Navigation:

Im Juni startete die „MS Deutschland“ von Kiel zur letzten Kreuzfahrt unter deutscher Leitung.

Kreuzfahrtbranche

„Traumschiff“ wird Universität

„MS Deutschland“ wird für reiche US-Studenten zum Luxus-Internat umgebaut.

Kiel. Ach, was das Schiff nicht alles erlebt hat. Bittersüße Liebesgeschichten, Eifersucht und Versöhnung, Freundschaften, zerbrochene Ehen und Traumhochzeiten, während der Lametta-Kahn vermeintlich Kurs auf die schönsten Urlaubsziele der Welt nahm. Nahezu alle bekannten deutschen Schauspieler stiegen zu Kapitän Paulsen (Siegfried Rauch), Chefhostess Beatrice (Heide Keller) und ihrem Pendant Stefan Burger (Sascha Hehn, mittlerweile Serien-Kapitän) auf die „MS Deutschland“. Künftig soll der legendäre Luxusliner als schwimmende Universität auf den Weltmeeren kreuzen.

Frei nach dem Motto Reisen bildet, befördert das Schiff dann keine Touristen, sondern reiche Studenten. Das plant der US-Konzern Absolute Nevada LLC um den texanischen Milliardär Donald Hoffmann. Er hat das Kreuzfahrtschiff für 21 Millionen US-Dollar gekauft und ihm den Namen „World Odyssey“ verpasst.

Das ZDF-„Traumschiff“ ist davon nicht betroffen. Die neuen Folgen – geplant für Weihnachten und Silvester – werden schon seit Jahresbeginn nicht mehr auf der „MS Deutschland“ produziert. Nach den Insolvenzen von Reederei und Schiff wechselte die Fernsehcrew auf die „Amadea“, das Flaggschiff des Reiseveranstalters Phoenix-Reisen.
Inzwischen hat die Kieler Lindenau-Werft die 175 Meter lange „Deutschland“ für die Lehrfahrten des Studienprogramms „Semester at Sea“ umgebaut. Der prunkvolle, über zwei Decks reichende „Kaisersaal“ ist zum Hörsaal umfunktioniert worden, einige Doppelbetten wurden durch Hochbetten ersetzt, künftig soll es kabellosen Internetempfang auf dem gesamten Schiff geben. Die einstigen roten Streifen am Rumpf sind jetzt blau, aber der museale Charme des „Traumschiffs“ ist erhalten geblieben.

Läuft alles nach Plan, nimmt die „World Odyssey“ am Sonnabend Kurs aus Southampton in England, von dort geht es für 100 Tage nach San Diego in den USA, mit Stationen in Italien, der Türkei, Griechenland, Spanien, dem Senegal, Brasilien.
Die 650 Plätze sind ausgebucht, auch schon für das zweite Semester. Die Studenten kommen von der University of Virginia, einer der besten Universitäten der Vereinigten Staaten – und können sich was leisten: Zwischen umgerechnet 25 000 und 40 000 Euro kostet so ein Semester zwischen Luxus und Meer.
Lernen in edlen Ledersesseln mit der Bar in Reichweite – eine Spaßfahrt mit ausufernden Partys soll die Reise dennoch nicht werden. Das sagt zumindest der Vertreter des Eigentümers, Robert Lambert Präsident der Reederei Cruise America Associates: „Die Studenten der University of Virginia kommen aus gutem Hause.“
Da stört nicht weiter, dass künftig die Flagge Nassaus, Hauptstadt der Bahamas, am Heck des schwimmenden Campus‘ weht. Das spart Geld für Heuern, Steuern und Abgaben. Bis dahin war die „MS Deutschland“ das letzte Kreuzfahrtschiff unter deutscher Flagge. Gegen eine solche Ausflaggung hatte sich bereits 2012 der damalige Deutschland-Kapitän Andreas Jungblut gewehrt.
Die Finanziers wollten das Kreuzfahrtschiff damals aus Kostengründen unter der Flagge Maltas fahren lassen. Blöd nur, dass das Thema ausgerechnet während der olympischen Sommerspiele in London hochkochte, als das Schiff als Unterkunft für Athleten und Prominente dort vor Anker lag.

Kapitän Jungblut nutzte die mediale Aufmerksamkeit, um gegen die Ausflaggung zu meutern. Die Reederei lenkte aufgrund des öffentlichen Drucks ein – und feuerte Jungblut kurz drauf wegen illoyalen Verhaltens.
Nach dem Verkauf an das US-Unternehmen Absolute Nevada LLC im Frühjahr ging der Flaggen-Zoff in eine neue Runde. Auch die Mannschaft um den neuen Kapitän Andreas Greulich begehrte gegen die schlechteren Bedingungen auf, die sie unter der Nassau-Flagge zu erwarten hatte. Mittlerweile ist keines der früheren Crew-Mitglieder mehr an Bord. Sonja Fröhlich


Bildergalerien Alle Galerien
Anzeige
Die Bahn verspricht, pünktlicher zu werden - schafft sie das?

Alles über Hannover 96

Spielberichte, Hintergründe, Analysen - lesen Sie hier alles über Hannover 96.

Bilder des Tages

../dpa-InfoLine_rs-images/large/urn-newsml-dpa-com-20090101-140912-99-04060_large_4_3.jpg

Waschtag: Ein niederländischer Kavallerist wäscht zum «Prinsjesdag» den Schweif seines Pferdes. Foto: Martijn Beekman

zur Galerie