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Hier lebte Justin: Haus in Tennessee© ap

Erziehung

US-Mutter schickt Kind nach Russland zurück

Eine amerikanische Krankenschwester hat ihren sieben Jahre alten russischen Adoptivsohn mutterseelenallein zurück nach Moskau geschickt, weil sie ihn nicht mehr wollte.

„Dieses Kind ist psychisch instabil, gewalttätig und hat ernste psychopathische Probleme“, schrieb die 34-jährige Torry Hansen aus Tennessee auf einem Zettel, den sie dem Jungen mitgab. Sie habe für ihr eigenes Leben, das ihrer Familie und ihrer Freunde gefürchtet:

„Es tut mir leid es zu sagen, aber ... ich will nicht mehr Mutter dieses Kindes sein.“

Der kleine Artjom, in Amerika Justin genannt, traf am Donnerstag an Bord einer United-Airlines-Maschine in Moskau ein. Er hatte nur einen Rucksack dabei, mit ein paar Süßigkeiten, Keksen, Buntstiften und der Botschaft der Adoptivmutter. Am Wochenende befand er sich in einem Moskauer Krankenhaus. Wie es heißt, hat sich bereits eine russische Familie gemeldet, die den Jungen aufnehmen und adoptieren will.

Kremlchef Dmitri Medwedew sprach von einem „monströsen Akt“ der US-Familie. Außenminister Sergej Lawrow äußerte Empörung darüber, dass der Junge wie ein „Paket“ behandelt worden sei. Er drohte damit, alle Adoptionen durch US-Familien auf Eis zu legen: Erst müssten in einem Regierungsabkommen mit den USA die „Verpflichtungen der Adoptiveltern“ festgeschrieben werden. Eine solche Vereinbarung sei längst überfällig. John Beyrle, der US-Botschafter in Moskau, zeigte sich ebenfalls “äußerst schockiert darüber, dass sich eine Familie derart gefühllos einem Kind gegenüber verhält, das sie gesetzlich adoptiert haben“.

Die Amerikanerin hatte Artjom alias Justin im Sommer 2009 adoptiert: Nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Nowosti lebte er seit 2008 in einem sibirischen Waisenhaus, nachdem seiner leiblichen Mutter das Elternrecht entzogen worden war. Die Verantwortlichen in dem Heim, so schrieb Torry Hansen auf dem Zettel, hätten sie irregeführt und über den Zustand des Jungen gelogen. Er sei völlig gesund und ein normales Kind, habe man ihr gesagt.

Die Wahrheit, so die Mutter der Krankenschwester, Nancy Hansen, sah anders aus. Justin sei ein gestörter, von Wut erfüllter Junge, dessen Verhalten sich im Laufe der Zeit immer mehr verschlimmert habe. „Er spuckte und trat um sich und bedrohte die Menschen in seiner Umgebung“, schilderte sie dem Sender CNN. So habe Justin eine Liste von Personen aufgestellt, die er töten wolle, darunter seine Adoptivmutter. Das Fass lief über, so Nancy Hansen, als der Junge in seinem Zimmer Papier angezündet habe: „Ich fürchtete um das Leben meiner Tochter und der gesamten Familie.“

Es war dann auch Nancy Hansen, die den Jungen nach Washington brachte und dort in das Flugzeug setzte. Zuvor hatte sie nach eigenen Angaben per Internet einen Anwalt kontaktiert, der ihr sagte, dass die Adoption annulliert werden könne. Hansen arrangierte dann, dass der Junge - wie bei allein reisenden Kindern üblich - an Bord der Maschine von einen Flugbegleiter betreut wurde. Außerdem bezahlte sie einen Mann dafür, dass er Justin am Flughafen abholte und am Eingang des Moskauer Bildungsministeriums absetzte. Dort sei man aus allen Wolken gefallen, hieß es in russischen Berichten.

Und: Der Junge erzählte dort anscheinend eine ganz andere Geschichte. Er sei von seiner Adoptivfamilie in Amerika misshandelt worden. So habe ihn die Großmutter Nancy wiederholt an den Haaren gezogen. Die US-Behörden ermitteln.

Nach russischen Angaben sind in den USA im vergangenen Jahr 1600 russische Kinder adoptiert worden - das ist der dritte „Rang“ nach Kindern aus China und Guatemala. dpa


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