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Ein ICE verlässt den Tunnel bei Niedernhausen-Niederseelbach.

Ein ICE verlässt den Tunnel bei Niedernhausen-Niederseelbach.© Arne Dedert

Notfälle

Vogel stoppt ICE - Fahrgäste sitzen vier Stunden fest

Wegen eines Vogels haben mehrere Hundert ICE-Reisende an Ostern stundenlang in einem Tunnel festgesteckt. Der Zug mit rund 400 Passagieren blieb am Montagabend auf dem Weg von Frankfurt nach Köln in der Röhre bei Niedernhausen nördlich von Wiesbaden liegen.

Idstein/Frankfurt. Ein Vogel war gegen den Stromabnehmer geprallt und hatte einen Kurzschluss ausgelöst, wie die Deutsche Bahn am Dienstag berichtete. Die Reisenden mussten sich rund vier Stunden ohne Heizung gedulden, bis sie in einen Ersatzzug umsteigen konnten. Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte das Pannenmanagement der Bahn als "peinlich".

 Das tote Tier sei auf dem Zug gefunden worden, Oberleitung und Stromabnehmer seien beschädigt gewesen, so die Bahn. Verletzt wurde niemand. Der Vorfall habe sich am Nordportal des 2765 Meter langen Niedernhausener Tunnels ereignet. Die Fahrgäste seien schließlich in einen Ersatzzug gestiegen, der auf dem Gleis neben dem liegengebliebenen ICE hielt. Über Verbindungsstege zwischen den Türen gelangten sie in den anderen Zug.

 Der ICE 528 war kurz nach 20.00 Uhr in Frankfurt losgefahren. Erst nach Mitternacht wurden die Passagiere abgeholt und konnten ihre Fahrt nach Köln um 1.16 Uhr fortsetzen. Dass die Passagiere nicht an Ort und Stelle aussteigen durften, begründete ein Bahnsprecher in Frankfurt mit der Sicherheit: "Ein Ausstieg auf die freie Strecke hätte nicht nur wegen der Ausstiegshöhe und der Dunkelheit zu einer Gefährdung der Reisenden, er hätte auch zu einer sofortigen Sperrung der Strecke geführt. Somit wäre es unmöglich gewesen, die 400 Reisenden in einen anderen Zug umsteigen zu lassen." Der liegengebliebene ICE wurde abgeschleppt.

 Berichte, während der Wartezeit sei der Notstrom knapp geworden und die Passagiere hätten im Dunkeln sitzen müssen, wies der Bahnsprecher zurück: "Die Notstromversorgung hat bis zum Schluss funktioniert." Alle Wagen seien beleuchtet gewesen. Allerdings hätten die Reisenden nicht den gewohnten Komfort gehabt, sagte der Sprecher. So habe es wegen der Notstromversorgung keine Heizung, sondern nur Umluft gegeben. Berichte über defekte Toiletten bestätigte der Sprecher nicht.

 "Die DB bedauert die Beeinträchtigungen der Passagiere im liegen gebliebenen ICE 528 ausdrücklich", teilte die Bahnzentrale in Berlin mit. Der Vorfall sei im Sinn der Sicherheit der Fahrgäste so schnell wie möglich und professionell von den beteiligten DB-Teams gehandhabt worden. Den betroffenen Fahrgästen stehe die Rückerstattung von 50 Prozent des Fahrpreises zu. Darüber hinaus werde es aus Kulanz zusätzliche Leistungen geben - welche, wollte der Bahnsprecher aber nicht sagen.

 Dass die Fahrgaste vier Stunden in einem Tunnel festsaßen, sei nicht hinnehmbar, sagte Pro Bahn-Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann der Nachrichtenagentur dpa. "So etwas darf nicht passieren." Es diene nicht der Vertrauensbildung, wenn eine solche Aktion mehrere Stunden dauere. Die Strecke Frankfurt-Köln sei nicht abgelegen, und der betroffene Tunnel wäre von Frankfurt aus in einer halben Stunde zu erreichen gewesen.

 Die Strecke zwischen Frankfurt und Köln war wegen der Reparaturarbeiten an der Oberleitung zeitweise nur eingleisig befahrbar gewesen. Neun ICE wurden über die linksrheinische Strecke umgeleitet. Es kam auch am Dienstag noch zu Verspätungen.

 Zunächst war von rund 450 betroffenen Passagieren die Rede gewesen. Die Bahn sprach jedoch von rund 400 Reisenden.

dpa


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