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Kerzen und Blumen erinnern im Oktober 2012 an das Gewaltverbrechen.

Kerzen und Blumen erinnern im Oktober 2012 an das Gewaltverbrechen.© Robert Schlesinger/Archiv

Kriminalität

Tödliche Gewaltorgie: Hauptverdächtiger aus Türkei zurück

Nach monatelangem Tauziehen zwischen Deutschland und der Türkei ist der Hauptverdächtige der tödlichen Gewaltattacke am Berliner Alexanderplatz gefasst. Der 19-jährige Onur U.

Berlin. U. hatte sich nach dem Gewaltangriff auf Jonny K. im Oktober 2012 in die Türkei abgesetzt, am Montag stellte er sich nun den Berliner Justizbehörden. Der Verdächtige wurde einem Haftrichter vorgeführt. Bis zum Abend war nach Angaben der Justiz der Haftbefehl noch nicht verkündet. Nach dem 19-Jährigen war wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung mit Todesfolge gesucht worden.

Zielfahnder nahmen den 19-Jährigen kurz nach 14.00 Uhr nach seiner Landung aus Izmir am Flughafen Tegel fest. Zuletzt hatte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei einer Reise nach Ankara für die Strafverfolgung des Geflüchteten eingesetzt.

Mit der Rückkehr von Onur U. sind nun alle sechs Verdächtigen gefasst. Ein Prozess soll voraussichtlich am 13. Mai beginnen. Fünf der Verdächtigen sind bereits wegen gefährlicher Körperverletzung oder gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt. Onur U. gilt laut Ermittlungsbehörden als treibende Kraft des Angriffs.

Die Prügelattacke auf den 20-jährigen Jonny K. hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst, erst an diesem Sonntag wurde mit einem Benefizkonzert an das Opfer erinnert. Der junge Berliner wäre an dem Tag 21 Jahre alt geworden.

Wie aus dem Nichts war der junge Mann in der Nacht zum 14. Oktober 2012 vor einem Lokal nahe dem Alexanderplatz von Schlägern so heftig attackiert worden, dass er einen Tag später an Gehirnblutungen starb. Ein Freund wurde angegriffen und verletzt.

Gegen den Hauptverdächtigen, der die deutsche und die türkische Staatsbürgerschaft besitzt, hatten zuletzt die türkischen Behörden wegen Mordes ermittelt. Der deutsche Haftbefehl bestand weiter. Aus dem Außenministerium in Ankara hieß es am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa nur, zu juristischen Fällen gebe es keine detaillierten Auskünfte.

Anscheinend war aber der Druck so groß, dass sich Onur U. doch in Deutschland stellte. In der Türkei hätte ihm bei einer Verurteilung womöglich eine härtere Strafe gedroht. Dort wird auch kein Jugendstrafrecht angewendet. In Deutschland sieht dieses eine Höchststrafe von zehn Jahren vor. Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) hatte am Wochenende gesagt, der Mann wolle nicht in ein türkisches Gefängnis.

Der Anwalt des Hauptverdächtigen, Axel Weimann, teilte in einer Erklärung am Montag mit, Onur U. werde im Prozess an der "Wahrheitsfindung" mitwirken. Er sei nach Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt freiwillig zurückgekommen. Die Behörden seien über den Reisetermin informiert gewesen. Onur U. habe aber lange mit seiner Rückkehr gezögert, da er befürchtet habe, er könne keinen fairen Prozess erwarten. Er sei in den Medien zum "Mörder" abgestempelt worden.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) würdigte das beharrliche Vorgehen der Ermittlungsbehörden. "Der hohe Druck hat sich in allen Fällen ausgezahlt", sagte Henkel. Er wertete die Festnahme als Erfolg für Polizei und Justiz. "Das ist ein gutes Signal für die Familie des Opfers aber auch an alle Täter: Seid euch nicht sicher", sagte der CDU-Politiker.

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) sagte: "Ich freue mich, dass sich nun auch der sechste Verdächtige für diese abscheuliche Tat vor einem deutschen Gericht verantworten muss." Er dankte Kanzlerin Merkel. Sie habe die türkischen Behörden aufgefordert, nach Onur U. zu fahnden. "Wir haben den Druck massiv erhöht", sagte Heilmann.

Er hoffe, dass das Gericht das Verfahren gegen Onur U. mit dem Prozess gegen die fünf anderen Verdächtigen verbinden könne, sagte der Justizsenator.

Berlins Opferbeauftragter Roland Weber sagte der Nachrichtenagentur dpa, gerade für die Hinterbliebenen sei es ein wichtiges Signal, dass der Tod des 20-Jährigen Jonny K. nicht ungesühnt bleibe.

dpa


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