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Panorama Wennigser erlebte Tunnel-Drama
Nachrichten Panorama Wennigser erlebte Tunnel-Drama
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10:53 26.07.2010
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Von Sebastian Scherer

Duisburg/Hannover. Schon in der Innenstadt von Duisburg hat Christian Mainka ein merkwürdiges Gefühl beschlichen: Ein Großevent? Hier? „Nirgends Schilder oder Wegweiser, nur gelegentlich mal ein Polizist, der auch nicht so richtig wusste, wo lang.“ Der Weg zur Loveparade 2010 – das erste Veranstalterversagen, findet Mainka.

Angekommen an dem Unglückstunnel, durch den die Besucher auf das Gelände gehen sollten, habe sich sein Gefühl verstärkt, dass die Organisation „extrem dilettantisch“ sei. Kurz vor dem Tunnel sei der Wennigser mit seinen Begleitern das erste Mal an eine Absperrung gekommen. Da war es etwa 16.30 Uhr, eine halbe Stunde vor der Massenpanik, „die man zu diesem Zeitpunkt aber schon absehen konnte“. Immer mehr Menschen strömten heran, auch Mainka musste durch eine Absperrung klettern, weil er sonst dagegengequetscht worden wäre: „Es bewegte sich nichts mehr, man hatte keine Luft, nichts.“ Tausende drängten vor den Tunnel. „Ich forderte einen Polizisten auf, mit Megafon Ansagen zum Zurückgehen zu machen“, sagt der 30-Jährige. Keine Reaktion.

Mit seinen Kumpels kletterte Mainka dann über eine etwa drei Meter hohe Mauer, die das Areal vor der Brücke einschloss: „Wir haben Räuberleiter gemacht, man hielt es nicht mehr aus.“ Schon zu diesem Zeitpunkt seien Leute kollabiert, hätten geweint: „Es ist unverständlich, dass nicht da schon interveniert wurde – es war eine Frage der Zeit.“

Bei der Loveparade in Duisburg hat es nach Angaben der Polizei bei einer Massenpanik mindestens 15 Tote gegeben. Vor dem Eingang zum Gelände sei es bei den Wartenden in einem Tunnel zur Panik gekommen.

Über statt durch den Tunnel bahnten sich die Wennigser den Weg zum Gelände: „Von den Ereignissen erfuhren wir erst gegen 19 Uhr, als ich eine Nachricht von NTV auf dem Handy las.“ „Zehn Tote“ stand darin. Fassungslosigkeit: „Das setzte sich über das Gelände fort, es wurde ruhiger, alle waren bestürzt.“ Auch das Gelände hatte Mainka zuvor entsetzt: „Das war auf dem alten Güterbahnhof – stellenweise haben sie einfach Schienen weggerissen, die großen Kieselsteine aus dem Gleisbett lagen überall herum.“ Baumaschinen seien nur notdürftig abgesperrt gewesen. Dass es nur einen Ein- und Ausgang gab, verunsicherte die Gruppe: „So was hätte man in Hannover niemals freigegeben, nicht mal für einen Bruchteil der Besucher.“

Dass die Feier nach Bekanntwerden der Massenpanik nicht direkt abgebrochen wurde, kann Mainka verstehen: „Dann wären es wegen der Hysterie noch viel mehr Tote gewesen.“ Er musste über einen Bahndamm klettern, um wegzukommen: „Es herrschte schlicht Chaos. Die Veranstalter haben völlig versagt.“

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