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GEEHRT: Anthony Sadler (von links) Alek Skarlatos und Chris Norman haben den Terrorverdächtigen überwältigt, dafür bekamen sie bereits eine Medaille.

KATASTROPHE VERHINDERT

US-Bürger überwältigen Schützen in Schnellzug nach Paris

Drei US-Bürger haben in einem Schnellzug zwischen Amsterdam und Paris einen schwer bewaffneten Mann überwältigt und damit offenbar ein Blutbad verhindert. Zwei US-Soldaten und ein befreundeter Student berichteten, sie hätten sich sofort auf den mit einer Kalaschnikow, einer Pistole und einem Teppichmesser bewaffneten Mann geworfen.

Der 26-jährige Tatverdächtige wurde am Samstag von französischen Anti-Terror-Ermittlern befragt. "Ich drehte mich um und sah einen Mann mit einer Kalaschnikow hereinkommen. Meine Freunde und ich duckten uns und dann sagte ich: 'Schnappen wir ihn'", berichtete Alek Skarlatos über die Geschehnisse vom Freitag.

Der 22-jährige Angehörige der US-Nationalgarde, der kürzlich in Afghanistan diente, sagte, seine Freunde Spencer Stone und Anthony Sadler hätten sich auf den Angreifer geworfen. Im Handgemenge sei Stone, der in der US-Luftwaffe diente, mit einem Messer am Hals und an der Hand verletzt worden.

"An diesem Punkt tauchte ich auf und packte seine Waffe und fing an, ihm ins Gesicht zu schlagen, bis er bewusstlos wurde", sagte Skarlatos im britischen Rundfunksender BBC. Sadler sagte dem französischen Sender BFMTV, der Angreifer habe "keine Chance" gehabt.

"Er sagte uns nur, wir sollten ihm sein Gewehr zurückgeben. 'Gebt mir mein Gewehr zurück! Gebt mir mein Gewehr zurück!' Wir schlugen ihn aber weiter, stellten ihn ruhig und das war's." Sadler sagte, Stone erhole sich im Krankenhaus gut von seinen Verletzungen.

Aus Ermittlerkreisen verlautete, neben Stone werde ein zweiter US-Bürger in Lille behandelt, der einen Schussverletzung an der Schulter erlitt. Er könne nicht glauben, dass dies geschehen ist, sagte Sadler. "Ich bin nur ein College-Student. Ich kam, um meine Freunde zu sehen für meine erste Reise nach Europa und wir stoppen einen Terroristen. Es ist irgendwie verrückt."

Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve lobte die US-Bürger für ihre "Kaltblütigkeit". Auch US-Präsident Barack Obama dankte ihnen für ihren Mut und ihre schnelle Reaktion. "Ihre heldenhafte Tat hat möglicherweise eine viel schlimmere Tragödie verhindert", erklärte er.

Belgiens Regierungschef Charles Michel sprach von einem "Terroranschlag". Frankreichs Präsident François Hollande will den Männern in den nächsten Tagen persönlich danken. Auf Handyvideos aus dem Zug ist ein dünner Mann in weißer Hose und ohne Hemd zu sehen, der auf dem Boden liegt, die Füße und Hände hinter dem Rücken gefesselt.

Der Verdächtige war in Brüssel in den Thalys gestiegen. Nachdem er um 17.50 Uhr kurz nach der Überquerung der Grenze nach Frankreich das Feuer eröffnet hatte und überwältigt worden war, wurde er um 18.00 Uhr am Bahnhof im nordfranzösischen Arras festgenommen.

Laut den Ermittlern handelt es sich um einen 26-Jährigen marokkanischer Abstammung, der den Geheimdiensten als radikaler Islamist bekannt ist. In einer ersten Vernehmung bestritt er nach Angaben aus französischen Polizeikreisen aber, in terroristischer Absicht gehandelt zu haben.

Laut der Zeitung "El País" wohnte er zeitweise in Spanien und war vom spanischen Geheimdienst als radikal eingestuft und den französischen Behörden gemeldet worden. Er soll in jüngster Zeit nach Syrien gereist sein. Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

Auch die belgische Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen eines Terrorvergehens ein, da der Mann in Brüssel den Zug betreten habe. Frankreich ist seit den islamistischen Anschlägen auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt im Januar mit insgesamt 17 Toten in erhöhter Alarmbereitschaft.

Die 554 Passagiere des Thalys wurden in der Nacht mit Sonderzügen von Arras nach Paris gebracht, wo sie psychologisch betreut und in Hotels untergebracht wurden, wie die Betreibergesellschaft mitteilte.


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