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Tierisch

Warum Igel ein ernstes Alkoholproblem haben

Rentiere lieben Fliegenpilze, Kängurus Mohnkapseln und MeerkatzenCocktails: Auch im Tierreich sind Alkohol und Drogen weit verbreitet, wie der Wissenschaftler Mario Ludwig sagt. Dem englischen Igel bescheinigt er gar ein "massives Alkoholproblem".

Karlsruhe. Nicht nur Menschen nutzen die berauschende Wirkung von Alkohol und Betäubungsmitteln zur Flucht aus dem Alltag. Auch Vertreter bestimmter Tierarten genehmigen sich regelmäßig einen großen Schluck Hochprozentiges oder greifen bewusst zu harten Drogen wie Opiaten. "Es gibt Tiere, die kiffen, und Tiere, die zechen", sagt der Karlsruher Biologe Mario Ludwig.

Der Wissenschaftler hat sich auf die populärwissenschaftliche Aufarbeitung von skurrilen und bislang nur wenig bekannten Phänomenen aus dem Tierreich spezialisiert und dazu mehr als 20 Bücher veröffentlicht. Rentiere essen Ludwig zufolge etwa sehr gerne Fliegenpilze. Weil die Pilze bewusstseinserweiternde Substanzen enthalten, beginnen die Rentiere nach dem Verzehr zu schwanken.

Auch im australischen Tasmanien sind Drogen bei manchen Tieren angesagt. So dringen laut Ludwig immer wieder Kängurus bewusst in Schlafmohnfelder ein, fressen Mohnkapseln und laufen anschließend berauscht von dem darin enthaltenen Morphin im Kreis. Eine besonders kuriose Art der Selbstberauschung betreibt nach den Erkenntnissen des 58 Jahre alten Wissenschaftlers aber eine spezielle Delfinart. "Der Große Tümmler nimmt sich ein anderes Tier als Droge, nämlich den Kugelfisch", sagt Ludwig. Kugelfische enthalten eine hohe Konzentration des Nervengifts Tetrodotoxin und sondern dieses unter Stress ab.

Einmal seien mehrere Große Tümmler sogar dabei gefilmt worden, wie sie einen Kugelfisch malträtierten, ihn "wie einen Joint" herumgehen ließen und sich an seinem Gift berauschten. "Erstaunlicherweise machen das aber nur junge, männliche Delfine", erklärt Ludwig. Der Konsum von Alkohol in Form von vergorenen Beeren sei im Tierreich ebenfalls gang und gäbe, sagt der promovierte Wissenschaftler. Szenen wie in Astrid Lindgrens Kinderbuch "Michel aus Lönneberga", wo Haustiere nach dem Verzehr von verdorbenen Kirschen betrunken über den Hof torkeln, seien keineswegs Fiktion, sondern auch in der Realität möglich.

"Ein massives Alkoholproblem" haben nach den Worten des Forschers Igel in Großbritannien. Der Grund seien die vielen sogenannten Bierfallen, mit denen englische Hobbygärtner ihre Blumen- und Gemüsebeete schützten. Eigentlich sollten die mit Gerstensaft gefüllten Becher lediglich Nacktschnecken anlocken. Weil Schnecken aber die Leibspeise von Igeln seien, machten sich diese regelmäßig über die Gefäße mit dem Bier-Mix her. Kein ungefährliches Unterfangen, sagt Ludwig, "denn hinterher sind die Igel stinkbesoffen und schlafen ihren Rausch recht ungeschützt in der Gartenecke aus".

Noch direkter und ohne Scheu vor Menschen gehen die Meerkatzen auf der Karibikinsel St. Kitts vor, weiß der Experte. "Sie trinken den Touristen die Cocktails weg und liegen schon nachmittags betrunken am Strand." Für ein ganzes Buch reichten seine Recherchen zum animalischen Rauschmittelmissbrauch noch nicht aus, sagt der Biologe: "Die Drogenforschung bei Tieren steckt noch in den Kinderschuhen." Seine nächsten Projekte hat der Wissenschaftsautor aber schon begonnen: Er plant ein Buch über "Die skurrilsten Tierarten" sowie einen Band über die unterschiedlichen Kommunikationswege im Tierreich.

Ekart Kinkel (epd)


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