. So sei der Angriff augenscheinlich zwar sorgfältig geplant, aber die Sprengsätze seien nicht sehr ausgeklügelt gewesen. Sonst hätte es weitaus mehr Todesopfer gegeben, so die einhellige Meinung der Fachleute. "

Jeder Vorfall mit mehreren Sprengsätzen - wie es in diesem Fall erscheint - ist klar ein Terrorakt und wird als Terrorakt behandelt", erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses. Im Zuge einer gründlichen Untersuchung müsse geklärt werden, ob der Angriff auf das Konto von ausländischen oder einheimischen Terroristen gehe. Bostons Polizeichef Ed Davis wies Berichte zurück, nach denen ein Tatverdächtiger gefasst worden sei. Es würden mehrere Menschen vernommen, bestätigte Davis lediglich. Der Polizeichef und Vertreter der Bundespolizei FBI wollten sich auch nicht zu Berichten äußern, nach denen bis zu fünf weitere nicht explodierte Sprengsätze entdeckt worden seien. Präsident Obama sprach in seiner kurzen Rede von einer "Tragödie". "Wir finden heraus, wer das war. Wir werden sie zur Rechenschaft ziehen", sagte er im Weißen Haus in Washington.

Die Explosionen ereigneten sich binnen 12 Sekunden in der Nähe der Ziellinie. US-Sender zeigten Bilder von Rauchsäulen und fliehenden Menschen. Rettungskräfte brachten Verletzte auf Tragen zu Krankenwagen. Kliniksprecher berichteten von Opfern, denen Gliedmaßen abgerissen worden seien. Bereits Stunden vor den Explosionen hatten die ersten Läufer die Ziellinie überquert. "Ich hörte zwei sehr laute Explosionen", berichtete ein Augenzeuge. Die deutsche Marathonläuferin Sabrina Mockenhaupt aus dem Siegerland sagte: "Unglaublich. Unfassbar. Ich bin total geschockt." Sie sei schon nach dem Rennen im Hotel 200 Meter vom Explosionsort entfernt unter der Dusche gewesen. "Als ich wieder zurück in die Hotellobby kam, war plötzlich alles anders", sagte die 32-Jährige der WAZ-Mediengruppe.

Sie habe sehr viele Verletzte gesehen. Kurz nach den Explosionen schalteten die Behörden vorübergehend das Mobilfunknetz in Boston ab, um mögliche Fernzündungen weiterer Sprengsätze zu verhindern. Auch der Luftraum über der 625 000 Einwohner-Stadt wurde zwischenzeitlich gesperrt. In anderen größeren US-Städten wurden die Sicherheitsvorkehrungen an strategisch wichtigen Orten ebenfalls verstärkt. Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 finden große Sportveranstaltungen in den USA unter strengsten Vorkehrungen statt. Der Boston-Marathon gehört zu den populärsten Rennen an der amerikanischen Ostküste. In diesem Jahr war die letzte Meile des Boston-Marathons den Opfern des Amoklaufs von Newtown gewidmet. Auch in Frankreich wurden die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt.

Öffentliche Orte und Einrichtungen sollten besonders bewacht werden. Für Deutschland sieht das Bundesinnenministerium keine erhöhte Terrorgefahr: Die Sicherheitslage sei unverändert, sagte ein Ministeriumssprecher, Deutschland stehe nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrors. Bundeskanzlerin Merkel sagte in Berlin: "Nichts rechtfertigt einen so heimtückischen Angriff auf Menschen, die sich zu einer friedlichen Sportveranstaltung zusammengefunden hatten". Bundesaußenminister Guido Westerwelle äußerte sich "zutiefst schockiert". Die Organisatoren mehrerer großer Sportveranstaltungen kündigten eine Überprüfung ihrer Sicherheitskonzepte an. Der Renndirektor des Berlin-Marathons, Mark Milde, sagte im ZDF-"Morgenmagazin": "Wir müssen erörtern und die Information bekommen, was jetzt wirklich in Boston passiert ist." Der London-Marathon soll wie geplant am kommenden Sonntag stattfinden, wie Chef-Organisator Nick Bitel dem Sender BBC sagte. Die Organisatoren der Leichtathletik-Weltmeisterschaft im August in Moskau kündigten zusätzliche Kontrollen der Besucher an.


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