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Vulkanwolke über Island: Kommt bald der nächste Ausbruch?© dpa

Vulkanausbruch

War die Aschewolke erst das Vorspiel?

Das Chaos, das der Vulkanausbruch auf Island im internationalen Flugverkehr angerichtet hat, war vielleicht erst der Anfang.

Wissenschaftler befürchten, dass die Erschütterungen am Eyjafjallajökull eine noch gewaltigere Eruption des nahe gelegenen Vulkans Katla auslösen könnten - und dann wären die Aussichten für Luftfahrtbranche und Flugreisende weltweit erst recht rabenschwarz.

Ein Ausbruch des Katla wäre zehn Mal stärker und würde noch dichtere Aschewolken in noch größere Höhe ausstoßen als sein kleiner Nachbar, der den Flugverkehr in Europa schon tagelang lahmgelegt hat und noch weiter zu behindern verspricht. Die zwei Vulkane liegen im Süden Islands in rund 20 Kilometer Entfernung nebeneinander und sind vermutlich durch ein Netz von Magmakanälen miteinander verbunden.

Eispanzer 500 Meter dick

Der Katla liegt allerdings unter einer 500 Meter dicken Eisschicht, dem Myrdalsjökull, einem der größten Gletscher auf Island. Das heißt, sein Eispanzer ist gut doppelt so gewaltig wie der, durch den sich der heiße Ausstoß des Eyjafjalla hindurchgeschmolzen hat. Bei einer Eruption hier wäre das Risiko groß, dass der Flugverkehr über Europa erneut und sogar noch länger gestoppt wird. Bis zum Dienstag zeigte der Katla noch keine Anzeichen von Aktivität. Doch die Wissenschaftler an ihren seismologischen Messgeräten bleiben wachsam.

Der Ausbruch eines Vulkans löse zuweilen die Eruption eines weiteren in der Nähe aus, erklärt der Geophysiker Pall Einarsson von der Universität Island, und Katla und Eyjafjalla seien schon früher im Doppelpack aktiv gewesen. Tatsächlich war es bei den drei letzten Eruptionen des Eyjafjalla so, dass auch der Katla ausbrach. Dazu kommt, dass der Katla in der Regel so alle 80 Jahre erwacht und - seit der letzten Eruption 1918 - nun eigentlich schon überfällig ist.

Flucht binnen 30 Minuten


Ein erschreckender Gedanke für die Einwohner der Orte in der Nähe. Sie müssten sich schleunigst in Sicherheit bringen vor den Fluten aus Schmelzwasser, die die Hänge des Katla herabgestürzt kämen. Schon bei der Eruption vorige Woche waren Wassermassen und hausgroße Eisblöcke spektakulär zu Tal gerauscht.

Im Küstenort Vik gehen die Einwohner sicherheitshalber noch einmal die Evakuierungspläne durch, wie Bürgermeister Svenn Palsson berichtet. Die Gemeinde ist von einer dünnen Schicht Vulkanasche vom Eyjafjalla überzogen; die eigentliche Sorge der 300 Einwohner aber ist der Katla. Sie hätten nur zwei oder drei Stunden Zeit, sich auf sicheren Boden zu retten, wenn der Vulkan ausbricht und das Eis schnell schmilzt. „Wir haben geübt und schaffen es in 30 Minuten“, sagt Palsson. Andere Orte am Berg hätten aber höchstens 20 Minuten Zeit zur Flucht, gibt er zu bedenken.

Aktivität nebenan erschwert Vorhersage


Der mächtige Eispanzer des Katla ist deshalb so beunruhigend, weil gerade das Zusammentreffen von kaltem Schmelzwasser und glühender Lava zu Dampfexplosionen führt, die Aschewolken bis in große Höhe schleudern. Kräftiger Wind kann die Partikel dann Richtung Europa treiben, mit bekannten Folgen.

Bislang wurden am Katla nur geringfügige Erschütterungen gemessen, die Wissenschaftler als Bewegungen im Gletschereis selbst interpretieren. Doch die Aktivität am Eyjafjallajökull macht es noch komplizierter, die die Messergebnisse zu deuten und einen möglichen Ausbruch vorherzusagen. „Es ist schwieriger, in den Katla hineinzuschauen“, erklärt die Geologin Kristin Vogfjord vom Isländischen Wetteramt.

Ausbruch „heute oder in 100 Jahren“


Ihr Expertenteam in Reykjavik beobachtet mit Seismographen und GPS-Einheiten rund um die Vulkane, ob die Erde bebt oder sich hebt - das kann auf Magmavorkommen hindeuten, die durch die Erdkruste nach oben drängen. In der Gegend um den Eyjafjallajökull hatte sich der Boden in den vergangenen Monaten um acht Zentimeter gehoben und war dann nach dem jüngsten Ausbruch wieder leicht abgesunken.

Dass der Katla auf Eruptionen des Eyjafjalla empfindlich reagiert, könnte Vogfjord zufolge mit veränderten Druckverhältnissen in der Erdkruste als Folge des Magmaausflusses bei einer Eruption zu tun haben. Doch genaue Antworten gibt es nicht, und noch weniger genaue Prognosen für die Zukunft. Ein Vulkanausbruch ist wie ein Erdbeben nur schwer vorherzusagen. „Katla kann heute losgehen oder in 100 Jahren - man weiß es nicht“, sagt Bürgermeister Palsson. „Wir können nur darauf vorbereitet sein.“ apn


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