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Der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. verdeckt sein Gesicht im Potsdamer Landgericht.

Der mutmaßliche Kindermörder Silvio S. verdeckt sein Gesicht im Potsdamer Landgericht. © John MacDougall

Prozesse

Mutmaßlicher Kindermörder schweigt zu Vorwürfen

Mordprozess um grausige Taten an Kindern: Ein 33-Jähriger soll zwei kleine Jungen entführt und umgebracht haben. Laut Anklage tötete er Elias und Mohamed, als sie begannen zu weinen.

Potsdam. Der mutmaßliche Mörder des sechsjährigen Elias und des vierjährigen Mohamed hüllt sich vor Gericht vorerst in Schweigen über das grausige Geschehen.

Der Prozess gegen Silvio S. begann am Dienstag in Potsdam unter strengen Sicherheitsvorkehrungen, weil es zuvor in sozialen Netzwerken Drohungen gegen den Angeklagten gegeben hatte.

Silvio S. will zum jetzigen Zeitpunkt nicht aussagen, sich nach Angaben seines Verteidigers aber möglicherweise später zu den Vorwürfen äußern. Der Vorsitzende Richter appellierte an das Gewissen des 33-Jährigen, die Vorgänge durch seine Aussage aufzuklären. Es gebe zwei Mütter von getöteten Kindern: "Sie haben Anspruch darauf zu erfahren, was passiert ist. Es gibt nur einen, der das weiß."

Der Wachmann aus Brandenburg soll die zwei Kinder im vergangenen Jahr entführt und umgebracht haben. An Mohamed soll sich Silvio S. sexuell vergangen haben, bei Elias soll er es versucht haben. Die Kinder tötete der gelernte Fliesenleger laut Anklage, als sie laut weinten.

Als erste Zeugin sagte die Mutter des getöteten Elias aus. Der Sechsjährige war im Juli 2015 von einem Spielplatz in Potsdam verschwunden. Sie habe dem Kind immer wieder eingeschärft, keinen fremden Menschen zu trauen, erzählte die 26-Jährige.

Elias habe allein im Hof gespielt, selbst ausgedachte Spiele mit Stöcken und Steinen. Vom Fenster der Wohnung aus habe sie ihn im Blick gehabt. "Alle 10 bis 15 Minuten habe ich nach ihm gesehen." Sie habe Abendessen vorbereitet. "Ich bin dann zum Rauchen hinuntergegangen und habe festgestellt, dass er weg ist."

Die ganz in Schwarz gekleidete Frau erinnerte sich vor Gericht, wie sie damals zunächst verzweifelt den Wohnblock absuchte - erst allein, dann mit Freunden - und schließlich den Notruf wählte. "Ich habe mich erst nicht ernst genommen gefühlt", sagte sie über das Gespräch mit der Polizei. Die Beamten hätten zwei Streifenwagen geschickt. "Als er nicht auftauchte, haben sie es ernster genommen."

Wochenlang suchten Polizei, Familie, Freunde und Unterstützer nach Hinweisen zum Schicksal von Elias. Die dreiköpfige Familie war erst wenige Wochen vor dem Verschwinden des Jungen in den Wohnblock gezogen. Der Freund von Elias' Mutter berichtete: "Wir haben bis halb drei Uhr nachts geschaut. Die Tage darauf waren wir ebenfalls unterwegs von morgens bis abends. Die Suche wurde größer und größer." Dennoch blieb sie ergebnislos.

Auf die Spur von Silvio S. kam die Polizei erst nach der zweiten Tötung, die dem Angeklagten vorgeworfen wird. Das Flüchtlingskind Mohamed wurde Anfang Oktober vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) entführt. Die Mutter des Angeklagten erkannte ihren Sohn später auf Fahndungsbildern und rief die Polizei. Daraufhin wurde Silvio S. Ende Oktober gefasst. Überraschend räumte er in seiner Vernehmung auch das Töten von Elias ein.

Dem Gericht zufolge ist im Fall einer Verurteilung nach jetzigem Stand keine Unterbringung des Mannes in einer psychiatrischen Klinik zu erwarten. Dem Angeklagten droht lebenslange Haft, also mindestens 15 Jahre. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft wollte er mit den Tötungen verhindern, dass die Entführungen und Übergriffe bekannt werden.

dpa


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