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Terror: So sag ich's meinem Kind

Nach den Anschlägen von Paris und der Warnung von Hannover: Wir sind selbst geschockt und suchen nach Antworten. Wie sollen wir da unseren Kindern das Grauen von Paris begreifbar machen, ohne sie in Angst und Schrecken zu versetzen? Ganz einfach, indem wir bei der Wahrheit bleiben.

Hannover. Wenn der Umgang mit den Ereignissen für Erwachsene nicht einfach ist, ist er es für Kinder erst Recht nicht. Diese Tipps können helfen.

Keine Abschottung „Das Böse und das Unrecht existieren. Kinder haben ein Recht auf Wahrheit, auch wenn sie manchmal wehtut.“ Dieses Zitat des bereits 1997 gestorbenen französischen Dichters Claude Roy fasst sämtliche Kernaussagen zusammen, die Psychologen, Soziologen, Pädagogen und Medienexperten dieser Tage gemacht haben, wenn es um die Frage ging, wie und ob man Kindern gegenüber auf die Schreckensnacht von Paris eingehen soll.In Paris selbst führt buchstäblich kein Weg dran vorbei, auch den Kleinsten zu vermitteln, dass etwas Schlimmes passiert ist, weil der Ausnahmezustand das normale Leben in der Stadt vom Kindergartenalltag über die Schule bis hin zu Ausflügen und Einkäufen beeinflusst. Doch auch in Deutschland und den Nachbarstaaten müsste man dem Nachwuchs schon Augen und Ohren zuhalten, um ihn nicht mit der Tragödie von Paris zu konfrontieren: Kerzen brennen auf öffentlichen Plätzen, Gebäude sind in den Farben der Trikolore angestrahlt, in den Schulen, spätestens ab der fünften Klasse, ist der Terroranschlag Thema und die Absage des Fußballländerspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden in Hannover zieht Kreise bis hin zur „Pampers“-Liga.

Keine Verharmlosung Die Tatsachen mit Worten wie „alles halb so wild, betrifft uns nicht“ zu verharmlosen, sei keine Lösung, sagt Medienpädagogin Kristin Langer von der Medienratgeber-Initiative „Schau Hin!“, zu deren Partnern unter anderen das Bundesfamilienministerium sowie die Rundfunkanstalten ARD und ZDF zählen. Solche vermeintlich beruhigenden Sätzen machten Erwachsene nicht nur unglaubwürdig sondern irritierten Kinder geradezu: „Sie wollen ernst genommen werden und das bedeutet auch, dass man ernste Themen mit ihnen diskutiert“, betont Langer.

Achtsamer Umgang mit Medien Gerade Bilder, ob in Printmedien oder im Fernsehen, lösen emotionale Reaktionen aus. „Schau Hin!“ empfiehlt Eltern daher, Kinder, selbst wenn sie schon 13 Jahre alt sind, nicht unnötig mit Aufnahmen von Toten und Verletzten zu konfrontieren. Nachrichten für Erwachsene sollten Kinder unter zehn Jahren auf gar keinen Fall sehen und selbst, wenn sie älter sind, ist es ratsam, wenn sie dies nur im Beisein von Erwachsenen tun“, sagt Kristin Langer von der Initiative. Eine gute Alternative für Kinder vom Grundschulalter bis 13 Jahre sind Kindernachrichtensendungen wie beispielsweise „Logo“ auf Kika. In Sachen Hörfunkberichterstattung rät Langer, dass Radio auszuschalten, wenn Kinder allein zu Hause sind. Selbst 13-Jährige seien mit Schreckensmeldungen im Telegrammstil in der Regel überfordert. Auch wenn Erwachsene zu Hause seien, aber keine „Erklärzeit“ hätten, etwa, weil es morgens stressig ist, sollten Nachrichten besser abgestellt werden.

Die richtigen Worte finden „Niemals Angst“, lautet die Parole von Lebrac, Anführer des Longeverneclans im französischen Kinderfilmklassiker „Krieg der Knöpfe“. Und das sollten sich auch Eltern auf die Fahne schreiben, wenn sie mit ihrem Nachwuchs über das Attentat, seine Ursachen und Folgen sprechen. So betonte Jean-Luc Aubert, renommierter Kinderpsychologe und Autor vieler Elternratgeber, in einem Interview mit der Pariser Tageszeitung „Le Monde“ vor wenigen Tagen, dass  Eltern bei der Aufbereitung des Themas ihre eigenen Ängste im Griff haben sollten, um zu vermeiden, dass sie sich auf die Kinder übertragen. Wichtig sei es deshalb, sich selbst umfassend zu informieren und sich eine Meinung zu bilden. Das sei der beste Weg, um mit Kindern möglichst ruhig und nahe an der Wahrheit über die Situation zu sprechen, ohne sie zu verunsichern. Ebenso wichtig sei es jedoch,  zu betonen, dass dieser Anschlag nichts Alltägliches sei.

Für Kristin Langer ist es auch durchaus angemessen, wenn Eltern Emotionen wie Trauer oder Mitgefühl zeigen. Das vermittle eigene Werte, die Kindern Orientierung gäben. Am Ende sollten die Kinder das Gefühl haben, dass sie grundsätzlich sicher und gut aufgehoben sind.Kinder im Kindergartenalter, die Schlagworte aufgeschnappt haben und nachplappern, sollte man nach Ansicht von Langer nicht überfordern, indem man versucht alles, was damit zusammenhängt, genau zu erklären: „Grundsätzlich ist es immer besser, eine abwartende Haltung einzunehmen und sich ihre Sicht der Dinge anzuhören. Dabei hilft interessiertes Nachfragen, etwa was genau die Kinder von wem gehört haben. Dann kommen Eltern auch schnell dahinter, wie groß das Informationsbedürfnis ihres Kindes ist oder ob es Ängste hat.“

Von Kerstin Hergt


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