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Panorama Zeuge widerspricht S-Bahn-Schlägern
Nachrichten Panorama Zeuge widerspricht S-Bahn-Schlägern
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17:22 14.07.2010
Die Anwälte der Angeklagten besprechen sich im Gerichtssaal.
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München. Einen heiteren und entspannten Samstag wollten sie alle fünf am 12. September 2009 verbringen. Dominik Brunner, der 50-jährige Geschäftsmann, begann den Tag mit seiner Lebensgefährtin, kaufte dann der Mutter ein Buch als Geschenk und sich selbst eine Kiste guter Zigarren, bevor er zum Schwimmen ging. Die vier Teenager - zwei Jungs, zwei Mädchen - wollten zum Bowlen fahren, sie waren gut gelaunt. Wie dieser fröhliche Tag für Brunner ein tragisches Ende nahm und die vier Teenager Augenzeugen einer brutalen Bluttat wurden, schildert am Mittwoch einer der Schüler - seine Aussage könnte für den Urteilsspruch über die beiden Angeklagten eine wichtige Rolle spielen.

Der 15-jährige Richard befand sich mit seinen Freunden am S-Bahnhof Donnersbergerbrücke. Dort wurden die vier von den beiden Angeklagten Markus S. und Sebastian L. zusammen mit einem Dritten bedroht und geschlagen. Sie wollten Geld für Drogen, hätten sie gesagt, berichtet Richard in seiner Zeugenaussage vor der Jugendkammer des Landgerichts München I. Markus S. und Sebastian L. folgten ihnen in die S-Bahn.

Dort hätten die beiden damals 18- und 17-Jährigen laut verständlich immer wieder angekündigt, dass sie die Gruppe verprügeln wollten. In ihrem Geständnis zum Prozessauftakt hatten S. und L. gesagt, die Drohungen seien nicht ernst gemeint gewesen - doch die Teenager und auch Brunner verstanden die Bedrohung als real. „Als der Herr Brunner eingegriffen hat, waren wir schon sehr erleichtert“, sagt Richard.

Brunner überredete die vier Teenager, nicht an der Haltestelle bei der Bowlinghalle auszusteigen, sondern mit ihm zusammen an seiner Station in Solln, schließlich hatte er schon die Polizei alarmiert. Bei der Schilderung, wie es dann in Solln zu der tödlichen Prügelorgie kam, widerspricht Richard auch der Kernaussage aus dem Geständnis der beiden Angeklagten. Diese hatten ausgesagt, sie hätten nie zuschlagen wollen. Brunner habe als Erster zugeschlagen, ohne diesen Schlag ins Gesicht von S. wäre die Situation nie eskaliert.

Nach Richards Schilderung dagegen hatte Brunner zwar am S-Bahnhof seine Jacke ausgezogen und sich in Kampfposition hingestellt. Er sei aber einfach stehen geblieben und habe sich schützend vor die Gruppe der bedrohten Schüler gestellt. Dagegen seien die beiden Angeklagten drohend auf die Gruppe losgegangen. Es sei klar gewesen, dass etwas passieren würde, sagt Richard. „Deshalb denke ich mir, dass der Herr Brunner zugeschlagen hat“ - er habe damit dem ersten Schlag der zwei Angeklagten zuvorkommen wollen.

Für die Verurteilung von S. und L. könnte die Aussage Richards ebenso wie die der anderen drei Teenager entscheidend werden. Es ist strittig, ob die beiden - wie es in der Anklageschrift heißt - wegen Mordes aus Rache für Brunners schüztendes Eingreifen verurteilt werden können, oder womöglich wegen Totschlags oder Körperverletzung mit Todesfolge eine mildere Strafe bekommen. Nur Richard und die drei anderen Schüler haben das gesamte Geschehen verfolgt.

Noch eine weitere Schilderung von Richard könnte vom Gericht zu Lasten der Angeklagten gewertet werden. Demnach schlugen die beiden zunächst wild und ziellos auf Brunner ein. Danach hätten sie sich zurückgezogen, sich offenbar über die Taktik beraten und dann viel gezielter angegriffen. Brunner, der mal in einem Boxclub trainiert und ein Jahr vor seinem Tod einen Kurs in Selbstverteidigung gemacht hatte, konnte diesem Angriff nicht mehr standhalten.

Doch Brunner hätte womöglich nicht sterben müssen, hätte er Hilfe bekommen. Wie Richard ebenfalls schildert, gab es am Bahnsteig Menschen, die die Schüler in ihrer Panik angesprochen hätten. „Aber keiner hat geholfen.“ Diese Zeugen konnten nie ermittelt werden. Kurz nach der erfolglosen Hilfesuche stand der zu Boden geschlagene Brunner ein letztes Mal auf. „War das hart“, habe er gesagt - dann fiel Brunner um. afp

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