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Gesellschaft

Umfrage: Studenten haben ein "hohes Stresslevel"

Wegen Zeitdruck und Zukunftsängsten fühlen sich Studierende in Deutschland nach einer aktuellen Umfrage insgesamt stärker unter Stress als Beschäftigte im Job. Studentinnen leiden unter dieser Situation mehr als ihre männlichen Kommilitonen, an staatlichen Hochschulen ist das Überforderungsgefühl höher als an den privaten, und Bachelor-Studenten klagen darüber häufiger als die schon reiferen Master-Kandidaten. Stress-Studienfach Nummer eins ist Tiermedizin, am Ende der Skala stehen die Sportwissenschaften.

Berlin. All dies geht aus einer Online-Befragung von mehr als 18 000 Teilnehmern hervor. Der AOK-Bundesverband hatte Wissenschaftler der Universitäten Potsdam und Hohenheim mit der bisher größten repräsentativen Erhebung zum „Studi-Stress“ beauftragt. „53 Prozent geben ein hohes Stresslevel an“, resümierte die Potsdamer Studienleiterin Uta Herbst. Eine vergleichbare Erhebung aus dem vorigen Jahr habe gezeigt, dass der Anteil der in der Arbeitswelt Beschäftigten mit hohem Stresslevel bei „nur“ 50 Prozent liege.

Ein Grund für das hohe Belastungsgefühl von Studenten sei die „Bologna-Reform“ von 1999 zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes, die mit erhöhtem Prüfungsstress einherging, so das Fazit der Experten. In Deutschland sei die „Stressresilienz“ (Widerstandsfähigkeit im Umgang mit Belastungen) bei Studierenden wohl gering ausgeprägt.

Viele junge Leute kämen heutzutage eher unselbstständig zur Uni, viele plagten sich mit überhöhten Erwartungen herum. Differenziert nach Bundesländern, steht Nordrhein-Westfalen an der Spitze der Stresswert-Tabelle, vor Sachsen-Anhalt, dem Saarland und Sachsen. Offenkundig gehts in Bremen, Brandenburg, Bayern und Rheinland-Pfalz für Studierende ruhiger zu.

„An erster Stelle ist es hochschulbezogener Stress, der Studierenden zu schaffen macht“, bilanzierte der Hohenheimer Marketing-Professor Markus Voeth. „Dazu zählen neben Vorbereitungszeiten auf Prüfungen und dem Anfertigen der Abschlussarbeit die allgemeine Arbeitsbelastung durch das Studium sowie der Stoffumfang in Lehrveranstaltungen.“ Weniger ins Gewicht fielen dagegen „bekannte Stressoren des Alltags wie die Pflege von sozialen Kontakten oder die ständige Erreichbarkeit durch die modernen Medien“.

Kommt im Studium Stress auf, äußert sich dieser bei den Betroffenen in unterschiedlicher Form: Am häufigsten wurden Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten sowie Lustlosigkeit genannt. Abhilfe könne durch mehr Unterstützung von außen geschaffen werden, sagte AOK-Vorstandschef Martin Litsch.


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