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Die jugendlichen Schläger müssen sich vor Gericht in München verantworten.© dpa

Justiz

Schweizer Schläger wegen Mordversuchs vor Gericht

Aus Spaß am Prügeln sollen sie fünf Menschen brutal zusammengeschlagen haben - seit Montag müssen sich die drei Schweizer Schüler vor dem Landgericht München I verantworten.

Die Anklage wirft den damals 16-Jährigen Mordversuch und gefährliche Körperverletzung vor. Mike, Ivan und Benjamin drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft nach Jugendstrafrecht. Streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit begann das Verfahren um die Schlägereien, zu denen es im Sommer 2009 in der Münchner City gekommen war.

Die Verteidigung bezweifelte zum Auftakt des Verfahrens, ob das Münchner Landgericht überhaupt zuständig sei. Die Staatsanwaltschaft habe nicht geprüft, ob am Wohnort der Angeklagten verhandelt werden könne, rügten die Verteidiger nach Angaben von Justizsprechern. In der Schweiz wäre die Höchststrafe vier Jahre. Weil die drei Angeklagten jugendlich sind, ist der Prozess nicht öffentlich.

Die Schüler einer 10. Klasse aus Küsnacht am Zürichsee hatten bei einer Klassenfahrt in München zusammen mit Schulkameraden in einem Park Alkohol getrunken und Marihuana geraucht. Auf dem Heimweg in ihre Unterkunft überfielen sie den Ermittlungen zufolge binnen Minuten fünf Passanten.

Die Staatsanwaltschaft geht in zwei Fällen von versuchtem Mord aus: Einem körperbehinderten Mazedonier sowie einem Geschäftsmann aus Ratingen (Nordrhein-Westfalen) sollen die Jugendlichen mit so großer Wucht gegen den Kopf getreten haben, dass beide Opfer bewusstlos liegen blieben. Es sei darum gegangen, „ein bisschen Spaß zu haben“, hatte einer der Beschuldigten nach Angaben der Ermittler später ausgesagt.

Die ersten Opfer waren den Ermittlern zufolge in dem Park drei Mazedonier, unter ihnen der Körperbehinderte. Danach sollen die Jugendlichen den damals 46 Jahre alten Versicherungskaufmann aus Ratingen überfallen haben. Ob er bleibende gesundheitliche Schäden davongetragen hat, wird Thema im Prozess sein. Zuletzt sollen die Schüler einen Studenten aus Bulgarien verprügelt haben.

„Es ist nicht nachvollziehbar, wie es überhaupt zu der Tat kam“, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Thomas Steinkraus-Koch, vor Prozessbeginn. Ein „nichtiger Anlass“ scheine zu der Eskalation geführt zu haben. Vor allem wegen des Alters der Angeklagten steche der Fall „aus der Masse heraus“.

Mindestens zwei der Opfer sind Nebenkläger. Sie und die anderen Opfer sollen möglicherweise an diesem Mittwoch in den Zeugenstand treten. 38 Zeugen und drei Sachverständige sind geladen. Vorerst sind bis Anfang Mai sieben Prozesstage angesetzt. „Ob man damit auskommt, wird sich zeigen“, sagte Steinkraus-Koch. dpa


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