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Banner vor dem Rathaus der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Mit einem Millionen-Programm will die WHO die Ebola-Epidemie in Westafrika unter Kontrolle bringen.

Banner vor dem Rathaus der liberianischen Hauptstadt Monrovia. Mit einem Millionen-Programm will die WHO die Ebola-Epidemie in Westafrika unter Kontrolle bringen. © Ahmed Jallanzo

Wissenschaft

Zwei Ebola-Verdachtsfälle in Nigeria

Nach Guinea, Liberia und Sierra Leone befürchtet jetzt auch Nigeria einen Ausbruch der tödlichen Seuche Ebola: Zwei möglicherweise mit dem Virus infizierte Menschen sind in dem westafrikanischen Land auf einer Krankenstation isoliert worden.

Abuja/Conakry. 69 weitere seien unter Beobachtung gestellt, berichtete die nigerianische Zeitung "Punch". Sie sollen Kontakt zu einem Berater der liberianischen Regierung gehabt haben, der diese Woche in einem Krankenhaus in Lagos an Ebola gestorben war. Der 40-Jährige war mit einem Flugzeug in die Zehn-Millionen-Metropole gereist und dort am Flughafen zusammengebrochen.

In Conakry, der Hauptstadt Guineas, erörterten Präsidenten westafrikanischer Staaten mit Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Freitag konkrete Schritte zur Intensivierung des Kampfes gegen die Seuche. Die UN-Behörde hatte am Donnerstagabend ein 100-Millionen-Dollar-Programm (75 Millionen Euro) für den Kampf gegen Ebola angekündigt.

Das Auswärtige Amt stellte weitere 500 000 Euro zur Verfügung. Damit werde die Nichtregierungsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" unterstützt, teilte das Außenamt in Berlin mit.

Wenn die Epidemie nicht unter Kontrolle gebracht werde, könne dies katastrophale Folgen für die Menschen in der Region haben, sagte die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan in einer Rede vor den Teilnehmern. Die Seuche breite sich schneller aus, als die Helfer in der Lage seien, sie einzudämmen. Zudem bestehe das Risiko, dass das Virus auf andere Länder übergreife. Der Ausbruch stelle die Helfer vor beispiellose Herausforderungen.

Nun sollen in den betroffenen Ländern Hunderte weitere Ärzte, Krankenschwestern, Seuchenexperten, Logistiker und Sozialarbeiter eingesetzt werden. Es gelte, die Maßnahmen zur Aufklärung zu verstärken, Fälle schnell und sicher aufzuspüren und angrenzende Länder vor einem Ausbruch der Epidemie zu bewahren, hieß es. Der Gipfel müsse einen Wendepunkt im Kampf gegen Ebola darstellen, mahnte Chan.

Wichtig sei zudem ein besserer Schutz der Mitarbeiter in den Kliniken und Gesundheitszentren, "einer raren Ressource in allen drei Ländern". In den vergangenen Wochen hatten sich zahlreiche Ärzte und Pfleger bei ihrer Arbeit mit den Patienten infiziert, darunter auch zwei Amerikaner.

Am Freitag startete ein Charterflugzeug nach Liberia, um die beiden Patienten nach Hause zu holen. In sozialen Netzwerken regte sich die Angst, auf diese Weise Ebola in die USA einzuschleppen. "So sehr ich die Arbeit der (Hilfsorganisation) Samaritan's Purse respektiere, möchte ich niemanden mit Ebola nahe der USA haben", twitterte eine besorgte Frau. Der Arzt und die Schwester seien in einem ernsten, aber stabilen Zustand, hieß es. Sie sollten zunächst nach Atlanta geflogen werden.

Der Ebola-Ausbruch überschattet auch den US-Afrikagipfel kommende Woche in Washington. Die Präsidenten der schwer betroffenen Länder Liberia und Sierra Leone, Ellen Johnson Sirleaf und Ernest Bai Koroma, haben ihre Teilnahme abgesagt, teilte das Außenamt in Washington mit. Unklar war am Freitag, ob auch andere Länder absagen. Am Donnerstag hatten die USA eine Reisewarnung für Liberia, Sierra Leone und Guinea herausgegeben.

Auch das Auswärtige Amt rät von nicht notwendigen Reisen in die drei Staaten ab. Trotz internationaler Bemühungen sei ein Ende der Epidemie nicht absehbar, heißt es in den aktualisierten Reise- und Sicherheitshinweisen des Ministeriums. Die medizinische Versorgung in den Staaten sei defizitär, eine Ausbreitung der Krankheit nicht auszuschließen.

Die Fluggesellschaft Emirates kündigte an, alle Flüge nach Guinea zu streichen. Wie das Unternehmen auf seiner Internetseite ankündigte, gibt es von Samstag an keine Verbindungen mehr in die Hauptstadt des Landes, Conakry. In Abstimmung mit internationalen Gesundheitsbehörden werde es aber weiter Flüge nach Dakar im benachbarten Senegal geben. Die Sicherheit von Passagieren und Besatzung stehe an erster Stelle, begründete die Airline den Schritt.

Am Donnerstag hatte die WHO neue Daten zur Epidemie veröffentlicht. Demnach starben bei dem Ausbruch bis zum 27. Juli 729 Menschen. Binnen drei Tagen wurden damit 57 weitere Todesfälle registriert, 27 davon in Liberia, 20 in Guinea, 9 in Sierra Leone und einer in Nigeria. Die Zahl registrierter Infektionen schnellte zwischen 24. und 27. Juli um 122 auf 1323.

Der steile Anstieg fordere konzentrierte Anstrengungen aller, Probleme wie Übertragungen in Gesundheitseinrichtungen anzugehen. Kontakte zu Infizierten müssten effektiver verfolgt werden. "Die Lage ist außer Kontrolle", hatte Mariano Lugli, Koordinator von Ärzte ohne Grenzen in Genf, gewarnt. Das Virus sei nicht zu stoppen, lokale Gesundheitsbehörden seien überfordert.

Sierra Leone hat den nationalen Notstand erklärt, ganze Gebiete im Osten des Landes sollen unter Quarantäne gestellt werden. Das Nachbarland Liberia hatte bereits zuvor den Notstand ausgerufen und seine Grenzen geschlossen - ebenso wie alle Schulen des Landes und viele Märkte.

Es handelt sich um den schwersten Ausbruch der Krankheit seit ihrer Entdeckung im Jahr 1976. Zudem ist es die erste Epidemie mit dem besonders gefährlichen Zaire-Ebola-Virus in Westafrika.

dpa


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