Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Panorama Umstrittene Aussichtsplattform bei Garmisch eröffnet
Nachrichten Panorama Umstrittene Aussichtsplattform bei Garmisch eröffnet
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:50 04.07.2010
Hier gehts ab: Neue Aussichtsplattform ragt ins Nichts. Quelle: dpa

Die „Alpspix“ setze neue Akzente, sagte der oberbayerische Regierungspräsident Christoph Hillenbrand bei der Eröffnung am Sonntag. Die Architektur sei zwar spektakulär, füge sich aber trotzdem gut in die Umgebung ein.

Die beiden Rampen wurden in X-Form übereinander gebaut. Je elf Meter sind auf dem Berg verankert, 13 Meter ragen über dem Abgrund. Die Wege sind barrierefrei gestaltet. Auf diese Weise hofft die Zugspitzbahn, mit ihrer neuen Attraktion auch Familien mit Kinderwägen und Rollstuhlfahrer anzulocken. In 2.050 Metern Höhe können sie die umliegenden Berge aus einer Perspektive betrachten, die bisher nur erfahrenen Bergsteigern vorbehalten war: Eine Rampe neigt sich abwärts in Richtung Höllental und bayerisches Alpenvorland, die andere zeigt himmelwärts zur Zugspitze.

Am Eröffnungstag war vom höchsten Gipfel Deutschland allerdings wenig zu sehen. Die Natur machte den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung: Dichte Wolkendecken, Nebel und Gewitter verbauten den Ausblick. Die meisten Besucher waren trotzdem beeindruckt von der rund 350.000 Euro teuren Attraktion. „Das passt zu Garmisch-Partenkirchen, das passt zu Oberbayern, das passt einfach alles zusammen“, fand beispielsweise der 63-jährige Hubert Wörmann, der schon sein ganzes Leben lang in Partenkirchen wohnt.

Kritik am „Fast-Food-Naturerlebnis“


Die beiden Profi-Bergsteiger Stefan Glowacz und Jürgen Knappe protestierten mit einer spektakulären Aktion gegen die neue Aussichtsplattform. Mit Seilen und Klettergurten befestigt und auf einer Hängematte stehend, baumelten sie unter der oberen Rampe. „Unsere Berge brauchen keinen Geschmacksverstärker“, war auf einem großen Banner zu lesen. „Für mich ist das ein Fast-Food-Naturerlebnis“, sagte Glowacz, der schon vor Beginn der Bauarbeiten gegen das Projekt demonstriert hatte. Man solle Natur erleben und genießen, statt sie im Schnelldurchlauf zu konsumieren.

Rund um die Zugspitze ist die „Alpspix“ das bisher umstrittenste Projekt. Gegner kritisieren den Trend, den Massentourismus immer weiter in die Bergwelt zu holen. Man dürfe die Alpen nicht zu einer bloßen Kulisse degradieren, warnte auch der Deutsche Alpenverein. Anlagen, die nur den Charakter von Fahrgeschäften besäßen, hätten in der freien Natur nichts zu suchen. „Da wird um jeden Preis versucht, Geld locker zu machen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Sektion Garmisch-Partenkirchen, Markus Dorfleitner. Mit Naturschutz und Nachhaltigkeit sei das Ganze nicht zu vereinbaren.

Neue Attraktion soll Touristenmagnet werden


Befürworter argumentieren hingegen, die Gegend um die Alpspitze sei ohnehin schon weitgehend erschlossen. Indem man Touristenströme an einer Stelle bündele, könne man ursprüngliche Natur an anderen Orten erhalten. Zudem spielt der finanzielle Anreiz eine große Rolle, auch wenn die Aussichtsplattform selbst keinen Eintritt kostet. „Zahlreiche Bergliebhaber werden deswegen ins Werdenfelser Land kommen und die seit langem vorhandene Seilbahn nutzen“, erklärte Hillenbrand.

Bisher nutzen täglich rund 1.000 Besucher die Fahrbahn, mit dem Alpspix erwarte man einen Zuwachs von bis zu 30 Prozent, sagte der Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn, Peter Theimer. Ob die Aussichtsplattform auch im Winter geöffnet ist, steht derzeit noch nicht fest. Der Schnee könnte zwar größtenteils durch den Gitterboden fallen, zusätzlich Räumungsarbeiten seien vermutlich aber trotzdem nötig, erklärte Theimer. Ob dieser Aufwand finanziell lohnt, werde man erst im Herbst entscheiden.

(Ronja von Wurmb-Seibel)

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 00:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Ein Prozess gegen Jörg Kachelmann ist nach Medienberichten im September möglich. Der Wettermoderator ist unter dem Verdacht der Vergewaltigung inhaftiert.

04.07.2010

Was erst aussah wie ein Verkehrsunglück, entpuppte sich als Kriminalfall. Nördlich von Magdeburg starben zwei Autofahrer bei einem Frontalzusammenstoß. Einer hatte eine Leiche im Kofferraum.

04.07.2010

Piraten haben vor dem Nigerdelta ein unter deutscher Flagge fahrendes Schiff angegriffen und dabei zwölf Seeleute entführt. Das teilte am Samstag ein Sprecher der nigerianischen Marine mit.

03.07.2010