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Das Gemälde gefiel Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz gar nicht: Es zeigt sie in Strapsen und mit Amtskette.© dpa

Justiz

Streit um Nacktgemälde in Dresden

Schlappe für Dresdner Oberbürgermeisterin: Im Streit um ein Gemälde, das sie beinahe hüllenlos vor städtischer Kulisse zeigt, hat Helma Orosz eine herbe Niederlage einstecken müssen.

Das Oberlandesgericht (OLG) Dresden entschied am Freitag, dass das Werk der Künstlerin Erika Lust öffentlich gezeigt werden darf. Auf dem Bild ist die CDU-Politikerin Orosz nur in Strapsen und mit Amtskette vor der umstrittenen Waldschlößchenbrücke zu sehen.

Die Oberbürgermeisterin wollte erreichen, dass das Bild „Frau Orosz wirbt für das Welterbe“ künftig weder im Internet noch auf Ausstellungen präsentiert werden darf. Sie sieht sich in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Das Dresdner Landgericht hatte ihr Ende 2009 Recht gegeben und die Verbreitung untersagt. Die Malerin Lust legte dagegen in dem Eilverfahren Berufung ein. Das OLG urteilte nun im Sinne der Künstlerin.

Der zuständige Zivilsenat unter Vorsitz von Richterin Praxedis Möhring befand, dass im konkreten Fall das Persönlichkeitsrecht der 56-jährigen Politikerin zurückzutreten habe. Begründet wurde dies mit dem hohen Gut der Meinungsfreiheit bei Kunstwerken. Zudem handele es sich hier um die satirische Darstellung eines aktuellen politischen Geschehens. Satire aber genieße einen besonders großen Freiraum. „Das Werk ist ein Beitrag im geistigen Meinungskampf“, sagte Möhring.


Orosz, die selbst nicht zum Verkündungstermin gekommen war, hatte in der mündlichen Verhandlung gerügt, in dem Fall sei eine Grenze überschritten worden. Es gehe auch um ihre Autorität als Oberbürgermeisterin. Die Künstlerin konterte, das Bild sei für sie auch ein politisches Statement und eine Reaktion auf den Verlust des UNESCO-Welterbetitels gewesen. Die Nacktheit bezeichnete sie als künstlerisches Mittel, das Tatenlosigkeit ausdrücke.

Dresden hatte den Titel Mitte 2009 wegen der Waldschlößchenbrücke im Dresdner Elbtal verloren. Orosz hatte sich trotz drohender Aberkennung bis zuletzt für das umstrittene Projekt stark gemacht und einen Tunnel als Alternative abgelehnt. Eine gütliche Einigung kam vor dem OLG nicht zustande: Das Gericht hatte angeregt, dass Lust das Bild zwar noch auf Ausstellungen, aber nicht mehr im Internet zeigen darf. Orosz lehnte dies ab, obwohl ihre Kontrahentin dazu bereit gewesen wäre.


Gegen die Entscheidung ist im Eilverfahren kein Rechtsmittel mehr möglich. Ob Orosz ein Verbot nun im Hauptsacheverfahren durchzusetzen will, war zunächst unklar. Die vor dem Rechtsstreit weitgehend unbekannte Malerin sagte unmittelbar nach der Urteilsverkündung, sie sei sehr, sehr glücklich und erleichtert. „Ich liebe dieses Land, in dem eine kleine Künstlerin gegen eine mächtige Oberbürgermeisterin gewinnen kann“, sagte Lust, die ursprünglich aus Kasachstan stammt. Zugleich kündigte sie an, dass sie das Bild ungeachtet des juristischen Siegs erst einmal nicht mehr auf ihrer Internet-Seite zeigen werde, weil sie auf die Gefühle der Politikerin Rücksicht nehmen wolle.

So oder so ist das Interesse an der Malerin zuletzt deutlich gestiegen, die Orosz auch schon als Peitschen schwingende Domina zeigte und zahlreiche historische Figuren wie Päpste und Könige ebenfalls spärlich bekleidet auf die Leinwand brachte. Das Originalbild befindet sich mittlerweile gar nicht mehr in ihrem Besitz. Sie hatte es nach eigenen Angaben bereits im Herbst an einen Privatmann verkauft, der es zuletzt im Tresor verwahrte. apn


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