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Der Schwarzmarkt blüht.

Der Schwarzmarkt blüht. © Daniel Karmann/Archiv

Agrar

Teure Avocados sorgen für Diebstahlwelle in Neuseeland

Die Diebe kommen nachts, ausgerüstet mit Harken, Taschenlampen und Betttüchern. Sie haben es auf Avocados abgesehen. Die Polizei schlägt Alarm. Was ist los im sonst so friedlichen Neuseeland?

Wellington. In Neuseeland geht der große Avocado-Klau um. Die überwiegend im Norden in der Bay of Plenty angebauten Früchte verschwinden über Nacht von den Feldern.

30 bis 40 Diebstähle sind bei der Polizei in Tauranga angezeigt worden, aber erst ein oder zwei Diebe seien dingfest gemacht worden, sagte Polizeisprecher Bryan Dudley der Deutschen Presse-Agentur.

Nach Angaben Dudleys kommen sie meist nachts mit Taschenlampen und Harken. "Sie pflücken die Früchte direkt vom Baum, manchmal sammeln sie sie in Bettlaken und fahren dann mit der Beute davon." Avocado-Bäume sind bis zu acht Metern hoch, aber die Räuber holten die tiefhängenden Früchte mit Harken von den Ästen, sagte die Chefin des Avocadobauern-Verbandes, Jen Scoular.

Der Hintergrund: Die gesunden Früchte erleben seit ein paar Jahren einen Boom, die Bauern können die Nachfrage gar nicht befriedigen. So ist der Preis für eine einzige Avocado dort auf umgerechnet 3,75 Euro gestiegen. Für Diebe ist es ein lukratives Geschäft, Avocados etwa auf Wochenmärkten zu verkaufen. Selbst Supermärkte fürchten Einbrüche: In einem Schaufenster hing ein Plakat mit dieser Warnung: "Über Nacht werden hier weder Bargeld und noch Avocados aufbewahrt".

Rund 1600 Bauern haben sich in Neuseeland auf Avocados spezialisiert. Sie bewirtschaften gut 5000 Hektar, viel geht in den Export. Geerntet wird bis März. Weltweit zieht die Nachfrage an, das neuseeländische Geschäft wächst jedes Jahr um fast 20 Prozent, wie Scoular sagt. Auch die heimische Nachfrage explodiert, und bis zur nächsten Ernte sind die Früchte rar und entsprechend teuer.

Avocados sind reich an ungesättigten Fettsäuren und Nährstoffen. Auch in Deutschland werden die birnenförmigen Früchte immer beliebter. Die Einfuhren stiegen von 28 000 Tonnen 2010 auf 35 000 Tonnen 2014. Die neuseeländische Variante kommt laut deutscher Statistik aber praktisch nie in die Warenregale. Die meisten in Deutschland verkauften Früchte stammen aus Peru, den Niederlanden und Spanien.

Die Mitglieder des neuseeländischen Avocado-Verbandes investierten nun in elektrische Zäune und Überwachungskameras, um ihre Ernte zu schützen, sagt Scoular. Wieso das Geschäft mit dem Diebesgut läuft, versteht sie nicht: "Wer die Früchte jetzt verkauft, dürfte nur unzufriedene Kunden haben, sie schmecken nämlich noch gar nicht." Zwar reifen Avocados zu Hause nach, aber eine Mindestzeit müssen sie am Baum bleiben. In Neuseeland wird frühestens im August geerntet.

dpa


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