Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Verschüttete Bergleute: Licht am Ende des Tunnels
Nachrichten Panorama Verschüttete Bergleute: Licht am Ende des Tunnels
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:55 03.10.2010
Angehörige feiern die Ankunft der Rettungskapseln Quelle: dpa

Unter großem Beifall der Angehörigen der verschütteten Bergleute sind am Samstag sechs Lastwagen bei der chilenischen Unglücksmine San José eingetroffen. Sie brachten die Wohn- und Lazarettcontainer in das Lager Esperanza (Hoffnung), in denen die 33 Bergleute nach ihrer Rettung aus 700 Meter Tiefe eine medizinische Erstversorgung erhalten sollen. Die letzten Vorbereitungen für das Ende des längsten Grubendramas der jüngeren Geschichte laufen, denn die Kumpel sollen voraussichtlich schon in der zweiten Oktoberhälfte an die Oberfläche geholt werden. Für die Bergarbeiter heißt das: Nach zwei Monaten im feucht-heißen Stollen endlich Licht am Ende des Tunnels.

„Wir haben einen Zeitplan, der eine Rettung in diesen 15 Tagen möglich erscheinen lässt“, sagte Bergbauminister Laurence Golborne. „Abhängig von den weiteren Ereignissen kann es auch einige Tage früher oder später werden.“ Die Verschütteten hätten die Nachricht mit großer Freude aufgenommen, sagte der Minister. Sehr viel Zeit zum Feiern haben sie aber vermutlich nicht. Sie müssen weiterhin täglich etwa acht Tonnen Geröll beseitigen, das aus dem Bohrloch nach unten fällt. Die Arbeit ist körperlich so anstrengend, dass das Rettungsteam jetzt kalorienhaltigere Lebensmittel durch die engen Versorgungsröhren schickt.

Und nach der langen Abgeschiedenheit in der Tiefe müssen sich die Arbeiter auch auf einen großen Medienrummel vorbereiten, der sie nach der Rettung erwartet. Das üben sie jeweils zu zweit in Rollenspielen, in denen einer den Journalisten mimt und der andere antworten muss. Bis zu 2000 Journalisten werden bei der Mine mitten in der trockensten Wüste der Welt erwartet, wenn die Kumpel einer nach dem anderen in einer Rettungskapsel durch eine Röhre an die Oberfläche geholt werden. Satellitenantennen zur Übertragung der Nachrichten in alle Welt schießen wie Pilze aus dem Boden, eine Plattform für die Kameras und Fotografen ist auch schon aufgebaut. Das chilenische Fernsehen wird die Bilder von der Rettung live übertragen.

Am Anfang des Grubendramas hatte es noch geheißen, die Bergleute müssten sich bis zu vier Monate gedulden und würden wohl erst zu Weihnachten wieder bei ihren Familien sein. Die Bohrarbeiten aber kamen so gut voran, dass die Regierung den Termin einer möglichen Rettung immer weiter vorverlegte.

Am weitesten fortgeschritten sind die Arbeiten mit Hilfe eines Bohrers vom Typ Schramm T-130. Er war am Wochenende bei einer Tiefe von 428 Meter angelangt, sagte Golborne. Damit fehlten nur noch gut 200 Meter bis zu einem Werkstattraum in 630 Meter Tiefe, zu dem die Bergarbeiter Zugang haben. Die anderen beiden Bohrer waren noch weiter von ihrem Ziel in der Tiefe entfernt. Der zuerst fertige Schacht soll für die Rettung benutzt werden.

Unterdessen wurde den Eigentümern des Minenunternehmens San Esteban, das die Unglücksmine in der Atacama-Wüste betrieb, bis auf weiteres die Ausreise aus Chile verboten. Das ordnete ein Richter im Zusammenhang mit einem Strafverfahren gegen die Eigentümer wegen eines schweren Arbeitsunfalls in der Mine im Jahre 2009 an. Dabei hatte ein Arbeiter ein Bein verloren. Die Justiz wirft den Eigentümern und anderen schwere Körperverletzung vor. Angehörige der Verschütteten haben zudem eine Schadensersatzklage in Millionenhöhe gegen die Mine erhoben und wollen auch den Staat verklagen. dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema

Die verschütteten Minenarbeiter in Chile wissen jetzt, dass ihre Rettung möglicherweise Monate dauert. Experten befürchten eine lange Phase der Depression unter Tage.

26.08.2010

Die Bemühungen um die Rettung der 33  verschütteten Bergleute in Chile sind in ihre entscheidende Phase getreten. Ein Spezialbohrer aus  Australien begann, sich einen Weg zu den seit fast vier Wochen in 700  Metern Tiefe eingeschlossenen Kumpel zu bahnen. Diese müssen  herabfallende Gesteinsbrocken wegräumen – und wohl noch bis  Weihnachten auf ihre Rettung warten.

31.08.2010

Ein zur Bergung der in einer  chilenischen Mine verschütteten Bergleute eingesetzter stärkerer  Bohrer macht überraschend rasche Fortschritte. Die Maschine des Typs Schramm T-130 sei nach drei Tagen bereits 268 Meter tief vorgedrungen und habe damit mehr als die Hälfte der Strecke bis zu den Eingeschlossenen zurückgelegt, teilte Einsatzleiter Andres Sougarret mit.

09.09.2010

Einem 15-jährigen Jungen ist in Rom ein permanentes künstliches Herz implantiert worden. Dieses Verfahren sei bisher nur bei Erwachsenen angewandt worden, berichtete das Ärzteteam zwei Tage nach dem zehnstündigen Eingriff.

02.10.2010

Ein Elternpaar aus Frankreich hat bei einem Wohnungsbrand auf einen Schlag vier seiner Kinder verloren.

02.10.2010

Mindestens 36 Menschen sind am Samstag bei der Kollision zweier Züge in Indonesien ums Leben gekommen. Mehr als 30 weitere Passagiere wurden schwer verletzt, als ein Passagierzug in der Bahnstation von Petarukan Pemalang auf der Insel Java in einen wartenden Zug prallte, wie ein Sprecher des Verkehrsministeriums mitteilte.

02.10.2010