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Vogelschutz

Katzen: Kaltblütige Killer mit Kuschelimage?

In Neuseeland sind sie eine Plage und werden bei der Umweltbehörde als Schädlinge bezeichnet oder als Killer mit Kulleraugen gefürchtet. In Deutschland sind kuschelige Miezekatzen die Lieblinge zum Spielen und Schmusen. Doch sind Katzen wirklich eine artgefährdende Bedrohung für Singvögel und Nagetiere? Professor Michael Fehr von der Tierärztlichen Hochschule Hannover spricht vom natürlichen Instinkt der Tiere zur Beutejagd. Doch das Kuschelimage ist in Gefahr.

Hannover. Mit einem leisen Schnurren kuscheln sie sich an. Scheinbar harmlos und völlig unschuldig. Doch wenn Katzen im Freien streunen, zeigen sie ihre wahre Natur: Scharfe Krallen, Reißzähne und ein feines Gehör sind ihre tödlichen Waffen. „Katzen sind Fleischfresser und Raubtiere“, erklärt Michael Fehr, Direktor der Klinik für Kleintiere an der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Singvögel und Nagetiere werden bei der Jagd dann schnell zur wehrlosen Beute.

In Neuseeland ist man sich nach neuen Studien sicher: Katzen sind Killer mit Kulleraugen. Dort haben Tierschützer eine Kampagne gegen die felligen Vierbeiner gestartet. Sie fürchten, Katzen könnten einheimische Vögel wie den Kiwi oder kleine Echsen wie den Gecko ausrotten. Manchen reicht es nicht, die Tiere zu kastrieren, sie fordern bereits den Abschuss der leichtfüßigen Jäger.

Lars Lachmann, Vogelexperte beim Naturschutzbund (Nabu), sieht eine reelle Gefahr in Neuseeland: „Die dort eingeführte Katze ist der sichere Tod für viele – teils flugunfähige – Vogelarten.“ Die rasante Vermehrung der Katzen durch fehlende Feinde sei für die Insel zum Problem geworden. Bei der dortigen Umweltbehörde werden sie inzwischen als Schädlinge geführt.

Können Katzen trotzdem ihr Kuschelimage behalten? Keineswegs, meint der Ornithologe Lachmann: „Das Verdienst der Studie ist es auf jeden Fall, dass sie uns die Größenordnung des Problems klar gemacht und ins öffentliche Bewusstsein gebracht hat.“ Allerdings ist die Lage in Deutschland mit Neuseeland nicht zu vergleichen. Hier tummeln sich vor allem Amseln, Meisen und Feldmäuse in den Vorgärten. Alles keine Arten, die sich auf der roten Liste bedrohter Tierarten befinden. Und doch: „Es kursieren grobe Schätzungen, dass in Deutschland 200 Millionen Vögel im Jahr von Katzen getötet werden“, sagt Lachmann. In Siedlungsbereichen hätten Katzen für eine deutliche Reduzierung der Vogelbestände gesorgt. So scheine es manchmal, „als gäbe es fast keine Vögel mehr im Garten“.

Das größte Problem seien dabei gar nicht mal die Stubentiger mit Freigang, sondern verwilderte Hauskatzen. Diese bekommen ihr Futter nicht täglich vor die Nase gestellt und „sind gezwungen, ihren Bedarf über die Jagd zu decken“. In Deutschland gibt es daher Tierschutzorganisationen und Behörden, die dazu raten, freilaufende Katzen zu kastrieren, um eine Überpopulation zu verhindern. In Niedersachsen gibt es in vielen Kommunen sogar schon eine Kastrationspflicht.

Trotzdem, findet jedenfalls Professor Fehr von der TiHo, habe sich im Laufe von Jahrhunderten ein gewisses Gleichgewicht im Land eingestellt. „In Katzen steckt noch der Beutetrieb, ein natürlicher Instinkt zur Jagd“, so Fehr. Das sei aber nichts Verwerfliches. Katzen lebten diesen Instinkt aus – manchmal auch spielerisch mit dem Futter: „Jeder weiß, dass Katzen, die Freilauf haben, auch auf Jagd gehen und dann natürlich auch mal einen Vogel oder eine Maus erbeuten.“

Trotzdem blutet vielen Vogelliebhabern das Herz, wenn Minky oder Cleo wieder einen Vogel genüsslich töten – gerade in der Brutzeit. Da hopst der junge Nachwuchs noch hilflos und unbeholfen über den Boden, versucht sich in die Lüfte zu erheben und kann schnell zum Opfer werden.

„Man würde sicherlich einen Beitrag zum Vogelschutz leisten, wenn man seine Katze eine Zeitlang im Haus behalten würde“, erklärt Fehr. Das würde helfen, einige junge Piepmätze zu schützen. Letztlich aber, meint der Experte, sei es vom zoologischen Standpunkt „einfach die natürliche Selektion, die durch die Natur erfolgt“. Witterung, Krankheiten und eben Beutegreifer spielten bei der Dezimierung von Tierbeständen eine Rolle. Aber: „Die fortschreitende Verschlechterung der Lebensräume durch den Menschen“, betont Lachmann, „ist die größte Bedrohung.“


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