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Die Unfallstelle nach dem Zugunglück bei Meerbusch (Nordrhein-Westfalen) wird derzeit eingehend untersucht.

Die Unfallstelle nach dem Zugunglück bei Meerbusch (Nordrhein-Westfalen) wird derzeit eingehend untersucht.
 © dpa

Zugunglück

Zugunglück: Regionalexpress bekam falsches Signal

Ein Fehler eines Fahrdienstleiters hat vermutlich den Zusammenprall eines Regionalexpress und eines Güterzugs verursacht. Die Notbremsung des Lokführers hat Schlimmeres verhindert – aber noch ist nicht klar, ob er aus eigenem Antrieb bremste oder dazu angewiesen wurde.

Bonn/Meerbusch.  Das Zugunglück in Meerbusch-Osterath mit neun Schwerverletzten geht vermutlich auf einen Fehler der Fahrdienstleitung zurück. Wie das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) aus Ermittlerkreisen erfuhr, wurde dem Lokführer der Regionalbahn über Zugfunk mündlich die Erlaubnis zur Weiterfahrt erteilt, obwohl sein Streckensignal auf Halt stand. Kurz darauf prallte der Regionalexpress des privaten Zugbetreibers National Express Rail auf einen Güterzug, der nach RND-Informationen aber bereits losgefahren war – hätte er noch gestanden, wäre der Aufprall trotz der Notbremsung des Lokführers im Regionalzug deutlich heftiger ausgefallen. Die Ermittler befassen sich jetzt vor allem mit der Frage, warum der Fahrdienstleiter die vom Güterzug besetzte Strecke freigab. Dabei dürfte besonders der Verdacht interessieren, dass die vergebenen Zugnummern fehlerhaft eingetragen waren. Deswegen konnte übersehen werden, dass sich zwei Züge im selben Blockabschnitt befanden.

Auch Anwohner halfen bei Rettung

Am Mittwochmorgen wurde das Ausmaß der Kollision vom Dienstagabend deutlich: Tonnenschwere Waggons sind wie Spielzeug von den Gleisen gepurzelt, der Triebwagen des Regionalzugs ist vom Aufprall zusammengestaucht. Bei dem Unfall wurden laut Bundespolizei 50 Menschen verletzt, neun von ihnen schwer.

Beide Züge waren nach Norden in Richtung Krefeld unterwegs, als sie am Dienstag gegen 19.30 Uhr auf offener Strecke kollidierten – der Regionalexpress der Linie 7 und der leere Güterzug von DB Cargo, der in Rotterdam beladen werden sollte. Mehr als 400 Rettungskräfte waren innerhalb kürzester Zeit an die Unfallstelle geeilt. Auch Anwohner leisteten ihren Beitrag und verteilten warme Getränke an die Helfer. Die Reisenden, die in dem Unglückszug gesessen hatten, berichteten von einem „großen Knall“, der auf eine scharfe Notbremsung folgte. „Es hat sich angehört, als ob ein Haus explodiert“, bestätigt Anwohner Rainer Boguslawski.

173 Menschen – darunter auch die Verletzten – mussten lange in dem Zug ausharren, bis die Feuerwehr nach fast zwei Stunden endlich die Türen öffnete und sie befreien konnte: In der herabgerissenen Oberleitung lauerte mit 15 000 Volt Hochspannung eine tödliche Gefahr, die erst gebannt werden musste.

Bekam Lokführer den Befehl zu bremsen?

Die Rettungskräfte lobten ausdrücklich den Lokführer. Der habe sich, obwohl selbst deutlich mitgenommen, um die Fahrgäste gekümmert und dazu beigetragen, dass alles ruhig abgelaufen sei. Mit seiner Notbremsung habe er zudem Schlimmeres verhindert. Ob der Lokführer von sich aus die Schnellbremse gezogen hat oder ob er vom Fahrdienstleiter im letzten Moment einen Hinweis bekommen hat, wird jetzt ermittelt. „Wir tragen derzeit Beweismittel zusammen“, bestätigte Gerd Münnich von der Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen (BEU) in Bonn gegenüber dem RND. Die Fahrtenschreiber beider Züge wurden bereits sichergestellt und ausgelesen. Auch in den Stellwerken wurden Informationen gesichert, der Bahnfunkverkehr aufgezeichnet.

Die BEU stuft die Kollision als schweren Unfall ein, bei dem die Schadenshöhe von 2 Millionen Euro überschritten sein dürfte. Wie hoch genau der Schaden ist, wird erst nach der Bergung der Züge feststehen, weil erst dann sichtbar wird, wie sehr die Bahnstrecke selbst in Mitleidenschaft gezogen wurde. Ein schwerer Kran begann gestern mit der Bergung der kollidierten Züge.

Die Pendler auf der Strecke brauchen jetzt Geduld: National Express Rail hat auf der Strecke einen Schienenersatzverkehr eingerichtet – auf unbestimmte Dauer.

Von dpa/RND


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