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Einschusslöcher: In Winnenden erschoss der junge Amokläufer 15 Menschen.

Einschusslöcher: In Winnenden erschoss der junge Amokläufer 15 Menschen. © Boris Roessler/Archiv

Wissenschaft

Schulstress unterschätzter Risikofaktor für Amokläufe

Nach Amokläufen in Schulen gilt der Täter häufig vor allem als isolierter, Computer-besessener Waffenfan - zu Unrecht, sagt eine neue Übersichtsstudie. Stress und Ungerechtigkeitserlebnisse mit Lehrern spielen für Amokläufe an Schulen offenbar eine stärkere Rolle als bisher angenommen.

Berlin. n. "In über 40 Prozent der Fälle gab es im Vorfeld der Tat Konflikte und Stress mit Lehrern oder anderen Schulvertretern. Das hat uns wirklich überrascht", sagt Prof. Herbert Scheithauer vom Arbeitsbereich Entwicklungswissenschaft und Angewandte Entwicklungspsychologie der Freien Universität Berlin.

Dort wurden im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium geförderten TARGET-Projekts erstmals 37 Studien mit insgesamt 126 Taten in 13 Ländern systematisch untersucht und am Mittwoch vorgestellt. In 67 Fällen konnten die Forscher detaillierte Analysen zum schulischen Umfeld machen.

Die verbreitete "Einzelgängerthese" wurde dabei nicht bestätigt: Nur ein Viertel der Täter sahen sich als Einzelgänger, bald die Hälfte von ihnen (43 Prozent) hatte durchaus Freunde. "Bislang herrschte die Meinung vor, dass vor allem Mobbing unter Gleichaltrigen neben der sozialen Ausgrenzung der späteren Täter wichtiger Faktor für Schulamokläufe sei", sagt Scheithauer.

Nun zeigte sich, dass nur knapp 30 Prozent körperlich von Gleichaltrigen gemobbt wurden, etwa die Hälfte fühlte sich in der Schule von Mitschülern ausgegrenzt. "Diese Quote entspricht aber genau den Mobbing-Erfahrungen an Schulen allgemein, sie ist nicht höher", sagt Scheithauer. Neun von zehn Tätern hatten im Vorfeld Probleme und Konflikte im sozialen Beziehungsnetz, 85 Prozent erlebten soziale Ausgrenzung.

Vor allem für Deutschland, so zeigte eine zweite Studie mit Fokus auf sieben Schulamokläufe hierzulande, spiele das Mobbing offenbar eine geringere Rolle als beispielsweise in den USA. "Schaut man sich die Opfer an, dann sieht man, dass in den USA öfter Gleichaltrige im Visier des Täters stehen, in Deutschland sind es häufig auch Lehrer."

Ein eindeutiges Risikoprofil lasse sich aus den Erkenntnissen jedoch nicht schälen, betont Scheithauer. "Dazu sind die Faktoren viel zu unspezifisch und oft erst in der Rückschau auffällig." So sei es zwar tatsächlich so, dass Amokläufer häufig Gewaltvideo-Spiele spielten, aber umgekehrt führten solche Spiele nicht zu Gewalttaten. "Das sind ja extrem seltene Vorfälle."

dpa


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